Ceconomy stellt sich gleich doppelt neu auf: Während Saturn als Marke fast vollständig im Media-Markt-Verbund aufgeht, sichert sich der chinesische Online-Riese JD.com die Kontrolle über den Konzern. Entscheidend wird nun, ob die Kombination aus Filialumbau und E-Commerce-Power das Geschäftsmodell nachhaltig stabilisiert.

Die Fakten im Überblick

  • JD.com hält laut Medienberichten inzwischen knapp 60 % der Ceconomy-Anteile
  • Abschluss der Übernahme wird für das 1. Halbjahr 2026 erwartet
  • Saturn schrumpft in Deutschland auf nur noch 53 Filialen, Media Markt wächst auf 351 Standorte
  • Weitere Umflaggungen und Schließungen sind geplant
  • Wichtige Regulierungsentscheidungen aus Berlin und Brüssel stehen noch aus
  • Die Aktie notiert mit 4,49 Euro nur leicht unter ihrem 52‑Wochen-Hoch

JD.com sichert sich die Kontrolle

Ceconomy befindet sich in der wohl tiefgreifendsten Umbruchphase seiner Geschichte. Kern der aktuellen Entwicklung ist der Einstieg von JD.com: Der chinesische E-Commerce-Konzern hat sich nach Medienangaben knapp 60 % der Anteile gesichert und damit faktisch die Kontrolle übernommen. Das Closing wird weiterhin in der ersten Jahreshälfte 2026 erwartet.

Konzernchef Kai-Ulrich Deissner zeigte sich laut Reuters positiv. Die Kooperation mit JD.com soll Ceconomy Zugang zu moderner Technologie, leistungsfähigen Lieferketten und internationaler Logistik verschaffen. In einem von Online-Wettbewerbern geprägten Elektronikmarkt sind genau diese Bausteine entscheidend, um Margen zu stabilisieren und wettbewerbsfähig zu bleiben.

An der Börse spiegelt sich der Umbau in einer robusten Kursentwicklung: Mit 4,49 Euro liegt der Titel nur gut 2 % unter dem jüngsten 52‑Wochen-Hoch bei 4,58 Euro. Auf Zwölfmonatssicht steht ein Plus von knapp 88 Prozent zu Buche – die Erwartungen an den neuen Großaktionär sind also hoch.

Saturn verliert, Media Markt dominiert

Parallel zur Übernahme treibt das Management die Bereinigung der Markenlandschaft voran. Die langjährige Zwei-Marken-Strategie mit Saturn und Media Markt wird faktisch aufgegeben. Im Mittelpunkt steht nun klar Media Markt als dominante Marke im stationären Geschäft.

Die aktuellen Zahlen zeigen die Dimension des Umbaus:

  • Saturn kommt in Deutschland nur noch auf 53 aktive Filialen, früher waren es rund 150
  • Media Markt wurde auf 351 Standorte ausgebaut – überwiegend durch Umflaggung ehemaliger Saturn-Märkte

Eine Unternehmenssprecherin bestätigte gegenüber der dpa, dass weitere Umwandlungen geplant sind. Besonders deutlich ist der Rückzug in Bayern: Dort existieren nur noch vier Saturn-Häuser (zwei in München, eines in Freising, eines in Augsburg). Die Filiale in Augsburg schließt bereits Ende Januar 2026, was den fortschreitenden Rückzug zusätzlich unterstreicht.

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Strategisch markiert dieser Schritt das Ende des Versuchs, beide Marken getrennt im Wettbewerb gegen Online-Anbieter zu positionieren. Rückläufige Kundenfrequenzen in Innenstädten und anhaltender Preisdruck erzwingen die Konzentration auf das stärkere Label. Die Bündelung von Marketing, Logistik und Flächen unter Media Markt soll Effizienzgewinne ermöglichen.

Einordnung: JD.com als neuer Stabilitätsanker

Vor diesem Hintergrund wird die Rolle von JD.com deutlich. Die Übernahme ist mehr als ein reiner Eigentümerwechsel: Sie ist als Kombination aus Kapitalzufuhr, Technologiezufluss und operativer Unterstützung zu verstehen. Ceconomy erhält damit Ressourcen, die der Konzern zuvor allein kaum aufbringen konnte.

Der Einstieg eines finanzstarken Mehrheitsaktionärs mit E-Commerce-Kerngeschäft sendet zudem ein Signal an den Markt: JD.com ist offenbar bereit, die Restrukturierung konsequent zu begleiten. Dass der Anteil bereits bei knapp 60 % liegt, reduziert Unsicherheit über die künftige Führung und gibt dem Management Rückendeckung bei weiteren Strukturentscheidungen, etwa zusätzlichen Umflaggungen oder Filialschließungen.

Gleichzeitig verlagert sich der Blick weg von der reinen Filialzahl hin zur Frage, wie effizient die verbleibende Struktur betrieben werden kann. Hier sind insbesondere die Integration der JD.com-Logistik und mögliche technologische Lösungen – etwa bei Warensteuerung oder Online-Offline-Verzahnung – entscheidend.

Regulatorik, Integration und Kursbild

Trotz der weit fortgeschrittenen Anteilsicherung ist der Deal noch nicht endgültig durch. Die Freigaben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz sowie der EU-Kommission stehen noch aus. Marktbeobachter sehen derzeit keine Hinweise auf unüberwindbare Hürden, dennoch bleibt die regulatorische Zustimmung ein formaler Schlüsselpunkt auf dem Weg zum Closing im ersten Halbjahr 2026.

An der Börse spiegelt sich diese Zwischenphase in einem eher stabilen Bild wider: Die Aktie liegt nur minimal über dem 50‑ und 100‑Tage-Durchschnitt und rund 12 % über der 200‑Tage-Linie. Ein RSI von 52 signalisiert ein neutrales Momentum ohne Überhitzung.

Für die kommenden Monate zeichnet sich damit ein klares Szenario ab: Kurzfristig dürften Meldungen aus Berlin und Brüssel sowie konkrete Zeitpläne für das Closing den Takt vorgeben. Mittel- bis langfristig wird entscheidend sein, wie schnell JD.com seine Logistik- und Technologieplattform mit den Media-Markt-Strukturen verzahnt und ob sich die erwarteten Effizienzgewinne im operativen Ergebnis niederschlagen.

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