Energiekontor meldet zum Jahreswechsel beeindruckende operative Fortschritte, bleibt beim Gewinnblick auf 2025 aber vorsichtig. Der Projektentwickler für Wind- und Solarparks bestätigt seine im Herbst gesenkte Prognose, während Pipeline und Verkäufe Rekordmarken erreichen. Wie passt diese Kombination aus gedämpfter Ergebnisprognose und starkem Tagesgeschäft zusammen?

Prognose bestätigt, Vertrauen stabilisiert

Im Oktober hatte Energiekontor seine ursprünglichen Erwartungen für 2025 wegen Projektverzögerungen in Deutschland und veränderter Rahmenbedingungen in Großbritannien deutlich zurückgenommen. Die Aktie verlor damals an einem Tag über 15 Prozent und geriet klar unter Druck.

Mit der aktuellen Meldung hält das Management an der angepassten Prognose fest:
Das Vorsteuerergebnis (EBT) soll 2025 zwischen 30 und 40 Millionen Euro liegen. Diese Bestätigung sorgte für spürbare Erleichterung im Markt und leitete eine Erholung vom Jahrestief ein.

Der Kurs liegt heute bei 37,60 Euro. Auf Sicht von 30 Tagen ergibt sich damit ein Plus von 8,20 Prozent, auch wenn die Zwölfmonatsbilanz mit rund 26 Prozent Minus weiterhin schwach bleibt. Vom 52‑Wochen-Hoch bei 61,80 Euro ist die Aktie mit gut 39 Prozent Abstand noch weit entfernt.

Operatives Geschäft auf Rekordniveau

Trotz der reduzierten Ergebnisprognose läuft das operative Geschäft deutlich besser, als es der Gewinnblick zunächst vermuten lässt. Die wichtigsten Kennzahlen im Überblick:

  • 14 Wind- und Solarprojekte mit über 350 MW Gesamtleistung erreichten 2025 den Financial Close
  • 21 Projekte mit rund 640 MW befinden sich im Bau oder in der Bauvorbereitung – ein historischer Höchststand
  • Sieben Windparkprojekte mit insgesamt 209 MW wurden verkauft (Vorjahr: 51 MW)
  • Zwei benachbarte Windparks mit über 90 MW gingen schlüsselfertig an Käufer – ein weiterer Rekord

Diese Daten unterstreichen, dass Energiekontor seine Rolle als Projektentwickler ausbaut und das Transaktionsvolumen deutlich steigert. Die starke Aktivität bildet die Basis für künftige Erträge, spiegelt sich aber noch nicht voll in den aktuellen Zahlen wider.

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Eigenportfolio und Zeitverzug bei Ergebnissen

Parallel zum Projektgeschäft arbeitet das Unternehmen am Ausbau des eigenen Bestandsportfolios. Aktuell umfasst dieses rund 450 MW Nennleistung. Ein älterer Windpark mit 14 MW wurde aus opportunistischen Gründen veräußert. Bereits im ersten Quartal 2026 soll das repowerte Windparkprojekt Oederquart mit 17 MW ans Netz gehen und die Kapazität wieder auf das bisherige Niveau heben.

Mittelfristig peilt das Management etwa 650 MW im Eigenbestand an. Einnahmen aus diesem Portfolio und aus verkauften Projekten fließen jedoch zeitlich versetzt in die Konzernrechnung ein.

CEO Peter Szabo betont genau diese Verzögerung als strukturellen Punkt:
Die heute gemeldeten Projektabschlüsse wirken sich im Wesentlichen erst 2026 und 2027 in den Ergebnissen aus. Die aktuelle Ergebnisentwicklung basiert dagegen vor allem auf der Arbeit vergangener Jahre. Damit erklärt sich die Diskrepanz zwischen starken operativen Zahlen und eher verhaltenem EBT-Ausblick.

Chartbild und Bewertung der Lage

Die Bestätigung der Prognose und die operativen Rekorde haben den Kurs zuletzt deutlich vom Jahrestief weggeführt. Mit 37,60 Euro notiert die Aktie rund 21 Prozent über dem 52‑Wochen-Tief von 30,95 Euro. Gleichzeitig liegt sie etwa 10 Prozent unter ihrem 200‑Tage-Durchschnitt von 41,87 Euro – ein Hinweis darauf, dass der übergeordnete Abwärtstrend noch nicht vollständig überwunden ist.

Technische Indikatoren zeichnen ein gemischtes Bild:
Der aktuelle Kurs liegt spürbar über dem 50‑Tage-Durchschnitt von 33,95 Euro, während der RSI mit 20,8 einen stark überverkauften Bereich signalisiert. Zusammen mit einer annualisierten 30‑Tage-Volatilität von gut 28 Prozent bleibt die Aktie schwankungsanfällig.

Fazit: Starke Basis, verzögerte Wirkung

Energiekontor steht operativ so gut da wie selten: eine prall gefüllte Projektpipeline, Rekordverkäufe und ein wachsendes Eigenportfolio bilden eine solide Grundlage für die kommenden Jahre. Kurzfristig begrenzt jedoch die im Oktober gesenkte und nun bestätigte Gewinnprognose den Spielraum bei den Ergebnissen.

Der zentrale Punkt bleibt der Zeitverzug: Die heute sichtbaren Projekterfolge werden sich vor allem 2026 und 2027 in den Zahlen niederschlagen. Damit hängt die weitere Kursentwicklung wesentlich davon ab, ob das Unternehmen diesen Übergang stabil gestaltet und seine ambitionierten Ausbauziele im Eigenportfolio wie geplant umsetzt.

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