ASML steht nach einer starken Kursrally im Zentrum einer ungewöhnlich scharfen Analystendebatte. Zwischen optimistischen KI-Szenarien und Warnungen vor Überbewertung prallen sehr unterschiedliche Einschätzungen aufeinander. Im Kern geht es um eine Frage: Reicht der angekündigte Investitionsschub der Chipindustrie aus, um das aktuelle Bewertungsniveau zu rechtfertigen?

Neue Kursziele, neuer Konflikt

Auslöser der Diskussion ist eine umfangreiche Studie von Morgan Stanley vom 16. Januar. Die US-Bank hat ihr Kursziel für ASML auf 1.400 Euro angehoben und zeichnet in einem optimistischen Szenario sogar die Möglichkeit von 2.000 Euro je Aktie. Grundlage ist die Erwartung, dass die Nachfrage nach KI-fähigen Chips deutlich anzieht und ASML den Gewinn je Aktie bis 2027 auf rund 45,70 Euro steigern kann.

Andere Häuser schließen sich der positiven Sicht an:
- Berenberg bestätigte am Samstag seine Kaufempfehlung und hob das Kursziel auf 1.300 Euro an.
- UBS bleibt bei „Buy“ mit einem Ziel von 1.400 Euro.
- Bernstein Research erhöhte sein Ziel auf 1.642 US‑Dollar und vergab ein „Outperform“-Rating.

Doch das Bild ist nicht einheitlich. Banco Santander hat ASML am 22. Januar auf „Underperform“ (Sell) abgestuft und verweist auf Bewertungsrisiken nach dem starken Lauf der Aktie in den vergangenen zwölf Monaten. Damit ist aus der sonst oft homogenen Analystenlandschaft ein klarer Meinungsstreit geworden.

Am Freitag schloss die Aktie bei 1.389,04 US‑Dollar und liegt damit weniger als ein halbes Prozent unter ihrem jüngsten 52‑Wochen-Hoch – ein Zeichen, dass der Markt die optimistische Seite bislang eher stützt.

Capex-Boom als Treiber

Die positive Anlagethese stützt sich vor allem auf konkrete Investitionspläne der großen Chipproduzenten. Morgan Stanley verweist auf TSMC, den weltgrößten Auftragsfertiger, der seine Capex-Prognose für 2026 auf 52 bis 56 Milliarden US‑Dollar anhebt – rund 32 % mehr als im Vorjahr. Entscheidend: 70 bis 80 % dieser Ausgaben sollen in fortgeschrittene Fertigungsprozesse mit Strukturbreiten von 7 Nanometern und darunter fließen, für die ASMLs EUV-Belichtungsanlagen benötigt werden.

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Auch im Speichersegment zieht die Investitionsbereitschaft an. Micron Technology plant, die Investitionen 2026 um 45 % auf 20 Milliarden US‑Dollar zu erhöhen. Das Geld fließt in Produktionskapazitäten für High Bandwidth Memory und komplexe Logikchips, die für KI-Rechenzentren unverzichtbar sind. Branchenverband SEMI untermauert diesen Trend mit einer Prognose, wonach die weltweite Chipkapazität bis 2028 um 69 % zulegen soll.

Zusätzlich weitet sich die Nachfrage geografisch aus. So soll im indischen Dholera-Semiconductor-Park künftig mit Lithographieanlagen von ASML gearbeitet werden. Für das Unternehmen bedeutet das eine breitere regionale Basis jenseits der etablierten Standorte in Asien, Europa und den USA.

Bewertung im Fokus

Genau an diesem Punkt setzt die Kritik der vorsichtigeren Stimmen an. Die Aktie hat in den vergangenen zwölf Monaten bereits kräftig zugelegt und den Gesamtmarkt der Halbleiter deutlich übertroffen. Skeptiker wie Santander sehen die Gefahr, dass im Kurs bereits eine nahezu reibungslose Umsetzung der Ausbaupläne bis 2027 eingepreist ist.

Die Befürworter halten dagegen, dass ASML mit seiner Technologie für Extreme Ultraviolet (EUV) eine faktische Monopolstellung bei der Fertigung modernster Chips hat. Da jede neue KI-Generation eng an diese Fertigungstechnologie gekoppelt ist, erscheine ein Bewertungsaufschlag gegenüber dem Sektor aus ihrer Sicht gerechtfertigt. Kritiker warnen hingegen, dass Verzögerungen beim Fabrikbau, Investitionsverschiebungen oder ein zyklischer Abschwung der Branche schnell Druck auf die hohen Erwartungen ausüben könnten.

Technisch betrachtet bewegt sich die Aktie aktuell nahe ihrem Jahreshoch und deutlich über den gängigen Durchschnittslinien, was auf eine reife Aufwärtsbewegung hindeutet. Der Relative-Stärke-Index im neutralen Bereich signalisiert dabei eher eine Konsolidationsphase als akute Überhitzung.

Ausblick auf Montag und Zahlen

Mit Börsenbeginn am Montag dürfte sich zeigen, welche Seite kurzfristig den Ton angibt: die aggressiv angehobenen Kursziele von Morgan Stanley, UBS und Bernstein oder die skeptische Einstufung durch Santander. Ein Ausbruch über die psychologisch wichtige Marke von rund 1.400 US‑Dollar könnte neues Momentum freisetzen, während Rücksetzer in Richtung der jüngsten Zielspanne von 1.300 bis 1.400 Euro/US‑Dollar eher als Test der neu gezogenen Bewertungsgrenzen zu werten wären.

Entscheidend wird der 28. Januar: Dann legt ASML die nächsten Quartalszahlen vor und gibt einen Ausblick. Dort muss das Management zeigen, inwieweit die eigene Prognose zu den deutlich erhöhten Investitionsplänen von TSMC, Micron und anderen Kunden passt. Gelingt diese Bestätigung, stärkt das die bullische Erzählung vom anhaltenden KI-Investitionszyklus – bleibt sie aus, erhält die Bewertungsdebatte neues Gewicht.

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