Die Börsennotierung von Covestro verändert sich grundlegend. Nach der Übernahme durch den neuen Mehrheitsaktionär XRG leitet der Kunststoffhersteller den Rückzug aus dem streng regulierten Prime Standard ein – ein weiterer Schritt hin zu einem vollständigen Herausdrängen der Minderheitsaktionäre. Für Freefloat-Investoren stellt sich damit vor allem eine Frage: Wie läuft der Abschied von der Börse konkret ab?

Segmentwechsel als Signal

Der Vorstand hat am 22. Januar 2026 beschlossen, den Wechsel vom Prime Standard in den General Standard der Frankfurter Wertpapierbörse zu beantragen. Hintergrund sind laut Unternehmen die zusätzlichen Kosten und Anforderungen des Prime Standard.

Dazu zählen unter anderem:

  • Quartalsberichte nach erhöhten Transparenzstandards
  • Ad-hoc-Mitteilungen in deutscher und englischer Sprache
  • Anwendung internationaler Rechnungslegungsstandards (IFRS) über das gesetzliche Mindestmaß hinaus

Mit dem Downgrade entfallen diese Pflichten. Die Zulassung zum regulierten Markt bleibt jedoch im General Standard bestehen. Die Rücknahme der Prime-Standard-Zulassung wird drei Monate nach Veröffentlichung der Widerrufsentscheidung durch die Geschäftsführung der Frankfurter Wertpapierbörse wirksam.

Charttechnisch wirkt der Schritt bislang eher neutral: Am Freitag schloss die Aktie bei 60,74 Euro, rund 8 % unter dem 52‑Wochen-Hoch von 66 Euro, aber klar über dem Zwischentief von 54,62 Euro. Der RSI von knapp über 30 signalisiert bereits eine eher schwache Marktstimmung, ohne dass es bislang zu einem abrupten Kursrutsch kommt.

XRG treibt Squeeze-out voran

Der Segmentwechsel steht nicht isoliert, sondern fügt sich in die laufende vollständige Übernahme ein. XRG P.J.S.C. hält gemeinsam mit der Tochter ADNOC International Germany Holding AG rund 95,10 % des Grundkapitals und hat am 9. Januar 2026 das Squeeze-out-Verfahren nach deutschem Aktienrecht eingeleitet.

Kernpunkte der Transaktion:

  • XRG kontrolliert mehr als 95 % der Anteile
  • Die Hauptversammlung soll die Übertragung der Aktien der Minderheitsaktionäre beschließen
  • Die Minderheitsaktionäre sollen eine Barabfindung erhalten, deren Höhe noch nicht feststeht
  • Das Wirksamwerden hängt von Hauptversammlungsbeschluss und Eintragung ins Handelsregister ab

Damit ist klar: Die verbleibenden Kleinaktionäre werden perspektivisch aus dem Unternehmen gedrängt und gegen eine Abfindung abgefunden. Der Segmentwechsel in den General Standard passt in dieses Bild, da ein höheres Transparenzniveau für einen künftig nur noch sehr kleinen Streubesitz aus Sicht des Mehrheitsaktionärs kaum noch Nutzen bringt.

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Übernahme und Führungswechsel

Die strategische Partnerschaft zwischen Covestro und XRG wurde am 17. Dezember 2025 offiziell vollzogen. Mit dem Closing wurde eine Kapitalerhöhung über 1,17 Milliarden Euro durchgeführt. Bereits im November 2025 hatte die deutsche Investitionskontrolle die Transaktion genehmigt, womit alle wesentlichen Vollzugsbedingungen erfüllt waren.

Parallel zur Übernahme kam es zu Veränderungen in der Führungsebene:

  • Am 20. Dezember 2025 übernahm Dr. Rainer Seele den Vorsitz des Aufsichtsrats von Dr. Richard Pott
  • Finanzvorstand Christian Baier kündigte an, seinen Vertrag nicht zu verlängern und das Unternehmen im September 2026 auf eigenen Wunsch zu verlassen

Diese Personalien deuten auf einen Umbau der Governance-Struktur im Sinne des neuen Mehrheitsaktionärs hin und unterstreichen den Übergang in eine neue Eigentümer- und Steuerungsphase.

Operative Schwäche und Sparprogramm

Operativ bleibt das Umfeld anspruchsvoll. Die Quartalszahlen vom Oktober 2025 zeigen eine anhaltende Schwäche des Geschäfts:

  • Konzernumsatz: 3,2 Milliarden Euro (minus 12 % gegenüber dem Vorjahr)
  • EBITDA: 242 Millionen Euro
  • Konzernergebnis: minus 47 Millionen Euro
  • Free Operating Cash Flow: 111 Millionen Euro

Damit arbeitet Covestro zwar weiter positiv auf Cashflow-Ebene, schreibt aber unter dem Strich rote Zahlen. Das Transformationsprogramm STRONG soll hier gegensteuern. Bis 2028 sind jährliche Einsparungen von 400 Millionen Euro geplant, davon 190 Millionen Euro in Deutschland. Erste Effekte der Kostensenkungen zeigen sich bereits in den Zahlen, reichen aber noch nicht aus, um die Ergebnisdelle vollständig zu kompensieren.

Investitionen in Zukunftsprojekte

Trotz Übernahme und Squeeze-out drückt der neue Eigentümer nicht einfach nur auf die Kostenschraube. Covestro investiert parallel in Projekte, die die Wettbewerbsfähigkeit langfristig stärken sollen. Am 19. Januar 2026 erfolgte der Spatenstich für eine innovative Wärmebatterie am Standort Brunsbüttel.

Die Eckpunkte des Projekts:

  • Inbetriebnahme ist für Ende 2026 geplant
  • Rund 10 % des Dampfbedarfs des Standorts sollen künftig aus erneuerbaren Energien stammen
  • Unterstützung durch Breakthrough Energy Catalyst und die Europäische Investitionsbank

Das Vorhaben zielt darauf ab, Energiekosten und CO₂-Emissionen zu senken und die Produktion resilienter gegenüber schwankenden Energiepreisen zu machen.

Fazit: Abschied in Etappen

Für die Covestro-Aktie zeichnet sich ein klarer Pfad ab: Der Wechsel in den General Standard, der hohe Kontrollanteil von XRG, das eingeleitete Squeeze-out-Verfahren und die bereits vollzogene Kapitalerhöhung zeigen, dass die Zeit als breit handelbarer Börsentitel ausläuft. Operativ arbeitet das Unternehmen zugleich an einer Neuausrichtung aus Kosten- und Nachhaltigkeitssicht. Entscheidend für den weiteren Verlauf ist nun der Squeeze-out-Beschluss der Hauptversammlung und die Festlegung der Barabfindung, mit der sich der endgültige Rückzug der Aktie von der Börse vollziehen wird.

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