Amazon übernimmt den Schweizer Robotik-Spezialisten Rivr — und trennt sich gleichzeitig vom US-Postdienst USPS. Beide Entwicklungen dieser Woche zeigen dieselbe Richtung: Der Konzern will seine Paketzustellung künftig selbst in der Hand halten.

Rivr: Vom ETH-Spinoff zur Amazon-Tochter

Rivr, gegründet 2023 als Ausgründung des Robotic Systems Lab der ETH Zürich, entwickelt vierbeinige Roboter mit Rädern, die Treppen und unebenes Gelände bewältigen können. Fahrer können die Maschinen aus dem Lieferwagen schicken, um mehrere Stopps gleichzeitig abzudecken — was die Zahl der Zustellungen pro Tour erhöht.

Für Amazon war die Übernahme kein Sprung ins Unbekannte. Jeff Bezos hatte bereits im August 2024 über sein Investmentvehikel Bezos Expeditions an der 22-Millionen-Dollar-Seed-Runde des damals noch unter dem Namen Swiss-Mile firmierenden Unternehmens teilgenommen. Im Januar 2025 folgte das Rebranding zu Rivr, kurz darauf der US-Markteintritt in Austin, Texas.

Bruch mit dem Postdienst erhöht den Druck

Zeitgleich eskaliert der Konflikt mit dem US-Postdienst. Die Vertragsverlängerungsverhandlungen scheiterten, nachdem USPS laut Amazon „in letzter Minute abrupt abgebrochen" hatte. Der Konzern will das über USPS abgewickelte Paketvolumen nun bis zum Vertragsende am 30. September 2026 um mindestens zwei Drittel reduzieren.

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Das hat Gewicht: Amazon bringt dem Postdienst jährlich über sechs Milliarden Dollar ein — rund 7,5 Prozent des USPS-Gesamtumsatzes. Postmaster General David Steiner hatte zuletzt gewarnt, die Behörde könnte innerhalb von zwölf Monaten zahlungsunfähig werden.

Amazon hatte bereits im vergangenen Jahr rund vier Milliarden Dollar zugesagt, um sein ländliches Zustellnetz bis Ende 2026 zu verdreifachen. Angesichts des gescheiterten USPS-Deals gewinnt dieser Ausbau nun zusätzliche Dringlichkeit.

Eigenständigkeit als Ziel

Amazon betreibt bereits über eine Million Roboter in seinen Lagern für Sortier- und Transportaufgaben. Mit Rivr dehnt sich die Automatisierung erstmals systematisch auf die letzte Meile aus — den kostenintensivsten Teil der Zustellung.

Das finanzielle Fundament für diese Strategie ist solide: Im Geschäftsjahr 2025 erzielte Amazon einen Nettoumsatz von 716,9 Milliarden Dollar, ein Plus von zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Nettogewinn stieg um 31 Prozent auf 77,7 Milliarden Dollar. Mit dieser Ertragskraft kann der Konzern den schrittweisen Aufbau einer eigenen, weitgehend autonomen Zustellinfrastruktur konsequent vorantreiben — unabhängig davon, ob USPS, UPS oder andere Dienstleister mitziehen.

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