AMD erlebt einen bemerkenswerten Jahresstart. Innerhalb weniger Wochen haben mehrere positive Impulse aus Analystenhäusern, der Lieferkette und der eigenen Produktroadmap den KI‑Optimismus rund um den Chipkonzern deutlich verstärkt. Im Zentrum steht die Frage: Wie belastbar ist das neue Wachstumsszenario im Data-Center- und KI-Geschäft?

Starke Kursrally dank KI-Story

Die Aktie notiert aktuell bei 227,92 US‑Dollar und hat in den vergangenen 30 Tagen über 35 % zugelegt. Damit markiert der Titel zugleich ein neues 52‑Wochen-Hoch – getragen vor allem von der Erwartung, dass AMD im KI‑Rechenzentrumsmarkt deutlich aufholen kann.

Treiber dieser Entwicklung sind gleich mehrere Nachrichtenströme:

  • eine Einstufung von Wells Fargo, die AMD zur Top-Empfehlung für 2026 macht
  • eine Hochstufung durch KeyBanc nach einem Supply-Chain-Check in Asien
  • starke Zahlen von Fertigungspartner TSMC, die die gesamte Halbleiterbranche gestützt haben
  • konkrete Einblicke in AMDs KI-Roadmap auf der CES 2026

Diese Signale greifen ineinander und zeichnen ein Bild von stark wachsender Nachfrage nach AMD-Chips im Hochleistungsrechnen.

Wells Fargo sieht AMD als Top-Pick

Wells-Fargo-Analyst Aaron Rakers hat am Donnerstag seine positive Einschätzung bekräftigt. Er bleibt bei „Overweight“ und einem Kursziel von 345 US‑Dollar – ausgehend vom aktuellen Niveau ein Potenzial von rund 55 %. Gleichzeitig stufte er AMD intern zur Top-Aktienempfehlung für das Jahr 2026 hoch.

Rakers begründet seine Sicht mit mehreren Bausteinen: anhaltender Führungsanspruch bei CPUs, weitere Marktanteilsgewinne und eine klar stärkere Positionierung im KI‑Segment über das Datacenter‑GPU-Portfolio. Besonders der Rechenzentrumsbereich spiele in seinem Szenario die Hauptrolle.

Langfristig denkt der Analyst sehr offensiv: Bis 2029 traut er AMD einen Gewinn je Aktie von über 20 US‑Dollar zu – mehr als das Zehnfache der zuletzt gemeldeten 1,90 US‑Dollar (Trailing Twelve Months). Seine zentrale Annahme: Die Nachfrage nach Rechenleistung in Datenzentren sei „unersättlich“, insbesondere im Kontext von KI‑Workloads.

KeyBanc: Server-CPUs für 2026 nahezu ausverkauft

Bereits zu Wochenbeginn hatte KeyBanc zusätzlichen Rückenwind geliefert. Analyst John Vinh stufte AMD von „Sector Weight“ auf „Overweight“ hoch und setzte ein Kursziel von 270 US‑Dollar. Grundlage war eine Reise durch die asiatische Lieferkette, bei der er auf sehr robuste Nachfrage nach AMDs KI‑ und Datacenter‑Produkten gestoßen ist.

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Vinh berichtet, dass die Server‑CPUs für 2026 nahezu ausverkauft seien. Das gibt AMD Spielraum für Preiserhöhungen: Im ersten Quartal rechnet er mit durchschnittlichen Verkaufspreissteigerungen von 10 bis 15 %. Für das Server‑CPU‑Geschäft erwartet KeyBanc 2026 ein Wachstum von mindestens 50 % gegenüber dem Vorjahr – maßgeblich getrieben durch die EPYC‑Prozessorfamilie.

Auch beim reinen KI‑Umsatz malt KeyBanc ein ehrgeiziges Bild: 2026 sollen die KI‑spezifischen Erlöse auf 14 bis 15 Milliarden US‑Dollar steigen. Den Kern bilden dabei die Instinct‑MI355‑Beschleuniger und der geplante Hochlauf der MI455‑Beschleuniger, die die neue Helios‑Plattform antreiben sollen. Entsprechend hebt die Bank ihre Gewinnschätzungen an: auf 4,01 US‑Dollar je Aktie für 2025 und 7,93 US‑Dollar für 2026.

