Wer Amazon nur als E-Commerce-Riesen sieht, verpasst gerade einen wichtigen Teil der Story. 2026 rückt der Konzern mit seinem Werbegeschäft, Kostendisziplin und neuen KI-Initiativen wieder stärker in den Fokus der Analysten. Mehrere Häuser haben ihre Einschätzungen jüngst nach oben gezogen – parallel setzt das Management deutlich beim Einkauf und in der Cloud an. Die Frage ist: Tragen diese Hebel aus Sicht der Profis einen nachhaltig höheren Aktienkurs?

Höhere Kursziele, klare Favoritenrolle

TD Cowen hat sein Kursziel für die Amazon-Aktie von 300 auf 315 US-Dollar angehoben und das Rating auf „Buy“ belassen. Aus Analystensicht signalisiert das ein deutliches Aufwärtspotenzial gegenüber dem aktuellen Bereich um 240 Dollar.

Parallel dazu stuft Bernstein-Analyst Mark Shmulik Amazon als „Top Tech Pick“ für 2026 ein und setzt ein Kursziel von 300 Dollar. Auch Bank of America bleibt auf der Käuferseite: Analyst Justin Post bestätigte am 12. Januar sein „Buy“-Rating mit einem Ziel von 303 Dollar.

Trotz der freundlichen Analystenlage gönnt sich der Kurs nach dem kräftigen Anstieg der vergangenen Wochen eine Verschnaufpause. Seit Jahresbeginn liegt die Aktie dennoch rund 7 % im Plus, auf Sicht von 30 Tagen sind es gut 28 % – der Titel hat also klar an Momentum gewonnen.

Werbegeschäft als Wachstumstreiber

Herzstück der optimistischen TD-Cowen-These ist Amazons Werbesparte, die deutlich margenstärker ist als das klassische Handelsgeschäft. Grundlage ist eine eigene Umfrage unter Werbekunden, die ein robustes Bild zeichnet.

  • Über 60 % der befragten Werbetreibenden planen laut Analyst John Blackledge, ihre Ausgaben bei Amazon im Jahr 2026 zu erhöhen.
  • TD Cowen erwartet, dass die Werbeerlöse von geschätzt 68,2 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 auf 141,7 Milliarden US-Dollar im Jahr 2030 wachsen.
  • Das entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von 16 %.
  • Der Anteil am globalen digitalen Werbemarkt (ohne China) soll im selben Zeitraum von 10,6 % auf 13,2 % steigen.

Für die Bewertung ist entscheidend: Mehr Werbung bei stabilen Kosten stärkt die operative Marge. Genau darauf zielt auch Amazons zweites großes Thema – Kostensenkungen.

Kostendruck und Lieferkette im Fokus

Laut Financial Times fordert Amazon von seinen Lieferanten Preissenkungen, die von niedrigen einstelligen Prozentbeträgen bis hin zu rund 30 % reichen können. Marktbeobachter sehen darin einen klaren Versuch, die eigene Kostenbasis im Handel weiter zu drücken und zugleich Spielraum für mögliche Veränderungen in der Zoll- und Handelspolitik zu schaffen.

Unter dem Strich könnte dieser Schritt die Profitabilität des Handelsgeschäfts verbessern, insbesondere wenn sich die Nachfragedynamik 2026 stabil entwickelt. Für Anleger wichtig: Der Konzern versucht, parallel sowohl auf der Umsatz- als auch auf der Kostenseite anzusetzen.

Mediengeschäft: Neue Erlösquellen sichern

Auch im Medienbereich setzt Amazon Akzente. Am 12. Januar hat Amazon MGM Studios einen exklusiven Vertrag mit Alliance Entertainment für die physische Distribution in den USA und Kanada unterschrieben.

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Der Deal umfasst bekannte Marken wie „James Bond“, „Rocky“ und die Erfolgsserie „Fallout“. Damit sichert sich Amazon fortlaufende Einnahmen aus Sammler-Editionen, 4K-UHD-Veröffentlichungen und anderen physischen Formaten – ein vergleichsweise kleiner, aber stabiler Erlösbaustein neben Streaming und Werbung.

Aufholjagd nach schwachem Börsenjahr 2025

Die aktuelle Zuversicht steht im Kontrast zu 2025, als die Aktie deutlich hinter dem breiten Markt zurückblieb. Während S&P 500 und Nasdaq im mittleren Zehnprozentbereich zulegen konnten, kam Amazon im Gesamtjahr nur auf rund 5 %.

Seit Ende 2025 hat sich die Lage aber spürbar gedreht. Allein im letzten Monat legte die Aktie über 10 % zu, die Distanz zum 52‑Wochen-Hoch beträgt nur noch knapp 2 %. Aus charttechnischer Sicht notiert der Kurs deutlich über den wichtigen gleitenden Durchschnitten; der 50‑Tage-Schnitt liegt bei 210,30 US-Dollar, der aktuelle Kurs rund 15 % darüber.

AWS, KI und Regulierung

Auf fundamentaler Ebene rückt erneut die Cloud-Sparte AWS in den Vordergrund. Bank-of-America-Analyst Justin Post verweist auf AWS und Künstliche Intelligenz als zentrale Differenzierungsmerkmale für 2026.

Konkret setzt Amazon auf den Supercomputer „Project Rainier“ und den Einsatz von 500.000 Trainium2-Chips. Bereits im dritten Quartal 2025 erreichte AWS eine operative Marge von 34,6 %. Zusätzliche Effizienzgewinne durch spezialisierte KI-Hardware könnten diese Marge weiter ausbauen – ein wichtiger Treiber für den Konzerngewinn.

Auf der anderen Seite bleiben regulatorische Risiken ein Thema. In Italien haben Wettbewerbsbehörden Strafen von insgesamt rund 752,4 Millionen Euro wegen angeblichen Machtmissbrauchs verhängt. Zuletzt gab es Berichte über Anpassungen dieser Bußen, endgültig gelöst ist das Thema damit aber noch nicht.

Ausblick: Q4-Zahlen als nächster Härtetest

Der nächste zentrale Termin ist der Quartalsbericht für Q4 2025, der für Ende Januar erwartet wird. Die Analystenstimmung ist klar positiv: Das Konsensrating liegt bei „Strong Buy“, das durchschnittliche Kursziel bei etwa 295 US-Dollar. TD Cowen liegt mit seinem Ziel von 315 Dollar darüber und rechnet für das vierte Quartal mit einem Umsatz, der rund 1 % über dem Marktkonsens liegt, sowie einem operativen Ergebnis, das etwa 12 % über den durchschnittlichen Schätzungen der Wall Street liegt.

Technisch betrachtet verläuft ein wichtiger Widerstand im Bereich von 250 US-Dollar. Ein nachhaltiger Ausbruch darüber würde den Weg in Richtung des jüngsten Hochs weiter öffnen. Mit einem 14‑Tage‑RSI von 66,8 wirkt der aktuelle leichte Rücksetzer eher wie eine normale Konsolidierung innerhalb eines intakten Aufwärtstrends als wie der Beginn einer Trendwende.

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