Palantir, UBS & Ölmärkte: Wenn Neubewertungen auf iranische Engpässe treffen
Liebe Leserinnen und Leser,
23 Prozent Kursverlust seit Jahresbeginn – und plötzlich wird aus einem überteuerten KI-Highflyer wieder eine Kaufchance. Während Palantir von der Schweizer Großbank UBS hochgestuft wird, schickt die Eskalation im Nahen Osten die Ölpreise auf ein Zehn-Monats-Hoch und den DAX unter die psychologisch wichtige 25.000-Punkte-Marke. Doch die wirklich spannende Frage lautet: Wie lange hält die Panik an den Rohstoffmärkten – und was bedeutet das für Ihre Investments?
Palantir: Vom Problemfall zur Gelegenheit
Die Aktie des US-Datenanalyse-Spezialisten Palantir hat in den vergangenen Wochen eine schmerzhafte Korrektur erlebt. Seit Jahresbeginn summiert sich das Minus auf über 22 Prozent – selbst starke Quartalszahlen Anfang Februar konnten den Abwärtstrend nicht stoppen. Doch genau diese Schwäche macht das Papier nun für Analysten interessant.
Karl Keirstead von der Schweizer Großbank UBS hat die Aktie Ende Februar von "Neutral" auf "Buy" hochgestuft. Seine Begründung: Nach dem Rücksetzer von 35 Prozent gegenüber dem Höchststand sei die Bewertung deutlich attraktiver geworden. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 50 – basierend auf den Schätzungen für den Free Cash Flow 2027 – erscheine Palantir "angesichts unserer Prognose für ein Umsatzwachstum von 70 Prozent im Jahr 2026 und stabilen Margen im mittleren 50-Prozent-Bereich" nun sehr attraktiv.
Das Kursziel bleibt bei 180 US-Dollar, was vom aktuellen Niveau aus ein deutliches Aufwärtspotenzial bedeutet. Im vorbörslichen Montagshandel legte die Aktie bereits um über vier Prozent zu. Keirsteads Kernargument: Palantir befinde sich "an der Schnittstelle der beiden wichtigsten Ausgabentrends – KI und Daten" und dürfte daher weiterhin eine der stärksten Wachstumsgeschichten im Softwarebereich bleiben. Eigene Untersuchungen der UBS hätten gezeigt, dass die Nachfrage außergewöhnlich stark sei – trotz zunehmender Konkurrenz durch Anthropic und andere Anbieter.
Nahost-Eskalation: DAX verliert 1,8 Prozent
Der deutsche Aktienmarkt ist mit deutlichen Verlusten in die neue Woche gestartet. Nach der Tötung des iranischen Staatsoberhaupts Ajatollah Ali Chamenei bei amerikanisch-israelischen Luftangriffen am Wochenende rutschte der DAX am Montagmorgen um 1,8 Prozent auf 24.855 Punkte ab. Zwischenzeitlich war er sogar bis auf 24.647 Punkte gefallen – das niedrigste Niveau seit über einer Woche.
Die Nervosität ist spürbar, aber von Panik kann keine Rede sein. Der Iran hat zwar mit Gegenangriffen auf US-Stützpunkte in der Region sowie auf israelische Ziele reagiert, doch US-Präsident Donald Trump signalisierte bereits Gesprächsbereitschaft. "Sie wollen reden, und ich habe zugestimmt zu reden", sagte Trump dem US-Politikmagazin The Atlantic. Einen konkreten Zeitplan nannte er nicht.
Besonders unter Druck gerieten die Aktien der Reise- und Touristikbranche. Lufthansa verlor 6,6 Prozent, TUI sogar 8,4 Prozent. Die Lufthansa Group hat Flüge nach Tel Aviv, Beirut, Amman, Erbil, Dammam und Teheran bis zunächst einschließlich 8. März gestrichen. Auch der Luftraum dieser Länder wird nicht genutzt. Flüge von und nach Dubai sind bis 4. März ausgesetzt.
