Peking verschärft den Ton gegenüber den großen E-Commerce-Plattformen – und Alibaba steht direkt im Fokus. Neue Vorgaben sollen den Druck auf kleinere Händler reduzieren und greifen in zentrale Geschäftsmodelle ein. Parallel dazu sorgen Analystenkommentare für Gegenwind. Entscheidend für die weitere Kursentwicklung ist nun, wie gut Alibaba sein Wachstumstempo mit höheren Kosten und strengeren Regeln in Einklang bringt.

Neue Regeln aus Peking

Die chinesischen Behörden haben am Mittwoch umfassende neue E-Commerce-Regeln vorgestellt, die ab Februar 2026 gelten sollen. Betroffen sind neben Alibaba auch große Wettbewerber wie JD.com und Meituan. Ziel ist es, Wettbewerbsverzerrungen zu begrenzen und den Schutz von Händlern und Verbrauchern zu stärken.

Kernpunkte der Regulierung:

  • Verbot von Promotion-Zwang: Plattformen dürfen Händler nicht mehr dazu drängen, an Rabattaktionen oder speziellen Kampagnen teilzunehmen, um Sichtbarkeit auf der Seite zu erhalten.
  • Keine Exklusivbindungen mehr: Kleinere Händler sollen nicht länger gezwungen sein, sich für eine der dominanten Plattformen zu entscheiden.
  • Strengere Vorgaben für Influencer: Online-Influencer dürfen keine falschen Produktversprechen mehr machen; Verstöße sollen sanktioniert werden.
  • Anpassung von Rückgaberegeln: Sehr großzügige „Ohne-Rückfrage“-Erstattungen werden neu geregelt, was Prozesse und Kostenstrukturen verändert.
  • Mehr Datenschutzpflichten: Plattformen erhalten erweiterte Auflagen beim Umgang mit Nutzerdaten.

Die Maßnahmen folgen auf frühere Warnungen der Behörden an Alibaba, Meituan und JD.com, Händler nicht mit Rabatten, Kampagnenzwang und aggressiven Konditionen zu überziehen. Sie kommen zu einem Zeitpunkt, in dem der private Konsum in China trotz staatlicher Stimulusprogramme seit 2024 nur schleppend anzieht – zusätzliche Einschränkungen für Plattformen werden vom Markt daher besonders sensibel bewertet.

Analysten senden gemischte Signale

Herabstufung durch Freedom Capital Markets

Bereits Anfang der Woche hatte eine Analystenentscheidung für Druck gesorgt. Freedom Capital Markets stufte Alibaba am 6. Januar 2026 von „Buy“ auf „Hold“ ab und senkte das Kursziel deutlich von 180 auf 140 US-Dollar – trotz besser als erwarteter Zahlen für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2026.

Im Mittelpunkt der Bedenken stehen:

  • steigende Ausgaben zur Wachstumsunterstützung, die kurzfristige Renditen schmälern könnten
  • ein Kerngeschäft im Einzelhandel, das langsamer wächst als einige Wettbewerber
  • Werbeerlöse, die die steigenden Kosten nicht vollständig ausgleichen
  • hohe Investitionen in Technologie und Logistik, die die Gewinnsichtbarkeit eintrüben

Damit adressiert der Analyst weniger die Ertragslage heute, sondern die Frage, wie viel Profit von den derzeit hohen Investitionen mittelfristig tatsächlich beim Ergebnis ankommt.

Jefferies bleibt klar positiv

Ein anderes Bild zeichnet Jefferies. Das Haus senkte am 8. Januar 2026 zwar das Kursziel moderat von 231 auf 225 US-Dollar, hält aber an der Kaufempfehlung fest und sieht Alibaba weiterhin als „Top Pick“ für 2026.

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Die Begründung:

  • starke Chancen in den Bereichen KI und Cloud,
  • die Rolle als One-Stop-Plattform für Konsum,
  • solide Fortschritte im Quick-Commerce-Geschäft im Dezember-Quartal,
  • sowie eine sich beschleunigende Cloud-Umsatzdynamik, getrieben durch KI-Nachfrage.

