Der Pharmaverpackungs-Spezialist Gerresheimer manövriert sich immer tiefer in eine beispiellose Governance-Krise. Statt testierter Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr liefert das Management eine beunruhigende Mängelliste: Verschobene Abschlüsse, interne Ermittlungen wegen falsch verbuchter Umsätze und gleich zwei laufende Prüfungen durch die Finanzaufsicht BaFin. Die Aufarbeitung dieses internen Kontrollversagens lähmt den Konzern zunehmend.

Luftbuchungen und BaFin-Ermittlungen

Eigentlich sollten die Ergebnisse für 2025 längst auf dem Tisch liegen. Nach einer erneuten Verzögerung am vergangenen Dienstag rechnet das Unternehmen nun erst im Juni mit einer Veröffentlichung. Der Grund für den Aufschub wiegt schwer: Eine zweite externe Wirtschaftsprüfungsgesellschaft durchleuchtet derzeit die Geschäftsvorgänge der letzten zwei Jahre. Nach aktuellen Erkenntnissen haben einzelne Mitarbeiter über sogenannte „Bill-and-Hold“-Vereinbarungen Umsätze verbucht, bevor die Ware überhaupt physisch ausgeliefert war.

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Die Finanzaufsicht BaFin hat sich bereits eingeschaltet und weitet ihre Untersuchungen aus. Die Aufseher prüfen nicht nur die fehlerhafte Umsatzrealisierung der Zwischenabschlüsse, sondern nehmen auch fragwürdige Leasingverbindlichkeiten von 65,5 Millionen Euro sowie aktivierte Entwicklungskosten ins Visier.

Harte Einschnitte und drohender SDAX-Rauswurf

Die finanziellen Konsequenzen dieser Praxis materialisieren sich nun in der Bilanz. Gerresheimer erwartet für 2025 Wertminderungen von bis zu 240 Millionen Euro, die vor allem die Schweizer Tochter Sensile Medical und den Standort in Chicago treffen. Um die angeschlagene Bilanz zu entlasten, greift das Management zu drastischen Mitteln und stellt die US-Verpackungssparte Centor zum Verkauf. Da es sich hierbei um ein hochmargiges Geschäft handelt, dürfte diese Veräußerung die ohnehin sinkende Profitabilität des Konzerns weiter belasten.

Parallel zwingt der fehlende Jahresabschluss das Unternehmen am Kapitalmarkt in die Defensive. Ein zeitnaher Ausschluss aus dem SDAX gilt als unvermeidlich, was Indexfonds zu Umschichtungen zwingt und zusätzlichen Verkaufsdruck erzeugt. Die massive Unsicherheit spiegelt sich im Kursverlauf wider: Ausgehend vom 52-Wochen-Hoch bei gut 80 Euro im vergangenen März ist das Papier bis auf den Freitagsschlusskurs von 17,56 Euro abgestürzt.

Für das laufende Jahr 2026 peilt Gerresheimer einen Umsatz von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro an, warnt jedoch explizit vor einem schwachen ersten Halbjahr. Bevor sich das operative Geschäft in der zweiten Jahreshälfte stabilisieren kann, muss das Management zwingend den testierten Abschluss vorlegen und die laufenden Verhandlungen mit den Kreditgebern über verlängerte Meldefristen erfolgreich abschließen. Bis diese fundamentalen Baustellen geklärt sind, fehlt der Aktie eine verlässliche Bewertungsgrundlage.

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