Amazon steht an einem spannenden Punkt zwischen KI-Euphorie, Analysten-Zweifeln und einem teuren Fehlgriff im Beteiligungsportfolio. Während der Konzern im Hintergrund die Rohstoffe für seine nächste Wachstumsphase sichert, sorgt ein Gerichtsurteil in den USA für Verstimmung. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie stark diese Gegenläufe das kurzfristige Kurspotenzial tatsächlich bremsen.

Analysten senden gemischte Signale

An der Wall Street prallen derzeit zwei Blickwinkel aufeinander. Auf der einen Seite steht Cantor Fitzgerald, das Haus, das den Ton für den aktuellen Dämpfer vorgibt: Die Analysten senkten ihr Kursziel für die Amazon-Aktie deutlich von 315 auf 260 US-Dollar, behalten aber ihre Einstufung „Overweight“ bei.

Begründung: Ein großer Teil des erwarteten Wachstums aus dem KI-Geschäft sei bereits im Kurs enthalten. Cantor verweist darauf, dass das Bewertungsniveau für 2025 faktisch gesunken sei – der Markt habe zukünftige Gewinne aggressiv vorweggenommen. Kurzfristig sehen die Experten damit weniger Luft nach oben.

Dem gegenüber steht eine Reihe klar positiver Stimmen.
- Goldman Sachs hat sein Kursziel jüngst auf 300 US-Dollar angehoben und verweist auf anhaltend starke Dynamik.
- Barclays bestätigte am Freitag das „Overweight“-Votum und stuft den Titel im Vergleich zu anderen Tech-Schwergewichten weiterhin als günstig ein.
- Wedbush-Analyst Dan Ives erwartet „sehr starke“ Zahlen für das vierte Quartal, getragen von Cloud- und KI-Nachfrage.

Im Marktverlauf spiegelt sich dieses Spannungsfeld in einer moderaten Konsolidierung wider: Die Aktie liegt rund 4 % unter ihrem jüngsten 52‑Wochen-Hoch, notiert aber deutlich über ihren mittelfristigen Durchschnittslinien.

Teurer Rückschlag im Saks-Verfahren

Für zusätzlichen Druck sorgt eine Entwicklung abseits des Kerngeschäfts. In einem US-Insolvenzverfahren rund um den angeschlagenen Luxusmodehändler Saks Global Enterprises hat Amazon vor Gericht eine klare Niederlage kassiert.

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Die Eckpunkte:
- Amazon hatte rund 475 Millionen US-Dollar in Saks investiert.
- Der Konzern versuchte, ein neues 400-Millionen-Finanzierungspaket zu blockieren, da dieses die eigene Beteiligung verwässern würde.
- Ein US-Konkursrichter wies den Einspruch zurück; Amazon-Anwälte bezeichnen die ursprüngliche Beteiligung inzwischen als „vermutlich wertlos“.

Damit droht ein Abschreibungsrisiko in Höhe von knapp einer halben Milliarde US-Dollar. Angesichts der Größe von Amazons Bilanz ist das finanziell verkraftbar, doch psychologisch belastet der Vorgang die Stimmung – zumal er den Eindruck eines Fehlinvestments verstärkt.

Kupfer-Deal für die KI-Infrastruktur

Operativ stellt Amazon gleichzeitig die Weichen für die nächste Expansionsrunde im Cloud- und KI-Geschäft. Die AWS-Sparte hat mit dem Bergbaukonzern Rio Tinto ein umfangreiches Lieferabkommen für Kupfer aus der Nuton-Mine in Arizona geschlossen. Kupfer ist ein Schlüsselmaterial für Hochleistungsrechenzentren, von der Stromversorgung über Kühlung bis zur Vernetzung der Hardware.

Der Deal unterstreicht, wie physisch die vielzitierte „KI-Revolution“ letztlich ist: Ohne Metalle wie Kupfer bleiben Rechenzentren Theorie. Im Gegenzug nutzt Rio Tinto Cloud-Kapazitäten von AWS – eine klassische Partnerschaft zwischen Industrie und Tech.

Parallel treibt AWS mit der „European Sovereign Cloud“ den Ausbau speziell regulierter Infrastrukturen in Europa voran. Ziel ist es, strenge Anforderungen an Datensouveränität in der EU zu erfüllen und damit zusätzliche Kundengruppen anzusprechen, etwa Behörden und regulierte Unternehmen.

Technische Lage und Ausblick

Charttechnisch konsolidiert die Amazon-Aktie aktuell knapp unter ihrem 52‑Wochen-Hoch: Vom Top bei 247,38 US‑Dollar ist der Kurs um gut 3 % zurückgekommen, liegt aber rund 12 % über dem 50‑Tage-Durchschnitt und mehr als 20 % über der 200‑Tage-Linie. Der übergeordnete Aufwärtstrend bleibt damit intakt, der RSI von 66,8 signalisiert allerdings ein bereits fortgeschrittenes Momentum.

In den kommenden Wochen rücken die Q4-Zahlen in den Mittelpunkt, die für Ende Januar bis Anfang Februar erwartet werden. Dann entscheidet sich, ob die optimistischen Prognosen – etwa von Wedbush – durch harte Daten gestützt werden oder ob sich eher die vorsichtigere Sicht von Cantor Fitzgerald durchsetzt. Insbesondere die Entwicklung im Cloud- und KI-Geschäft, aber auch der Umgang mit der Saks-Beteiligung werden dabei genau analysiert werden und die mittelfristige Trendrichtung maßgeblich prägen.

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