Gerresheimer Aktie: Folgenreiche Vorspannung?
Verschobener Jahresabschluss, zwei laufende BaFin-Prüfungen und drohende Abschreibungen von bis zu 240 Millionen Euro — Gerresheimer steckt in einer handfesten Unternehmenskrise. Die Aktie hat seit ihrem Hoch im März 2025 rund 78 Prozent verloren und notiert knapp über dem 52-Wochen-Tief.
Bilanzierungsfehler mit weitreichenden Folgen
Den Ausgangspunkt der Krise bildeten Hinweise, dass Gerresheimer Umsätze für bestimmte Kundenverträge verbucht hatte, bevor die Erlöse tatsächlich realisiert worden waren. Die BaFin hatte daraufhin im September 2025 erste Untersuchungen eingeleitet — und hat ihren Prüfungsumfang seither erheblich ausgeweitet. Neben dem Geschäftsbericht 2023/24 nimmt die Finanzaufsicht nun auch den Zeitraum von Dezember 2024 bis Mai 2025 unter die Lupe. Im Fokus stehen dabei möglicherweise falsch ausgewiesene Leasingverbindlichkeiten von 65,5 Millionen Euro sowie aktivierte Entwicklungskosten von 29,4 Millionen Euro.
Parallel läuft eine Sonderuntersuchung durch eine zweite externe Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, die Geschäftsvorgänge der Jahre 2024 und 2025 analysiert. Deren Abschluss verzögert sich — mit direkten Konsequenzen für den Jahresabschluss: Den testierten Konzernabschluss für 2025 kann Gerresheimer nicht wie geplant bis Ende März vorlegen. Die Veröffentlichung ist nun für Juni 2026 angesetzt.
Drohender SDAX-Ausschluss und Verkaufsdruck
Die Verzögerung zieht einen ganzen Rattenschwanz weiterer Probleme nach sich. Die Quartalsmitteilung für Q1 2026, ursprünglich für den 16. April geplant, sowie die ordentliche Hauptversammlung am 3. Juni sind auf unbestimmte Zeit verschoben. Gerresheimer erwartet zudem, dass die verletzte Transparenzanforderung der Deutschen Börse zum Ausschluss aus dem SDAX führen wird — ein Schritt, der Indexfonds zum Umschichten zwingt und zusätzlichen Verkaufsdruck erzeugen kann.
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Shortseller haben die Lage bereits für sich genutzt: Ein Hedgefonds erhöhte seine Short-Position am 11. März 2026 von 0,47 auf 0,62 Prozent des Aktienkapitals.
Abschreibungen, Kreditgespräche und ein Bilanzverkauf
Auf der operativen Seite drohen Wertminderungen von 220 bis 240 Millionen Euro, vor allem auf die Schweizer Tochter Sensile Medical und einen Standort in Chicago. Die bereinigte EBITDA-Marge für 2025 wird die Zielvorgaben verfehlen, ein Verlust je Aktie ist nicht ausgeschlossen. Gerresheimer hat Gespräche mit seinen Kreditgebern aufgenommen, um die in den Finanzierungsverträgen festgelegten Fristen zur Vorlage des Jahresabschlusses zu verlängern.
Zur Bilanzentlastung plant das Unternehmen den Verkauf der hochmargigen US-Tochter Centor — ein Schritt, der zwar kurzfristig Liquidität schafft, die Ertragskraft des Konzerns aber weiter schwächt.
Der testierte Jahresabschluss im Juni 2026 wird zum entscheidenden Prüfstein. Erst dann lässt sich beurteilen, wie tief die Bilanzierungsfehler tatsächlich reichen und ob die laufenden Kreditverhandlungen zu tragfähigen Ergebnissen geführt haben.
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