TSMC-Zahlen stärken das Branchenumfeld

Ein weiterer Schub kam von Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC), dem zentralen Fertigungspartner von AMD. Nach Vorlage der Zahlen für das vierte Quartal 2025 legte die AMD‑Aktie am Donnerstag um rund 6 % zu.

TSMC meldete einen verwässerten Gewinn von 3,14 US‑Dollar pro ADR bei Erlösen von 33,73 Milliarden US‑Dollar – deutlich über den erwarteten 2,94 US‑Dollar Gewinn je Aktie und 33,4 Milliarden US‑Dollar Umsatz. Der Gewinn sprang im Jahresvergleich um 35 %. Noch wichtiger für den Markt: Der Konzern stellte weiteres kräftiges Wachstum in führenden Prozesstechnologien in Aussicht.

Gleichzeitig plant TSMC, die Investitionen 2026 auf 52 bis 56 Milliarden US‑Dollar auszuweiten. Diese hohe Investitionsbereitschaft werten Marktteilnehmer als klares Signal, dass der Ausbau der globalen KI‑Infrastruktur weiter an Fahrt gewinnen soll – ein Umfeld, von dem Anbieter wie AMD direkt profitieren können.

CES 2026: Einblick in AMDs KI-Roadmap

Die positive Analystenstimmung knüpft an AMDs Auftritt auf der CES 2026 an. CEO Lisa Su präsentierte dort die neue Helios‑Rackscale‑Plattform, die 72 Instinct‑MI455X‑Beschleuniger mit EPYC‑„Venice“-CPUs kombiniert. Pro Rack sollen so bis zu 3 AI‑Exaflops möglich sein – genug Leistung, um Modelle mit Billionen Parametern zu trainieren.

Zusätzlich gab AMD einen Vorgeschmack auf die nächste GPU‑Generation: Die Instinct‑MI500‑Serie, angekündigt für 2027. Laut Unternehmensangaben soll sie bis zu das 1.000‑Fache der KI‑Performance der 2023 eingeführten MI300X erreichen. Technische Basis sind CDNA‑6‑Architektur, 2‑nm‑Fertigung und HBM4E‑Speicher. Damit unterstreicht AMD den Anspruch, im Highend‑KI‑Segment langfristig mitzuspielen.

Marktposition, Bewertung und Ausblick

Fundamental rückt immer stärker das Datacenter-Geschäft in den Mittelpunkt. In den ersten drei Quartalen 2025 erzielte AMD hier bereits 11,2 Milliarden US‑Dollar Umsatz – und damit den größten Anteil am Gesamtgeschäft. Ein strategisch wichtiger Baustein ist zudem die Partnerschaft mit OpenAI: Bis 2030 soll AMD bis zu 6 Gigawatt GPU‑Kapazität liefern, erste Deployments der MI450‑Serie sind für die zweite Jahreshälfte 2026 vorgesehen.

Kurzfristig richtet sich der Blick auf den 3. Februar 2026. Dann legt AMD die Zahlen für das vierte Quartal 2025 nach Börsenschluss vor. Der Konsens an der Wall Street erwartet ein bereinigtes Ergebnis je Aktie von 1,31 US‑Dollar bei 9,65 Milliarden US‑Dollar Umsatz, nach 1,09 US‑Dollar im Vorjahresquartal. Fallen die Zahlen und der Ausblick in die von Wells Fargo und KeyBanc skizzierte Richtung aus, dürfte sich entscheiden, ob die aktuelle, bereits sehr ambitionierte Bewertung – rund das 117‑Fache des vergangenen Jahresgewinns und das 32‑Fache der 2026er‑Schätzungen bei einer Marktkapitalisierung von etwa 371 Milliarden US‑Dollar – durch entsprechend dynamisches Wachstum gedeckt wird.

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