Amazon steckt binnen 48 Stunden in zwei völlig unterschiedlichen, aber gleichermaßen marktbewegenden Themen: einer milliardenschweren OpenAI-Partnerschaft und realen Schäden an AWS-Rechenzentren durch Drohnenangriffe im Nahen Osten. Das eine nährt die langfristige KI-Story, das andere erhöht kurzfristig das operative Risiko. Und genau diese Mischung zwingt Anleger zu einer neuen Abwägung: Wie viel Unsicherheit ist im Kurs schon eingepreist?

Drohnen treffen AWS – und Kunden spüren es sofort

Amazon Web Services bestätigte strukturelle Schäden an Standorten in den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Bahrain. In der Region ME-CENTRAL-1 (VAE) wurden laut AWS zwei von drei Availability Zones direkt getroffen. In Bahrain (ME-SOUTH-1) soll ein nahegelegener Einschlag eine Anlage beschädigt haben.

Die Folgen gingen über reine Gebäudeschäden hinaus: AWS spricht von beeinträchtigter Stromversorgung sowie Wasserschäden durch Löschmaßnahmen. Die Wiederherstellung werde schrittweise erfolgen – die Dimension sei dafür zu groß, um „mal eben“ behoben zu werden.

Für Kunden bedeutete das spürbare Einschränkungen. AWS meldete erhöhte Fehlerraten und eine geringere Verfügbarkeit bei einer ganzen Reihe zentraler Dienste, darunter EC2, S3, DynamoDB, Lambda, RDS, CloudWatch sowie Management-Konsole und Kommandozeile. AWS riet, kritische Daten zu sichern und Workloads in nicht betroffene Regionen zu verlagern.

Auch Banken waren betroffen: Emirates NBD, Emirates Islamic, First Abu Dhabi Bank und Abu Dhabi Commercial Bank berichteten über zeitweise digitale Störungen. AWS selbst verwies darauf, dass das operative Umfeld wegen des fortlaufenden Konflikts in der Region schwer kalkulierbar bleibe.

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50 Milliarden für OpenAI – AWS rückt ins Zentrum

Kurz vor den Infrastrukturproblemen setzte Amazon ein Ausrufezeichen im KI-Rennen: Im Zuge einer privaten Finanzierungsrunde für OpenAI über insgesamt 110 Milliarden Dollar kommt Amazon als Geldgeber mit bis zu 50 Milliarden Dollar ins Spiel. Geplant ist zunächst eine Verpflichtung über 15 Milliarden Dollar, weitere 35 Milliarden Dollar sollen „in den kommenden Monaten“ folgen – allerdings nur, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind. Die Runde bewertet OpenAI mit einer Pre-Money-Bewertung von 730 Milliarden Dollar.

Noch wichtiger als das Ticket ist die strategische Ausgestaltung: AWS soll exklusiver Drittanbieter für die Cloud-Distribution von „OpenAI Frontier“ werden, einer Plattform für Organisationen, die KI-Agenten-Teams bauen und betreiben. Außerdem will OpenAI eine neue „stateful runtime environment“ entwickeln, in der Modelle auf Amazons Bedrock laufen.

Parallel wird die bereits angekündigte AWS-Compute-Vereinbarung (zuvor 38 Milliarden Dollar) um weitere 100 Milliarden Dollar über acht Jahre ausgebaut. OpenAI verpflichtet sich zudem, mindestens 2 Gigawatt an AWS-Trainium-Rechenleistung abzunehmen. Für Amazon ist das eine Art Qualitätssiegel: Trainium soll als günstigere Alternative zu Nvidias GPUs positioniert werden – und nach Anthropic ist OpenAI nun das zweite große KI-Labor, das sich auf den Chip festlegt.

Hohe Ausgaben, robuste Zahlen – der Markt bleibt skeptisch

Die Schlagzeilen treffen auf eine ohnehin sensible Börsenlage. Amazon plant für 2026 Investitionen (Capex) von 200 Milliarden Dollar – mehr als jeder andere „Magnificent Seven“-Konzern. Genau diese Ausgabendisziplin ist der wunde Punkt: Laut Bloomberg-Daten wird für 2026 ein negativer Free Cashflow von 524,2 Millionen Dollar erwartet, nach 7,7 Milliarden Dollar im Jahr 2025.

Gleichzeitig liefert das operative Geschäft starke Signale. Im vierten Quartal 2025 stieg der Umsatz auf 213,4 Milliarden Dollar (+14% zum Vorjahr), AWS wuchs auf 35,6 Milliarden Dollar (+24%) – das schnellste Tempo seit 13 Quartalen. Der operative Gewinn lag bei 25,0 Milliarden Dollar. Der AWS-Backlog kletterte auf 244 Milliarden Dollar (+40%).

An der Börse zeigt sich dennoch Druck im Chart: Mit 175,68 € liegt die Aktie klar unter dem 200-Tage-Durchschnitt und hat in 30 Tagen 14,80% verloren. Das passt zur aktuellen Debatte: Wachstum ja – aber zu welchem Cashflow-Preis?

Am nächsten konkreten Termin dürfte sich viel entscheiden: Rund um den 30. April stehen die Q1-Zahlen an. Dann wird der Markt vor allem zwei Dinge sehen wollen – ob sich die 200-Milliarden-Investitionen bereits in messbaren Fortschritten niederschlagen und wie schnell AWS die Kapazitäten im Nahen Osten stabilisiert.

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