Auf der Gewinnerseite stehen erwartungsgemäß Rüstungsaktien: Rheinmetall legte 2,3 Prozent zu, Hensoldt gewann 5,4 Prozent, Renk kletterte um 4,8 Prozent. Analysten der Citigroup und JPMorgan sehen vor allem Hersteller von Raketenabwehrsystemen im Fokus. Charles Armitage von der Citi verwies auf die Systeme Iris-T SLM von Diehl und Hensoldt sowie Skyranger von Rheinmetall.
Ölpreise: Anstieg ja, Panik nein
Die Ölpreise sind nach der Eskalation im Nahen Osten wie erwartet zunächst kräftig gestiegen – in der Nacht zum Montag um jeweils mehr als zehn Prozent. Brent-Öl aus der Nordsee erreichte in der Spitze 82,37 US-Dollar je Barrel, den höchsten Stand seit Juli 2024. US-Öl kletterte auf 75,33 Dollar, den höchsten Stand seit Juni 2025.
Doch dann gaben die Preise einen Teil der Gewinne wieder ab. Zuletzt lag Brent nur noch um gut 7,5 Prozent höher bei 78,05 Dollar, WTI legte um etwa 6,7 Prozent auf 71,52 Dollar zu. Der Grund: Die Staaten des Ölverbunds Opec+ beschlossen am Sonntag, die Tagesproduktion um 206.000 Barrel zu erhöhen, um Engpässe und zu starke Preisanstiege zu verhindern. Den Krieg im Nahen Osten erwähnte die Gruppe mit keinem Wort – stattdessen verwies sie auf den stabilen Ausblick für die globale Wirtschaftsentwicklung.
Die entscheidende Frage ist nun: Wie lange bleibt die Straße von Hormus offen? Rund ein Fünftel der globalen Öltransporte passiert täglich diese Meerenge am Persischen Golf. Der Iran hat den Schiffsverkehr dort bereits eingeschränkt und sich zu Angriffen auf drei Handelsschiffe bekannt. Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, rechnet im Fall einer längeren Schließung mit einem Anstieg des Brent-Preises in Richtung 100 Dollar. "Bliebe der Ölpreis mehrere Monate so hoch, würde das die Inflation im Euroraum rechnerisch um mehr als einen Prozentpunkt erhöhen und das Wirtschaftswachstum um einige Zehntel Prozentpunkte senken."
Analysten der Deutschen Bank sehen das Ausmaß und Tempo der Eskalation in den kommenden Tagen von vielen Faktoren abhängig. Unter anderem könnten die höheren Ölpreise "eine Deeskalationsdynamik auslösen" – schließlich leidet auch die US-Wirtschaft unter teurer Energie, was Trump vor den Midterms im November schaden könnte.
UBS: Ermotti bleibt länger, Aktie fällt
Die Schweizer Großbank UBS plant laut Medienberichten, Konzernchef Sergio Ermotti über das Jahr 2027 hinaus im Amt zu halten. Die "Neue Zürcher Zeitung" berichtete unter Berufung auf informierte Kreise, die Bank sehe ihn für den anstehenden Streit mit dem Bund über strengere Kapitalregeln als unverzichtbar an. Die Suche nach einem Nachfolger werde deshalb aufgeschoben.
Ermotti hatte UBS bereits von 2011 bis 2020 geführt und war im Frühling 2023 nach der Übernahme der Credit Suisse als Chef zurückgeholt worden. Ursprünglich sollte sein Mandat Anfang 2027 enden. Doch die Integration der untergegangenen Konkurrentin wird erst Ende 2026 weitgehend abgeschlossen sein – und dann stehen wichtige Weichenstellungen an.
