Die politische Unterstützung aus Berlin und frische Analystenkommentare geben der Commerzbank heute Rückenwind. Kurz vor den deutsch-italienischen Regierungskonsultationen wird deutlich: Die Bundesregierung stellt sich klar gegen ein Übernahmevorhaben durch UniCredit und stärkt den Kurs einer eigenständigen Commerzbank. Für Anleger stellt sich damit vor allem eine Frage: Wie tragfähig ist die Stand-alone-Strategie vor den anstehenden Jahreszahlen?

Berlin setzt auf Eigenständigkeit

Unmittelbar vor den Gesprächen zwischen der deutschen und der italienischen Regierung in Rom hat das Bundesfinanzministerium seine Haltung zur Commerzbank noch einmal klar formuliert. Ein Sprecher betonte, die Bundesregierung setze „weiterhin auf die Eigenständigkeit der Commerzbank“ und begrüße die ambitionierten Ziele des Instituts – ausdrücklich auch mit Blick auf die Beschäftigten.

In Regierungskreisen wird ein „unfreundliches Vorgehen“ durch UniCredit weiterhin als inakzeptabel bezeichnet, insbesondere bei einer systemrelevanten Bank wie der Commerzbank. Die politische Rückendeckung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem UniCredit-CEO Andrea Orcel angesichts der hohen Bewertung der Aktie ohnehin vor einem formellen Übernahmeangebot zurückschreckt.

Die wesentlichen politischen Punkte im Überblick:

  • Klare Präferenz der Bundesregierung für eine eigenständige Commerzbank
  • Ablehnung eines „unfreundlichen“ Übernahmeversuchs durch UniCredit
  • Verweis auf Systemrelevanz und Beschäftigung als zentrale Argumente

Heute notiert die Aktie bei 35,13 Euro und damit leicht über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 35,12 Euro. Auf Sicht von zwölf Monaten steht ein Plus von knapp 99 %, trotz eines leichten Rückgangs seit Jahresbeginn.

Orlopp wirbt in Davos für Stand-alone-Strategie

CEO Bettina Orlopp hat die Linie der Bundesregierung bereits zu Wochenbeginn inhaltlich untermauert. Beim Weltwirtschaftsforum in Davos nutzte sie ein CNBC-Interview, um die Fusionsfantasie mit UniCredit deutlich abzuschwächen.

Kern ihrer Botschaft: Bankenfusionen seien nur dann sinnvoll, wenn sie Wert schaffen. Ein Zusammenschluss mit UniCredit erfülle dieses Kriterium aus ihrer Sicht derzeit nicht, vor allem mit Blick auf die aktuelle Bewertung der Commerzbank. Gleichzeitig verwies Orlopp auf wachsendes Interesse internationaler Investoren an Deutschland. Hintergrund sind die laufenden Reformen der Ausgaben- und Investitionspolitik in Europas größter Volkswirtschaft, die den Standort aus Sicht vieler Anleger wieder attraktiver machen sollen.

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Damit entsteht ein abgestimmtes Bild: Politik und Management sprechen sich klar für eine eigenständige Weiterentwicklung der Bank aus, gestützt durch operative Fortschritte und eine verbesserte Marktposition.

Analysten uneins – Bandbreite bleibt groß

Die jüngsten Analystenkommentare zur Commerzbank zeigen ein gemischtes Bild und spiegeln die Unsicherheit über den weiteren Kursverlauf wider:

  • JPMorgan (20.01.2026): Kursziel von 33 auf 36 Euro angehoben, Einstufung „Neutral“. Die Bewertungsbasis wurde auf Ende 2027 verschoben.
  • Deutsche Bank (19.01.2026): Kaufempfehlung bestätigt, Kursziel 38 Euro.
  • RBC Capital Markets (16.01.2026): „Sector Perform“ bestätigt.

Der Konsens liegt laut MarketScreener bei durchschnittlich 34,59 Euro mit einer Halten-Empfehlung. Die Spanne der Kursziele reicht von 22,70 bis 39,50 Euro – ein deutlicher Hinweis darauf, wie unterschiedlich die Perspektiven auf die weitere Entwicklung sind.

Kursbild nach Rally – hohe Schwankungen

Nach der starken Entwicklung im vergangenen Jahr befindet sich der Titel aktuell in einer Konsolidierungsphase. Von seinem 52-Wochen-Hoch bei 41,58 Euro ist die Aktie rund 15 % entfernt, während der Abstand zum 52-Wochen-Tief bei 17,69 Euro bei knapp 99 % liegt. Der Kurs liegt nur minimal über dem 50-Tage-Durchschnitt und rund 11 % über der 200-Tage-Linie – ein technisch eher ausgeglichenes Bild.

Auffällig ist die hohe annualisierte 30-Tage-Volatilität von gut 69 %. Das unterstreicht, wie stark die Erwartungen derzeit schwanken – sowohl mit Blick auf mögliche Strukturmaßnahmen als auch auf die operative Entwicklung.

Q4-Zahlen als nächster Härtetest

Der nächste zentrale Termin ist der 11. Februar 2026. Dann legt die Commerzbank ihre Zahlen für das Geschäftsjahr 2025 vor und gibt einen Ausblick auf 2026. Im Fokus steht, ob die Bank die im Rahmen des Programms „Momentum 2028“ formulierten Renditeziele aus eigener Kraft erreichen kann.

Die zuletzt veröffentlichten Daten aus dem dritten Quartal 2025 zeigen eine solide operative Entwicklung:

  • Erlöse Q3 2025: 2,94 Mrd. Euro (+7 % gegenüber 2,74 Mrd. Euro in Q3 2024)
  • Operatives Ergebnis Q3 2025: 1,05 Mrd. Euro (+18 % gegenüber dem Vorjahr)
  • Nettoergebnis Q3 2025: 591 Mio. Euro (nach 642 Mio. Euro im Vorjahr)
  • Belastungsfaktor: höhere Steuerquote von 36 %
  • Ziel für Gesamtjahr 2025: Nettoergebnis von 2,5 Mrd. Euro

Mit der klaren Absage aus Berlin an eine UniCredit-Übernahme und der Stand-alone-Botschaft von CEO Orlopp rückt der 11. Februar umso stärker in den Mittelpunkt: Dann muss das Management mit konkreten Zahlen und einem belastbaren Ausblick untermauern, dass die Eigenständigkeit nicht nur politisch gewollt, sondern auch ökonomisch tragfähig ist.

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