DAX unter Druck: Infineon und Siemens fallen, Qiagen trotzt dem Ölpreisschock
Blockierte Handelsrouten, Ölpreise jenseits der 100-Dollar-Marke und ein Fear & Greed Index bei 18 — der Iran-Konflikt hat den DAX fest im Griff. Nur 10 von 40 Werten schlossen am Donnerstag im Plus. Während zyklische Schwergewichte wie Infineon, Siemens und Commerzbank teils kräftig nachgeben, behaupten sich defensive Titel und Plattformunternehmen mit eigener Wachstumsstory. Ein Blick auf die heutigen Gewinner und Verlierer im Leitindex.
Die Gewinner
| Asset | Kurs | Veränderung | Sektor |
|---|---|---|---|
| Qiagen | 34,95 EUR | +1,1 % | Healthcare |
| Scout24 | 63,90 EUR | +0,8 % | Communication Services |
Qiagen: Defensive Stärke in der Krise
Qiagen gehört heute zu den wenigen Lichtblicken im DAX. Ein Plus von 1,1 % mag bescheiden wirken — im aktuellen Umfeld ist es ein Zeichen relativer Stärke. Der Diagnostik-Spezialist profitiert von seiner Positionierung abseits zyklischer Konjunkturabhängigkeit.
Die Vorfreude auf die Quartalszahlen am 6. Mai stützt den Kurs zusätzlich. Analysten erwarten stabiles Wachstum in der Genomik-Sparte. Die Nachfrage nach NGS-Workflows und PCR-Tests halte an, auch wenn Biotech-Indizes insgesamt unter Druck stehen.
CEO Thierry Bernard hatte die strategische Richtung für 2026 klar formuliert: Produktvermarktung vorantreiben, regulatorische Meilensteine erreichen, Automatisierungssysteme weiterentwickeln. Ein zusätzlicher Rückenwind kommt von der EU-Seite — die vollständige Umsetzung der IVDR-Verordnung bis 2026 verschafft Zertifizierungsführern wie Qiagen einen strukturellen Vorteil.
Allerdings bleibt die Bewertung herausfordernd: Die Aktie notiert rund 27 % unter ihrem 52-Wochen-Hoch und nahe am Jahrestief. Der heutige Anstieg ist weniger ein kurzfristiger Newseffekt als vielmehr Ausdruck der defensiven Qualität in einem Markt, der Sicherheit sucht.
Scout24: Dividendenerhöhung als Kurstreiber
Scout24 legt um 0,8 % zu — bemerkenswert angesichts des schwachen Gesamtmarkts. Der Auslöser ist klar identifizierbar: Der gestern veröffentlichte Geschäftsbericht für 2025 überzeugte mit starken Zahlen.
Die wichtigsten Eckdaten im Überblick:
- Umsatzwachstum: +14,7 % auf 649,6 Mio. Euro (organisch +11,0 %)
- EBITDA-Marge: 62,5 %
- Ergebnis je Aktie: +50,2 % auf 3,33 Euro
- B2B-Kundenwachstum: +5,7 %, B2C: +14,0 %
- Dividendenvorschlag: +14 % gegenüber Vorjahr
Für 2026 bestätigte der Vorstand die Prognose: 16 bis 18 Prozent Umsatzwachstum, davon 6 bis 7 Prozentpunkte aus der Spanien-Akquisition. Die bereinigte EBITDA-Marge soll bei bis zu 61 Prozent liegen, organisch sogar bei bis zu 64 Prozent.
Die Aktie notiert dennoch fast 50 % unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 122,80 Euro. Der Immobilienmarkt bleibt ein Belastungsfaktor. Entscheidend wird 2026 weniger die Zahl der Inserate sein als die Monetarisierungstiefe bei Maklern und der freie Cashflow. Die fundamentale Basis stimmt — ob der Markt das honoriert, hängt auch vom geopolitischen Umfeld ab.
Die Verlierer
| Asset | Kurs | Veränderung | Sektor |
|---|---|---|---|
| Infineon | 37,63 EUR | −2,7 % | Technology |
| Siemens | 204,65 EUR | −2,4 % | Industrials |
| Commerzbank | 30,93 EUR | −2,2 % | Financial Services |
Infineon: Heliumkrise verschärft den Gegenwind
Minus 2,7 % — Infineon setzt seinen Abwärtstrend fort. Der Halbleiterwert leidet gleich unter mehreren Belastungsfaktoren. Strukturell drücken Überbestände und eine gedämpfte Nachfrage aus dem Automobilsektor auf die Margen. Mit einem Geschäftsmix von rund 40 Prozent Automotive und 30 Prozent Industrie trifft der zyklische Gegenwind den Konzern besonders hart.