Im Analystenkonsens überwiegt damit trotz der Unsicherheiten weiterhin der Optimismus: 21 Analysten kommen im Schnitt auf ein Votum „Moderate Buy“ mit einem durchschnittlichen Kursziel von 192,11 US-Dollar. Der Markt bewertet also kurzfristige Belastungen, traut Alibaba aber auf Sicht mehrerer Quartale weiteres Wachstum zu.

Geschäftsdaten: Wachstum mit hohem Preis

Die jüngsten, im November 2025 veröffentlichten Zahlen zum Q2 des Geschäftsjahres 2026 zeichnen ein gemischtes Bild. Auf der Umsatzseite liefert Alibaba klares Wachstum, auf der Ergebnisebene schlagen hohe Investitionen durch.

Wesentliche Kennziffern:

  • Umsatz gesamt: 247,8 Mrd. RMB, ein Plus von 15 % gegenüber dem Vorjahr (bereinigt um Sun Art und Intime).
  • Cloud Intelligence: 34 % Umsatzwachstum, KI-Produkte mit dreistelligen Wachstumsraten – und das bereits im neunten Quartal in Folge.
  • Adjusted EBITDA: Rückgang um 78 %, vor allem wegen strategischer Investitionen in Quick Commerce.
  • Freier Cashflow: Abfluss von 21,8 Mrd. RMB, ausgelöst durch umfangreiche Infrastrukturinvestitionen.

Damit wird deutlich: Alibaba drückt bei Zukunftsfeldern wie Cloud, KI und Quick Commerce kräftig aufs Gaspedal. Kurzfristig geht das zulasten von Marge und Cashflow, mittelfristig sollen diese Bereiche aber die nächste Wachstumswelle liefern.

Kursentwicklung und Bewertung

Die Alibaba-Aktie steht nach einer schwachen Woche sichtbar unter Druck. Auf Eurobasis liegt der Titel in den vergangenen sieben Tagen rund 19 % im Minus und damit deutlich unter dem 50-Tage-Durchschnitt; zugleich notiert er aber noch klar über dem 52-Wochen-Tief. Mit einem aktuellen Kurs von 125,60 Euro und einem RSI von 29,4 zeigt der Markt kurzfristig ein überverkauftes Bild.

Auf fundamentaler Seite spielt die Bewertung eine zentrale Rolle: Die Aktie wird aktuell mit etwa dem 16-Fachen des erwarteten Gewinns gehandelt – deutlich unter dem Niveau vieler US-Cloud- und Plattformwerte. Analysten sprechen in diesem Zusammenhang von einem anhaltenden „China-Abschlag“, der regulatorische und geopolitische Risiken widerspiegeln soll.

Parallel dazu setzt das Unternehmen auf umfangreiche Aktienrückkäufe. Im Geschäftsjahr 2025 wurden rund 12 Milliarden US-Dollar in eigene Aktien investiert, was die ausstehende Stückzahl um etwa 5 % reduzierte – eine der aggressivsten Rückkaufpolitiken im chinesischen Tech-Sektor.

Ausblick: Quartalszahlen als nächster Prüfstein

Der nächste wichtige Termin ist der Q3-Bericht für das Geschäftsjahr 2026, der im Februar erwartet wird. Dann dürfte sich zeigen, wie stark die neuen regulatorischen Vorgaben die Beziehungen zu Händlern und das Margenprofil tatsächlich beeinflussen. Zudem werden Investoren genau verfolgen, ob sich die Wirtschaftlichkeit im Quick-Commerce-Bereich verbessert und die hohe Dynamik im Cloud- und KI-Geschäft anhält.

Für die weitere Bewertung entscheidend wird, ob Alibaba es schafft, die hohen Investitionen in Wachstumsmärkte und die strengere Regulierung so auszubalancieren, dass sich die derzeitige Kombination aus gedämpfter Stimmung, Bewertungsabschlag und ambitionierter Strategie wieder in stabilere Ertragskennzahlen übersetzt.

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