Amazon Aktie: Vertrauenswürdige Informationen
Amazon steht aktuell zwischen riskantem Luxus-Deal und groß angelegten Zukunftsprojekten in Cloud, KI und Satelliteninternet. Während ein fast halbe Milliarde Dollar schweres Investment in den Konkurswirren von Saks Global zu verpuffen droht, bindet der Konzern parallel Milliarden für Infrastruktur in Europa und die KI-Hardwareversorgung. Wie stark belastet der mögliche Abschreiber die ansonsten klar auf Wachstum ausgerichtete Strategie?
Saks-Investment droht Totalverlust
Deutlich auf die Stimmung schlägt der eskalierende Rechtsstreit rund um die Insolvenz von Saks Global. Amazon hat am 15. und 16. Januar 2026 vor einem US-Bundesgericht scharf gegen den Finanzierungsplan des Luxuswarenhändlers Stellung bezogen.
Kern des Konflikts ist eine Beteiligung von 475 Millionen US‑Dollar, die Amazon erst im Dezember 2024 im Zuge der 2,7‑Milliarden‑Übernahme von Neiman Marcus durch Saks eingegangen war. In den nun eingereichten Unterlagen stuft der Konzern diese Beteiligung als „vermutlich wertlos“ ein.
Amazon wirft Saks vor, innerhalb weniger Monate Hunderte Millionen an Liquidität verbrannt zu haben. Teil des ursprünglichen Deals war zudem ein „Saks at Amazon“-Auftritt mit garantierten Zahlungen von mindestens 900 Millionen US‑Dollar über acht Jahre. Trotz der Einwände und dem Hinweis auf mögliche „drastischere Maßnahmen“ genehmigte Richter Alfredo Perez zunächst 400 Millionen US‑Dollar an sogenannter Debtor-in-Possession-Finanzierung, um den Geschäftsbetrieb von Saks aufrechtzuerhalten.
Aus Sicht des Marktes deutet dieser Schritt klar darauf hin, dass Amazons strategische Beteiligung in Höhe von knapp einer halben Milliarde Dollar weitgehend abgeschrieben werden muss.
Kupfer-Deal für KI-Rechenzentren
Operativ stellt sich der Konzern parallel breiter für das KI-Zeitalter auf. Amazon Web Services (AWS) sichert sich die Lieferkette für kritische Hardwarekomponenten und hat am 16. Januar 2026 eine zweijährige Vereinbarung mit dem Bergbaukonzern Rio Tinto bekannt gegeben.
AWS wird damit erster Industriekunde für Kupfer aus dem Nuton‑Projekt der Johnson Camp Mine in Arizona. Das Abkommen ist aus zwei Gründen strategisch wichtig:
- Versorgungssicherheit: Das Kupfer ist explizit für Verkabelung und Kühlung US‑amerikanischer Rechenzentren vorgesehen, die derzeit massiv für KI‑Workloads ausgebaut werden. Engpässe bei Materialien könnten so umgangen werden.
- Nachhaltigkeit: Das Metall wird per Bioleaching gewonnen, einer Technologie, die ohne Schmelzöfen auskommt und den CO₂‑Fußabdruck im Vergleich zu klassischen Verfahren deutlich reduziert.
Damit adressiert Amazon sowohl das Wachstumsthema KI als auch regulatorischen und kundenseitigen Druck in Richtung nachhaltiger Infrastruktur.
Souveräne Cloud-Offensive in Europa
In Europa setzt AWS ein weiteres strategisches Signal. Am 15. Januar 2026 wurde die „AWS European Sovereign Cloud“ offiziell mit der ersten Region in Brandenburg gestartet. Diese Infrastruktur ist physisch und rechtlich vom globalen AWS‑Netz getrennt.
Ziel ist es, strikte EU‑Datenschutzvorgaben zu erfüllen und Daten vor dem Zugriff durch US‑Gesetze wie den CLOUD Act abzuschirmen. Amazon plant Investitionen von 7,8 Milliarden Euro in diese Infrastruktur in Deutschland bis 2040.
Der Betrieb erfolgt ausschließlich durch in der EU ansässige Mitarbeiter. Weitere Standorte in Belgien, den Niederlanden und Portugal sind geplant. Damit reagiert der Konzern direkt auf Kritik an der Datensouveränität und positioniert sich gezielt für lukrative Aufträge von Behörden und Großunternehmen in der EU.
Projekt Kuiper: Lizenz für Nigeria
Auch im Satellitengeschäft macht Amazon einen Schritt nach vorn. Das Kuiper‑Projekt, mit dem der Konzern ein eigenes Satelliteninternet-Netzwerk aufbaut, hat eine wichtige regulatorische Hürde genommen.
Die nigerianische Kommunikationsbehörde NCC erteilte am 16. Januar 2026 eine siebenjährige Landing‑Lizenz für das Kuiper‑System im Low Earth Orbit. Die Genehmigung gilt von Februar 2026 bis Februar 2033 und erlaubt Amazon, eine Konstellation von bis zu 3.236 Satelliten zu betreiben.
Damit tritt das Unternehmen in Afrikas größter Volkswirtschaft in direkten Wettbewerb mit Starlink. Nigeria dient als Testfeld und Sprungbrett für weitere Märkte auf dem Kontinent.
Analysten uneins – KI-Fantasie vs. Handelsrisiken
Auf der Finanzseite sorgt vor allem die Bewertung der mittelfristigen Perspektiven für unterschiedliche Einschätzungen. Am 15. Januar 2026 senkte Raymond James sein Kursziel von 275 auf 260 US‑Dollar. Begründung: das Risiko sogenannter „Agentic Commerce“-Lösungen – KI‑gestützte Shopping‑Assistenten, die die Produktsuche direkt steuern und damit Amazons dominante Suche und das margenstarke Werbegeschäft umgehen könnten.
TD Cowen wiederum hob bereits Anfang der Woche sein Kursziel auf 315 US‑Dollar an. Die Analysten verweisen auf das starke Wachstumspotenzial von AWS durch KI‑Workloads und auf Effizienzgewinne im Handelsgeschäft, die die Margen weiter stützen könnten.
Charttechnisch notiert die Aktie mit 238,18 US‑Dollar knapp unter ihrem jüngsten 52‑Wochen-Hoch und rund 12 % über dem 50‑Tage‑Durchschnitt, was den übergeordneten Aufwärtstrend untermauert.
Fazit: Belastung heute, Wachstumsthemen bleiben
Unterm Strich steht Amazon vor einem klaren Spannungsfeld: Kurzfristig dürfte der voraussichtliche Abschreiber auf das Saks‑Engagement die Gewinnseite belasten und die juristische Auseinandersetzung für Unsicherheit sorgen. Gleichzeitig stärkt der Konzern mit dem Kupfer‑Deal, der europäischen Sovereign‑Cloud und der Nigeria‑Lizenz die Fundamente für künftiges Wachstum in KI, Cloud und Satelliteninternet.
Für die nächsten Wochen rücken damit vor allem die anstehenden Zahlen zum vierten Quartal in den Fokus, in denen sich zeigen wird, wie stark der mögliche Luxus‑Abschreiber ins Gewicht fällt und ob AWS und die Effizienzinitiativen im Handel die negativen Effekte bereits ausgleichen können.
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