Nach einem außergewöhnlichen Lauf kommt die Commerzbank-Aktie ins Grübeln: Skeptische Töne aus Mailand bremsen die Übernahmefantasie und lenken den Blick zurück auf die nackte Bewertung. Ausgerechnet UniCredit-Chef Andrea Orcel stellt öffentlich die aktuelle Preisvorstellung für die Frankfurter Bank infrage – und löst damit merkliche Gewinnmitnahmen aus.

Im Hintergrund steht eine Aktie, die sich in den vergangenen zwölf Monaten mehr als verdoppelt hat. Nun rückt die Frage in den Vordergrund, ob das aktuelle Kursniveau ohne Übernahmeprämie noch gerechtfertigt ist.

Was Orcels Kommentar ausgelöst hat

Der Auslöser für den Rücksetzer kam klar von der potenziellen Käuferseite. UniCredit-CEO Andrea Orcel betonte, die Commerzbank werde derzeit mit einem „signifikanten Premium“ gegenüber seiner eigenen Bank gehandelt. An der Börse wurde das als Signal gelesen, dass UniCredit nicht bereit ist, jeden Aufschlag zu akzeptieren.

Konkret geht es um die Bewertungsspanne:

  • Commerzbank zuletzt mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von über 14
  • UniCredit deutlich darunter mit einem KGV von rund 10,6
  • UniCredit hält bereits rund 21 % der Anteile, über Derivate bestehen Optionen auf bis zu 29 %

Diese Differenz macht deutlich, warum die Italiener öffentlich auf Preisdiziplin pochen. Nach einer Rally von über 130 % im Jahr 2025 ist die Commerzbank teurer geworden als der potenzielle Käufer – ein ungewöhnliches Bild in klassischen Übernahmeszenarien.

Der Markt reagierte prompt: Nach einem frischen Mehrwochenhoch am Vortag setzten heute spürbare Gewinnmitnahmen ein. Im Tagesverlauf rutschte der Kurs zeitweise in den Bereich um 35 Euro. Damit liegt die Aktie zwar nur leicht unter dem aktuellen 50-Tage-Durchschnitt von 34,54 Euro, aber rund 15 % unter dem 52-Wochen-Hoch von 41,58 Euro. Der Relative-Stärke-Index (RSI) von 45,6 signalisiert dabei weder Überkauf noch Überverkauf – es handelt sich eher um eine Normalisierung nach einem sehr dynamischen Anstieg.

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Parallel veröffentlichte die Bank eine „Pre-Stabilisation Notice“ im Zusammenhang mit einer Anleiheemission der Amprion GmbH, bei der sie als Stabilisierungskoordinator auftritt. Operativ zeigt das die Bedeutung des Kapitalmarktgeschäfts, für den Aktienkurs war diese Meldung jedoch kaum relevant.

Einordnung der Rally: Luft wird dünner

Die Kursbewegung der vergangenen Monate liefert den Kontext für die aktuelle Nervosität. Innerhalb von zwölf Monaten legte die Aktie um mehr als 117 % zu. Auf Sicht von 30 Tagen steht noch ein moderates Plus von gut 2 %, während sie auf Wochensicht etwas nachgegeben hat. Gleichzeitig notiert der Titel klar über allen relevanten gleitenden Durchschnitten:

  • Aktueller Kurs: 35,07 €
  • 100-Tage-Durchschnitt: 33,13 €
  • 200-Tage-Durchschnitt: 30,72 € (Abstand rund 14 %)

Vor allem der Einstieg von UniCredit hatte den Kurs immer wieder angetrieben. Die Italiener kontrollieren inzwischen einen signifikanten Anteil und haben sich durch Derivate zusätzlichen Zugriff gesichert. Die kartellrechtliche Freigabe Anfang Januar für weitere mögliche Aufstockungen heizte die Spekulation auf ein mögliches formales Angebot zusätzlich an.

Mit Orcels Hinweis auf das Bewertungsniveau kommt nun eine Portion Nüchternheit zurück. Aus Marktsicht ist es typisch, dass nach parabolischen Anstiegen schon kleine Bremssignale von der Käuferseite reichen, um eine Korrekturbewegung auszulösen. Genau das ist nun zu beobachten: Die Übernahmefantasie wird nicht beendet, aber deutlich gedämpft.

Für das Management um CEO Bettina Orlopp bedeutet dies eine Verschiebung des Fokus. Je klarer UniCredit auf Preisdisziplin pocht, desto stärker rückt die Frage in den Vordergrund, ob die Bank ihren Bewertungsaufschlag auch als eigenständiges Institut untermauern kann. Die „Stand-Alone-Story“ muss überzeugen, wenn der M&A-Bonus nicht unbegrenzt trägt.

Charttechnik und Ausblick

Charttechnisch kristallisieren sich kurzfristig zwei Marken heraus. Auf der Unterseite gilt der Bereich um 35 Euro als erste wichtige Zone. Der Kurs liegt aktuell knapp darüber, ein nachhaltiger Rutsch darunter könnte zusätzliche technische Verkäufe nach sich ziehen. Aufwärts dürfte der Bereich um 36,50 Euro nun als Widerstand fungieren, nachdem das jüngste Hoch jenseits der 36-Euro-Marke nicht gehalten werden konnte.

Die Volatilität bleibt erhöht: Auf 30-Tage-Sicht liegt die annualisierte Schwankungsbreite bei knapp 69 %. Damit sind schnelle Ausschläge in beide Richtungen wahrscheinlich, insbesondere bei neuen Aussagen aus Mailand oder Frankfurt.

Fundamental richtet sich der Blick nun auf die nächsten harten Datenpunkte. Entscheidend wird der 11. Februar 2026, wenn die vorläufigen Jahreszahlen und der Ausblick auf die Strategie 2026 erwartet werden. Dann muss die Bank zeigen, ob Ertragskraft, Profitabilität und Perspektive mit der aktuellen Bewertung Schritt halten. Gelingt dieser Nachweis, könnte der jüngste Rücksetzer im Rückblick als normale Verschnaufpause nach einer außergewöhnlichen Rally erscheinen.

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