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Eine unerwartete Heliumknappheit verschärft die Lage zusätzlich. Die Chipfertigung benötigt das Gas zwingend, und die europäischen Produktionsstätten sind nicht flexibel genug, um Lieferausfälle schnell auszugleichen. Das Management reagiert offensiv: Die geplanten Investitionen im laufenden Geschäftsjahr wurden von 2,2 auf rund 2,7 Milliarden Euro aufgestockt. Die Mittel fließen in den Ausbau der Fertigung für Hochleistungsrechensysteme und Hyperscale-Serverfarmen.
An der Börse verfängt die Strategie bisher kaum. Der Titel hat sich deutlich von seinem Ende Februar markierten 52-Wochen-Hoch bei 47,03 Euro entfernt. Solange der Lagerabbau bei Automobilkunden nicht abgeschlossen ist, bleibt das Risikoprofil erhöht. Erst wenn die Nachfrage aus dem KI-Segment die Auto-Schwäche kompensiert, dürfte sich die Stimmung drehen.
Siemens: Rekord-Auftragsbestand trifft auf geopolitische Risikoaversion
Siemens verliert 2,4 % und notiert bei 204,65 Euro — in der Nähe von Mehrmonatstiefs. Am 20. März hatte die Aktie mit 200,50 Euro bereits ein neues 6-Monats-Tief markiert. Rund 21 % trennen den Kurs vom 52-Wochen-Hoch.
Für den exportorientierten Industriekonzern sind steigende Ölpreise und geopolitische Spannungen ein toxischer Cocktail. Die Investitionsbereitschaft der Kunden — vor allem aus Industrie und Automobilbau — lässt spürbar nach. Hinzu kommt Unsicherheit rund um die geplante Abspaltung der Healthineers-Beteiligung. Siemens will etwa 30 Prozent der Anteile direkt an die eigenen Aktionäre abgeben und damit die Kontrolle abgeben. Steuerfragen, Refinanzierung und der genaue Zeitplan bleiben offen.
Das fundamentale Bild erzählt eine völlig andere Geschichte. Die Q1-Zahlen vom Februar zeigten einen Auftragseingang von 21,4 Milliarden Euro (+7 %), einen Umsatz von 19,1 Milliarden Euro (+4 %) und ein Book-to-Bill-Verhältnis von 1,12. Der Auftragsbestand erreichte mit 120 Milliarden Euro einen Höchstwert. JPMorgan hält an der Einstufung „Overweight" fest. Der aktuelle Rückgang ist primär stimmungsgetrieben — die geopolitische Eskalation hat die Kursgewinne nach den Rekordzahlen vollständig aufgezehrt.
Commerzbank: Rekordergebnis im Schatten des UniCredit-Dramas
Minus 2,2 % auf 30,93 Euro — die Commerzbank gibt ihre jüngsten Gewinne wieder ab. Die Aktie hat gestern die 20-Tage-Linie nach unten durchbrochen. Im Mittelpunkt steht weiterhin das Übernahmedrama mit UniCredit.
Ein wichtiges Detail verändert die taktische Ausgangslage: Seit dem 22. Februar darf UniCredit ein mögliches Übernahmeangebot als reinen Aktientausch strukturieren. Die übernahmerechtliche Frist, die einen Barkauf über fünf Prozent in den sechs Monaten vor einem Angebot begrenzt, ist abgelaufen. UniCredit hält mittlerweile rund 30 Prozent — und hat nun maximale Flexibilität bei der Angebotsgestaltung.
Operativ liefert die Bank starke Argumente gegen die Kursschwäche. Das Geschäftsjahr 2025 brachte das beste operative Ergebnis der Unternehmensgeschichte: 4,5 Milliarden Euro, ein Plus von 18 Prozent. Für 2026 stellt das Management ein Nettoergebnis über dem bisherigen Zielwert von 3,2 Milliarden Euro in Aussicht. Der Zinsüberschuss soll auf rund 8,5 Milliarden Euro steigen, die Cost-Income-Ratio auf etwa 54 Prozent sinken. Solange keine Einigung im Übernahmestreit absehbar ist, dürfte die Unsicherheitsprämie im Kurs allerdings eingepreist bleiben.
DAX im März 2026: Geopolitik überlagert Fundamentaldaten
Dieser Freitag liefert ein charakteristisches Bild für den DAX im März 2026. Geopolitik dominiert alles. Defensive Werte und Plattformunternehmen mit eigener Wachstumsstory behaupten sich, während zyklische Industrie- und Technologietitel strukturell unter Druck stehen.
Die zentrale Entscheidungszone liegt beim DAX um 22.800 Punkte. Der Iran-Konflikt und seine Auswirkungen auf den Ölpreis bleiben der alles überlagernde Faktor. Ohne Deeskalation an der Straße von Hormus werden Technologie- und Industriewerte kaum zur Ruhe kommen. Healthcare-Titel und Geschäftsmodelle mit stabilen Cashflows dürften ihre relative Stärke hingegen behaupten — zumindest solange die Krise anhält.
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