Rekordjahr, Milliarden-Expansion — und eine Dividende, die auf ein Viertel des Vorjahreswerts schrumpft. Die Erste Group hat 2025 den höchsten Nettogewinn ihrer Geschichte erzielt, zahlt Aktionären aber kaum etwas davon aus. Das Kapital fließt stattdessen in den größten strategischen Schritt der Bankengeschichte.

Starke Zahlen, klare Prioritäten

Der Nettogewinn stieg 2025 auf 3,5 Milliarden Euro — nach 3,1 Milliarden im Vorjahr. Das Kreditvolumen wuchs konzernweit um 6,4 Prozent auf 232 Milliarden Euro, in den Märkten außerhalb Österreichs sogar um 10,5 Prozent. Die harte Kernkapitalquote CET1 kletterte auf 19,3 Prozent — eine solide Ausgangsbasis, die die Bank bewusst für die Polen-Transaktion aufgebaut hatte.

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Auf der Kostenseite nahm der Aufwand um 5,8 Prozent zu, getrieben durch höhere Personal- und IT-Ausgaben sowie Beratungskosten im Zusammenhang mit der Akquisition. Die Betriebserträge legten 4,3 Prozent auf 11,7 Milliarden Euro zu — das Kostenwachstum übertraf damit das Ertragswachstum leicht.

Polen: Größte Expansion der Unternehmensgeschichte

Im Januar 2026 schloss die Erste Group den Kauf eines 49-Prozent-Anteils an der Santander Bank Polska sowie 50 Prozent am Vermögensverwalter Santander TFI ab. Kaufpreis: 7 Milliarden Euro, vollständig aus Eigenmitteln. Damit betritt die Gruppe den größten Bankenmarkt Zentraleuropas.

Das Rebranding von 485 Filialen und 1.400 Bankomaten startet im zweiten Quartal 2026, die vollständige Integration soll rund zwei Jahre dauern. Die Kosten sind bereits konkret beziffert: 180 Millionen Euro Integrationsaufwand, 70 Millionen Euro jährliche Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte nach Steuern. Hinzu kommen Bankensteuern und regulatorische Abgaben von rund 450 Millionen Euro, vor allem in Ungarn und Rumänien.

Die Erstkonsolidierung der Erste Bank Polska wird die CET1-Quote voraussichtlich um rund 460 Basispunkte drücken — ein erheblicher Rückgang, den das Management durch die erwartete Gewinnentwicklung im Verlauf des Jahres wieder auffangen will.

Dividende sinkt drastisch — Kurs unter Druck

Die markanteste Reaktion bei Aktionären löst die Dividendenentscheidung aus: Der Vorstand schlägt der Hauptversammlung am 17. April in Wien lediglich 0,75 Euro je Aktie vor. Im Vorjahr waren es 3,00 Euro. Die Ausschüttungsquote fällt damit von 50 bis 55 Prozent auf rund 10 Prozent des Nettogewinns — angekündigt war diese Einschränkung bereits zum Zeitpunkt des Kaufs.

Reicht das langfristige Wachstumspotenzial Polens, um den kurzfristigen Ausschüttungsverzicht zu rechtfertigen? Die Aktie notiert seit Jahresbeginn rund zwölf Prozent unter ihrem Allzeithoch von 111 Euro vom 3. Februar und testet derzeit die Unterstützung nahe dem 200-Tage-Durchschnitt. Der Markt preist sichtbar Unsicherheit über die Integrationsphase ein.

Für 2026 peilt das Management einen bereinigten Nettogewinn von über 4 Milliarden Euro sowie einen Gewinn je Aktie von mehr als 20 Prozent über dem bereinigten Vorjahreswert an. Wie belastend die Erstkonsolidierung tatsächlich auf die Bilanz wirkt, zeigen die Q1-Zahlen am 30. April — der erste echte Stresstest für die Wachstumswette auf Polen.

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