Bayer Aktie: Pharma-Comeback?
Bayer setzt im Pharmabereich gleich mehrere Signale: Der Konzern kauft zwei experimentelle Diagnostik-Wirkstoffe vom US-Unternehmen Attralus und präsentiert parallel auf der J.P. Morgan Healthcare Conference seine Wachstumsstrategie. Im Hintergrund hat sich der Aktienkurs deutlich erholt und notiert nur noch wenige Prozent unter dem Jahreshoch – ist das der Beginn einer nachhaltigen Erneuerung der Pharma-Sparte?
Einstieg in molekulare Bildgebung
Am 12. Januar 2026 meldete Bayer die Übernahme zweier innovativer Radiotracer-Wirkstoffe von Attralus Inc. aus den USA. Mit AT-01 und AT-05 steigt der DAX-Konzern erstmals in das Geschäft mit diagnostischen Tracern ein – ein bisher fehlender Baustein im eigenen Radiologie- und Kardiologie-Portfolio.
Kern der Transaktion ist AT-01 (124-Iodine-evuzamitide), ein PET-Tracer in der Phase III der klinischen Entwicklung. Besonders hervorstechend:
- Einziger diagnostischer Imaging-Agent mit FDA Breakthrough Therapy Designation für kardiale Amyloidose
- Orphan-Drug-Status in den USA und der EU
- Zielindikation: Diagnose kardialer und systemischer Amyloidose
Der zweite Wirkstoff, AT-05, ist ein SPECT-Tracer in Phase I. Auch er zielt auf die Erkennung von Amyloidosen ab – einer seltenen, oft spät erkannten Herzerkrankung, von der weltweit schätzungsweise 400.000 Menschen betroffen sind.
Die finanziellen Details des Deals bleiben vertraulich. Bayer beziffert den globalen Markt für radio-diagnostische Tracer auf rund 3 Milliarden US-Dollar (Stand 2024) und sieht hier deutliches Wachstumspotenzial.
Strategische Bedeutung für die Pharma-Sparte
Das Management ordnet die Akquisition klar als strategischen Schritt ein. Pharma-Vorstand Stefan Oelrich betonte, die Integration neuartiger molekularer Tracer solle die Innovationsstrategie von Bayer voranbringen. Die Wirkstoffe ergänzen das bestehende Kardiologie-Portfolio, das bereits mit Beyonttra (Acoramidis) ein Medikament zur Behandlung der ATTR-Kardiomyopathie umfasst.
Nelson Ambrogio, President Radiology, sprach ausdrücklich von einem „Einstieg in diagnostische Tracer“. Damit erweitert Bayer seine Präsenz entlang der Wertschöpfungskette in der Kardiologie – von der Diagnose bis zur Therapie. Gerade im Bereich der Amyloidose dürfte die Kombination aus genauer Bildgebung und spezifischer Behandlung klinisch und wirtschaftlich interessant werden.
Gleichzeitig positioniert sich der Konzern im Wachstumsfeld der molekularen Bildgebung, in dem Präzisionsdiagnostik zunehmend an Bedeutung gewinnt. Die neuen Wirkstoffe fügen sich damit in Bayers Anspruch ein, die Radiologie-Sparte über klassische Kontrastmittel hinaus weiterzuentwickeln.
J.P. Morgan Conference: „Comeback Story“ im Fokus
Passend zur Akquisition nutzt Bayer die 44. J.P. Morgan Healthcare Conference in San Francisco, um die eigene Pharma-Strategie zu präsentieren. Stefan Oelrich stellt dort heute zwischen 11:15 und 11:55 Uhr Ortszeit (20:15–20:55 Uhr MEZ) die Wachstumspläne und Pipeline-Fortschritte vor.
Gegenüber Bloomberg sprach Oelrich von einer „echten Comeback Story“ der Pharma-Sparte. Neue Medikamente gegen Krebs und Nierenerkrankungen sollen die Umsätze stabilisieren, wenn wichtige Patente auslaufen. „Bayer wendet wirklich das Blatt“, wird er am Rande der Konferenz zitiert.
Parallel arbeitet CEO Bill Anderson daran, die Belastungen aus den Glyphosat-Rechtsstreitigkeiten bis Ende 2026 einzugrenzen. Gelingt dies, würde ein wesentlicher Unsicherheitsfaktor für den Konzern an Bedeutung verlieren – ein Punkt, den Investoren bei der Bewertung des Pharmageschäfts im Hinterkopf behalten.
Kursentwicklung und Bewertungssignale
An der Börse spiegelt sich der veränderte Blick auf den Konzern bereits wider. Die Aktie liegt heute bei 39,12 Euro und damit nur rund 7 Prozent unter dem 52‑Wochen-Hoch von 42,22 Euro. Gegenüber dem 52‑Wochen-Tief von 19,62 Euro hat sich der Kurs nahezu verdoppelt.
Auffällig ist dabei die technische Ausgangslage:
- RSI (14 Tage) bei 19,6 – ein Bereich, der klassisch als überverkauft gilt
- Deutlicher Abstand zum 200‑Tage-Durchschnitt von 36,91 %
- 30‑Tage-Performance von +8,82 % und +94,17 % auf Sicht von zwölf Monaten
Kurzfristig deutet der sehr niedrige RSI auf eine ausgedehnte Rally mit Konsolidierungsrisiko hin, mittelfristig signalisiert der Abstand zu den gleitenden Durchschnitten aber ein klar verbessertes Trendbild.
Analysten und Ausblick
Die jüngste Bewegung wird von der Sell-Side flankiert. Barclays hat den Titel am 7. Januar 2026 auf „Overweight“ hochgestuft und das Kursziel auf 45 Euro angehoben. Weitere große Investmenthäuser wie JP Morgan und Goldman Sachs führen ebenfalls positive Einschätzungen.
Fundamental erwarten Analysten für 2025 einen Gewinn je Aktie von 4,70 Euro – nach Verlusten in den Vorjahren wäre das eine deutliche Ertragswende. Die heutige Präsentation auf der J.P. Morgan Conference dürfte zusätzliche Einblicke in die Pipeline liefern und helfen, diese Prognosen einzuordnen.
Entscheidend für die weitere Kursentwicklung wird sein, ob Bayer die angekündigte „Comeback Story“ mit klaren Meilensteinen untermauert und gleichzeitig bei der Eindämmung der Glyphosat-Risiken Fortschritte zeigt; der nächste große Prüfstein dafür sind die Jahreszahlen 2025, die für Ende Februar angekündigt sind.
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