Die systemrelevante Bank sieht sich nach dem CS-Untergang mit einer möglichen Verschärfung der Eigenkapitalregeln konfrontiert. Die von Finanzministerin Karin Keller-Sutter vorgeschlagenen Regeln sehen vor, dass UBS die Auslandstöchter künftig mit 100 Prozent ihres Werts besichern müsste statt wie derzeit mit 60 Prozent. Das könnte die Großbank dazu zwingen, bis zu 26 Milliarden Dollar zusätzliches Eigenkapital aufzubauen.
Die Aktie reagierte negativ auf die Berichte: Im Schweizer Handel verlor sie zeitweise 4,1 Prozent auf 30,71 Franken. Anleger fürchten offenbar, dass die Unsicherheit über die künftige Regulierung und mögliche strategische Szenarien – vom Verbleib in der Schweiz über einen Wegzug bis hin zu einer Übernahme durch ein ausländisches Institut – noch länger anhält.
Novo Nordisk investiert 432 Millionen in Irland
Der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk baut seine Fertigungsstätte im irischen Athlone massiv aus. 432 Millionen Euro fließen in die Erweiterung und Modernisierung der Anlage in Monksland, um zusätzliche Produktionskapazitäten für aktuelle und künftige orale GLP-1-Mittel zu schaffen. Diese Medikamente gehören zu den wichtigsten Wachstumstreibern im Portfolio von Novo Nordisk und stehen im Zentrum des globalen Kampfes gegen Typ-2-Diabetes und Fettleibigkeit.
"Mit der Investition in die Anlage in Athlone erweitert Novo Nordisk seine Produktionskapazitäten für orale Produkte, was unsere Fähigkeit stärkt, die aktuelle und zukünftige Nachfrage außerhalb der USA zu decken", sagte Kasper Bødker Mejlvang, Executive Vice President CMC & Product Supply bei Novo Nordisk. Die Bau- und Aufrüstungsarbeiten sollen schrittweise zwischen Ende 2027 und 2028 abgeschlossen werden.
Während der Bauzeit entstehen bis zu 500 Arbeitsplätze vor Ort. Die rund 260 bestehenden Mitarbeiter bleiben eingebunden. Die Aktie reagierte verhalten: Im Montagshandel in Kopenhagen verlor sie zeitweise 0,23 Prozent auf 237,35 Dänische Kronen. Seit Jahresbeginn hat das Papier bereits rund 27 Prozent nachgegeben – ein deutliches Zeichen dafür, dass Anleger die hohen Erwartungen an die GLP-1-Pipeline kritischer sehen.
Was diese Woche wichtig wird
Am Mittwoch beginnt in China der Nationale Volkskongress, der den 15. Fünfjahresplan für die Periode 2026 bis 2030 verabschieden wird. Strategen der Deka erwarten weitere Stimulierungsmaßnahmen für die Konjunktur – das Wirtschaftswachstumsziel dürfte auf eine Spanne von 4,5 bis 5,0 Prozent heruntergenommen werden.
Am Freitag steht der US-Arbeitsmarktbericht an – für viele Banken die wichtigste Konjunkturzahl der Woche. Nach 130.000 neuen Stellen im Januar erwartet die Commerzbank nur noch 60.000 neue Jobs und eine unveränderte Arbeitslosenquote von 4,3 Prozent. Der anhaltend schwache Stellenzuwachs könnte die US-Notenbank dazu bewegen, ihren Leitzins im Jahresverlauf in drei Schritten von 3,75 auf 3,0 Prozent zu senken.
Und natürlich bleibt die Lage im Nahen Osten der dominierende Unsicherheitsfaktor. Sollten die Gespräche zwischen den USA und dem Iran tatsächlich zustande kommen, könnte das die Märkte schnell beruhigen. Bleibt die Straße von Hormus hingegen länger eingeschränkt, dürften die Ölpreise weiter steigen – mit allen Folgen für Inflation und Wirtschaftswachstum.
Bis dahin wünsche ich Ihnen einen kühlen Kopf und einen sicheren Hafen für Ihr Kapital.
Herzliche Grüße
Andreas Sommer








