Amazon steht diese Woche gleich an zwei Fronten unter Druck: Im Nahen Osten wurden AWS-Rechenzentren durch Drohnenangriffe beschädigt – mit spürbaren Folgen für Kunden. Gleichzeitig zementiert der Konzern mit einem riesigen OpenAI-Deal seine Rolle als KI-Infrastruktur-Anbieter, doch genau diese Ausgaben machen Investoren nervös. Wie passt das zusammen?

Drohnenangriffe treffen AWS – Folgen für Banken

Amazon warnte vor länger anhaltenden Störungen, nachdem Drohnenangriffe drei AWS-Rechenzentren in der Golfregion beschädigt haben sollen. Laut Unternehmensangaben wurden in der UAE-Region (ME-CENTRAL-1) zwei von drei „Availability Zones“ direkt getroffen. In Bahrain (ME-SOUTH-1) wurde eine Anlage durch einen nahegelegenen Einschlag in Mitleidenschaft gezogen.

Die Schäden waren laut AWS physischer Natur: strukturelle Beeinträchtigungen, Stromunterbrechungen und teils auch Löscharbeiten, die zusätzlich Wasserschäden verursacht hätten. Die Auswirkungen waren schnell sichtbar: Mehrere große Banken – darunter Emirates NBD, Emirates Islamic, First Abu Dhabi Bank und Abu Dhabi Commercial Bank – berichteten über zeitweise Unterbrechungen digitaler Services. Die Institute sprachen von intermittierenden Problemen und verwiesen auf laufende Wiederherstellungsarbeiten.

Der Vorfall rückt damit ein Thema in den Mittelpunkt, das viele Unternehmen gern verdrängen: die Konzentrationsrisiken im Cloud-Betrieb. Ein Cybersecurity-Manager von Trellix warnte, dass selbst bei grundsätzlich vorhandener Redundanz eine starke Abhängigkeit von einem einzigen Cloud-Umfeld Störungen rasch durchreichen kann – etwa in Banking-Apps, Buchungssystemen oder kundenorientierten Online-Diensten.

50 Milliarden Dollar für OpenAI – und AWS wird exklusiver Partner

Unabhängig von den Ereignissen im Nahen Osten meldete Amazon einen strategischen Coup: Der Konzern investiert bis zu 50 Milliarden US-Dollar in OpenAI – eingebettet in eine Finanzierungsrunde über 110 Milliarden US-Dollar, die OpenAI mit 840 Milliarden US-Dollar bewertet.

Die Investition ist zweistufig geplant: Zunächst 15 Milliarden US-Dollar in Series-C-Vorzugsaktien bis zum 31. März, anschließend eine Zusage über weitere 35 Milliarden US-Dollar, deren Timing an bestimmte Auslöser geknüpft ist.

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Für AWS ist aber vor allem die operative Komponente entscheidend: AWS wird exklusiver Drittanbieter für die Cloud-Distribution von „OpenAI Frontier“, einer Enterprise-Plattform zum Aufbau und Management von Teams aus KI-Agenten. Zudem wird ein bestehender, mehrjähriger AWS-Vertrag (38 Milliarden US-Dollar) deutlich ausgeweitet – um weitere 100 Milliarden US-Dollar über acht Jahre. OpenAI verpflichtet sich dabei, 2 Gigawatt Trainium-Kapazität über AWS abzunehmen.

Das ist auch ein Ritterschlag für Amazons eigenen KI-Chip Trainium, der als günstigere Alternative zu Nvidias GPUs positioniert wird. Laut CEO Andy Jassy trainiert bereits Anthropic die nächste Claude-Version auf Trainium – OpenAI wäre damit das zweite große KI-Labor, das sich fest auf diese Hardware einlässt. Ein Analyst von William Blair ordnete den Deal als Erklärung dafür ein, warum AWS derzeit so aggressiv ausbaut – die zuletzt kommunizierten Investitionen bekämen durch diesen neuen Großkunden einen klareren Rahmen.

Anlegerfokus: Cashflow statt KI-Fantasie

Genau hier liegt der Knackpunkt für die Aktie: Die KI-Offensive kostet viel Geld – und der Markt schaut zunehmend auf den kurzfristigen Preis dieser Expansion. Als Kernrisiko wird im Bericht vor allem der Cashflow genannt. Für 2026 wird laut den zitierten Daten ein negativer Free Cashflow von 524,2 Millionen US-Dollar erwartet, nachdem Amazon 2025 noch 7,7 Milliarden US-Dollar erreicht hatte.

Diese Skepsis passt zur jüngeren Kursentwicklung: Auf 30 Tage gerechnet liegt die Aktie mit -14,70% deutlich im Minus. Der Markt bewertet den Spagat zwischen geopolitischer Störanfälligkeit im Cloud-Geschäft und einem extrem kapitalintensiven KI-Ausbau derzeit offenbar eher vorsichtig.

Am nächsten großen Termin dürfte sich entscheiden, welche Story trägt: Rund um den 30. April werden die Zahlen zum Q1 2026 erwartet. Dann wird der Markt vor allem darauf achten, ob erste Effekte des hohen Investitionszyklus sichtbar werden – und ob AWS die jüngsten Störungen in der Region operativ sauber abfedern kann.

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