Liebe Leserinnen und Leser,

es sind nur zwei Zahlen, doch sie erzählen die ganze brutale Geschichte der Weltwirtschaft im Jahr 2026: 0,2 und 35. Während sich Deutschland, die einst stolze Lokomotive Europas, mit einem mikroskopischen Wachstum von 0,2 Prozent im Jahr 2025 mühsam aus der Rezession zieht, meldet der taiwanesische Chip-Gigant TSMC einen Gewinnsprung von 35 Prozent im vierten Quartal.

Hier die „Old Economy", die sich erleichtert zeigt, dass die Schrumpfung gestoppt ist. Dort der technologische Herzschlag des Planeten, der im Takt der Künstlichen Intelligenz rast. Willkommen in der gespaltenen Realität dieses Jahresanfangs. Was gestern im DAX als charttechnische Warnung („Doji") begann, manifestiert sich heute fundamental: Die Luft wird dünner, und die Gewinner werden selektiver.

Der Eiserne Vorhang für Chips

Die geopolitische Ruhe, auf die viele gehofft hatten, war trügerisch. US-Präsident Donald Trump hat gestern Fakten geschaffen, die heute Morgen in den Vorstandsetagen von Seoul bis Silicon Valley für hektische Betriebsamkeit sorgen. Mit einer Unterschrift unter eine Executive Order auf Basis der berüchtigten „Section 232" hat Trump Zölle von 25 Prozent auf fortschrittliche KI-Chips verhängt.

Im Fadenkreuz stehen Hochleistungsprozessoren wie Nvidias H200 und AMDs MI325X. Die Botschaft aus Washington ist unmissverständlich: Wer diese Technologie nach China liefern will – oder auch nur über Umwege dorthin gelangen lassen könnte –, muss zahlen. Südkorea hat bereits ein Notfalltreffen einberufen; Handelsminister Yeo Han-koo weilt zur Schadensbegrenzung in Washington. Zwar beteuert man in Seoul, die direkten Auswirkungen seien begrenzt, doch die Angst vor einem „Slippery Slope" – einer Ausweitung auf Smartphones und Consumer-Electronics – ist greifbar.

Für Anleger ist das eine Gratwanderung: Einerseits drohen Handelshemmnisse, andererseits ist die Nachfrage so gewaltig, dass Analysten wie Srini Pajjuri von RBC die Nvidia-Aktie weiterhin mit „Outperform" und einem Kursziel von 240 US-Dollar bewerten. Der Tenor: Der KI-Zug ist zu schnell, als dass Zölle ihn entgleisen lassen könnten.

TSMC: Der lachende Dritte

Während die Politik Mauern baut, baut TSMC Fabriken – und zwar auch in den USA, um genau diesen politischen Winden zu entgehen. Die heute vorgelegten Zahlen der Taiwanesen sind nichts weniger als eine Machtdemonstration. Ein Gewinnsprung von 35 Prozent im letzten Quartal 2025, angetrieben von einer unersättlichen Gier nach Rechenpower.

Doch viel wichtiger ist der Ausblick: Für das laufende Jahr 2026 prognostiziert TSMC ein Umsatzwachstum von fast 30 Prozent in US-Dollar. Das Unternehmen spricht von einem „KI-Megatrend", der gerade erst beginnt. Es ist die klassische Lektion des Goldrauschs: Während die Goldgräber (die Software-Firmen) um Marktanteile kämpfen, verdienen die Verkäufer der Schaufeln ein Vermögen. Und TSMC verkauft derzeit die besten High-Tech-Schaufeln der Welt.

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Deutschland: Ein Hauch von Wachstum

Zurück auf den Boden der Tatsachen, zurück nach Wiesbaden. Das Statistische Bundesamt hat heute die vorläufigen Zahlen für 2025 vorgelegt. Nach zwei Jahren Rezession steht ein Plus von 0,2 Prozent.

Interessant ist der Blick unter die Motorhaube: Die deutsche Exportmaschine stottert weiter (-0,3 Prozent), belastet durch genau jene protektionistischen Maßnahmen aus den USA und die Konkurrenz aus China, die wir oben besprochen haben. Gerettet wurde das Jahr 2025 durch uns Verbraucher. Die privaten Konsumausgaben stiegen um 1,4 Prozent. Wir kaufen wieder, wir reisen wieder – und stützen damit eine Wirtschaft, der die Investitionen fehlen.

Ökonomen warnen jedoch vor Euphorie. Für 2026 wird zwar ein Wachstum von etwa einem Prozent erwartet, doch ein echter, selbsttragender Aufschwung wird wohl erst für 2027 prognostiziert. Die Investitionsschwäche bleibt die Achillesferse des Standorts.

Marktausblick: Konsolidierung auf hohem Niveau

Der DAX scheint diese gemischte Gemengelage heute zu spüren und bestätigt das charttechnische Warnsignal von gestern. Nach den Rekordhochs gönnt sich der Leitindex eine Verschnaufpause und notiert heute Vormittag leicht schwächer bei rund 25.245 Punkten. Jochen Stanzl von der Consorsbank spricht treffend von „gemischten Gefühlen".

Während Daimler Truck trotz eines erwarteten schwachen vierten Quartals (Zollbelastungen in Nordamerika lassen grüßen) bei Analysten beliebt bleibt (Deutsche Bank: Buy), stehen heute Nachmittag die USA im Fokus.

Um 14:30 Uhr kommen Arbeitsmarktdaten, doch die Augen der Wall Street richten sich auf die Banken: Goldman Sachs und Morgan Stanley legen ihre Bücher offen. Nach den starken Zahlen von JPMorgan liegt die Messlatte hoch. Goldman Sachs hat in den letzten neun Quartalen die Gewinnerwartungen stets geschlagen – sollte diese Serie heute reißen, könnte es an den Märkten ungemütlich werden.

Geopolitik: Eiszeit im Norden

Zum Abschluss noch ein Blick in den hohen Norden, der zeigt, dass sich die geopolitischen Spannungen nicht nur auf Chips beschränken. Die Bundeswehr hat ein Erkundungsteam nach Grönland entsandt, um Dänemark bei Sicherheitsfragen zu unterstützen. Moskau reagierte prompt und bezeichnete NATO-Sorgen um Grönland als „Mythos", um Hysterie zu schüren. Es scheint, als würde nach dem Weltraum und dem Cyberspace nun die Arktis zur nächsten Bühne der Großmachtkonkurrenz.

Was das für Sie bedeutet

Wir leben in einer Welt der zwei Geschwindigkeiten. Der Tech-Sektor entkoppelt sich dank KI fast vollständig von der traditionellen Konjunktur, während die klassische Industrie in geopolitischen Zangengriffen steckt. Für Ihr Depot bedeutet das: Diversifikation ist keine Floskel, sondern Überlebensstrategie. Setzen Sie nicht alles auf die Karte „Erholung der deutschen Industrie", aber ignorieren Sie auch nicht die Substanz, die dort trotz allem noch vorhanden ist.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und spannende Erkenntnisse aus den US-Bankbilanzen heute Nachmittag.

Herzlichst,

Ihr

Eduard Altmann