Rekordgewinn und Dividendenkürzung auf einen Streich — die Erste Group lieferte mit ihrem gestern veröffentlichten Jahresbericht 2025 ein widersprüchliches Bild. Der Nettogewinn kletterte auf 3,5 Milliarden Euro, doch Aktionäre erhalten für dieses Geschäftsjahr deutlich weniger als gewohnt. Der Grund: eine milliardenschwere Expansion, die das Institut strategisch neu aufstellt.

Starkes Jahr, klare Zahlen

Das operative Geschäft lief 2025 rund. Das Kreditvolumen wuchs konzernweit um 6,4 Prozent auf 232 Milliarden Euro, in den Märkten außerhalb Österreichs sogar um 10,5 Prozent. Der Zinsüberschuss stieg auf 7,8 Milliarden Euro, der Provisionsüberschuss legte um 8,6 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro zu. Die Eigenkapitalrendite (RoTE) erreichte 16,6 Prozent — ein solider Wert, der die Ertragskraft des Instituts unterstreicht.

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Die harte Kernkapitalquote (CET1) verbesserte sich auf 19,3 Prozent und schuf damit die Grundlage für den teuersten Zukauf der jüngeren Unternehmensgeschichte.

Polen als Wachstumswette

Für 7 Milliarden Euro — vollständig aus Eigenmitteln finanziert — sicherte sich die Erste Group Anfang Januar 2026 einen 49-Prozent-Anteil an der Santander Bank Polska sowie 50 Prozent am Vermögensverwalter Santander TFI. Rund 485 Filialen und 1.400 Geldautomaten sollen ab dem zweiten Quartal unter dem Namen „Erste Bank Polska" firmieren.

Die Erstkonsolidierung ist für den Quartalsbericht am 30. April 2026 geplant. Dann wird erstmals sichtbar, wie stark Polen Ergebnis und Kapitalquote tatsächlich prägt — denn die Übernahme dürfte die CET1-Quote vorübergehend um rund 460 Basispunkte drücken.

Die Rechnung für Aktionäre

Die Finanzierung aus dem Eigenkapital hat ihren Preis. Der Vorstand schlägt der Hauptversammlung am 17. April eine Dividende von 0,75 Euro je Aktie vor — nach 3,00 Euro im Vorjahr. Die Ausschüttungsquote sinkt damit von rund 50 bis 55 Prozent auf etwa 10 Prozent.

Das erklärt auch den Kursdruck der vergangenen Wochen. Die Aktie notiert rund 18 Prozent unter ihrem Allzeithoch von 111 Euro, das erst Anfang Februar markiert wurde, und hat seit Jahresbeginn etwa 13 Prozent verloren.

Ausblick: Ambitionierte Ziele, erhebliche Lasten

Für 2026 peilt das Management einen bereinigten Nettogewinn von über 4 Milliarden Euro und eine RoTE von rund 19 Prozent an — das wäre ein Gewinnsprung von mehr als 20 Prozent je Aktie. Gleichzeitig sind Belastungen von rund 450 Millionen Euro durch regulatorische Abgaben und Bankensteuern (vor allem in Ungarn und Rumänien) sowie 180 Millionen Euro Integrationsaufwand für Polen einzuplanen.

Sobald die Kapitalquote nach der Konsolidierung wieder steigt, will die Bank laut eigener Aussage erneut Spielraum für Ausschüttungen oder weitere Zukäufe gewinnen. Der erste Beweis dafür folgt mit dem Quartalsbericht Ende April.

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