Airbus Aktie: Triebwerks-Chaos bremst aus
Der weltgrößte Flugzeugbauer veröffentlichte heute Zahlen, die die Börse verschreckten. Während der DAX-Konzern für 2025 solide Ergebnisse vorlegte, sorgt der Ausblick für Ernüchterung. Die Aktie stürzte am Donnerstagmorgen um bis zu 7,3 Prozent auf 185,90 Euro ab – der tiefste Stand seit Anfang Dezember. Damit rutschte der Titel auch unter die wichtige 200-Tage-Linie.
Was steckt dahinter? Airbus plant für 2026 zwar Rekordauslieferungen von rund 870 Verkehrsflugzeugen und würde damit die bisherige Bestmarke von 863 Maschinen aus 2019 übertreffen. Doch Analysten hatten deutlich mehr auf dem Zettel – im Schnitt über 900 Auslieferungen. Die Enttäuschung sitzt tief.
Pratt & Whitney: Der Bremsklotz
Vorstandschef Guillaume Faury nimmt kein Blatt vor den Mund und benennt den Schuldigen: Der US-Triebwerkshersteller Pratt & Whitney, eine Tochter von RTX, liefere die bestellte Zahl von Antrieben nicht. „Das wirkt sich negativ auf die Prognose für dieses Jahr und den Produktionsanstieg aus", erklärte Faury. Es gebe einen „signifikanten Rückstand" des wichtigen Zulieferers.
Die Konsequenzen sind weitreichend. Die Produktion der meistgefragten Modellfamilie A320neo soll bis Ende 2027 nur auf 70 bis 75 Maschinen pro Monat klettern. Bisher hatte Faury das obere Ende dieser Spanne angepeilt – und selbst dieses Ziel bereits mehrfach verschoben. Eine stabile Produktionsrate von 75 Flugzeugen monatlich erwartet der Manager nun erst nach 2027. Pratt & Whitney dürfte erst 2027 deutlich zulegen, bevor der Rückstand aufgeholt ist.
Schon in den Vorjahren hatte Airbus wegen knapper Triebwerke seine Auslieferungsziele mehrfach verfehlt. Auch 2025 lief nicht nach Plan: Zwar holten die Triebwerkshersteller ihre Rückstände aus der ersten Jahreshälfte auf, doch dann patzte ein Zulieferer von Rumpfteilen. Wegen Qualitätsmängeln an bestimmten Verkleidungen musste Airbus ab November hunderte praktisch fertige Jets überprüfen. Statt der angepeilten 820 Maschinen lieferte der Konzern nur 793 Stück aus.
Prognose enttäuscht trotz starker Zahlen
Für 2026 erwartet die Airbus-Führung beim bereinigten operativen Gewinn (Ebit) nur einen Anstieg auf rund 7,5 Milliarden Euro. Branchenexperten hatten im Schnitt mehr als 8,0 Milliarden Euro prognostiziert. „Der Ausblick ist schwach, selbst wenn er möglicherweise konservativ geplant ist", kommentierte ein Börsianer.
Dabei fielen die Zahlen für 2025 durchaus solide aus. Der Umsatz wuchs um sechs Prozent auf 73,4 Milliarden Euro. Der bereinigte operative Gewinn sprang um ein Drittel auf etwas mehr als 7,1 Milliarden Euro, unter dem Strich stand ein Überschuss von rund 5,2 Milliarden Euro – fast ein Viertel mehr als 2024. Die Dividende soll um 20 Cent auf 3,20 Euro je Aktie steigen.
Auch die Hubschraubersparte konnte Umsatz und bereinigten operativen Gewinn steigern. Die Rüstungs- und Raumfahrtsparte schaffte es zurück in die Gewinnzone, nachdem hohe Sonderkosten für Satellitenprogramme und den Militärtransporter A400M den Bereich 2024 tief in die roten Zahlen gerissen hatten.
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Analysten gespalten
Die Reaktionen der Experten fallen gemischt aus. Goldman-Analyst Sam Burgess bezeichnete die Ergebnisse für 2025 als solide, sieht aber den Auslieferungsausblick von Problemen in der Lieferkette geprägt. Douglas Harned von Bernstein Research hob zwar das starke vierte Quartal hervor, zeigte sich aber enttäuscht vom Ausblick auf Auslieferungen, operativen Gewinn und Free Cashflow.
Ken Herbert von der kanadischen Bank RBC rechnet kurzfristig mit Kursdruck, hält die Prognose von rund 870 Flugzeugauslieferungen aber für „angemessen konservativ". Barclays-Expertin Milene Kerner begrüßte, dass Airbus nun für den A320-Jet eine klarere mittelfristige Produktionsprognose abgegeben hat. Damit habe der Flugzeugbauer eine wichtige Unsicherheitsquelle beseitigt.
An Aufträgen mangelt es dem Konzern jedenfalls nicht. Ende Dezember saß Airbus auf einem Rekord-Auftragsbestand von 8.754 Passagier- und Frachtflugzeugen. Gemessen an den für 2026 geplanten Auslieferungen würden die Bestellungen die Produktion rechnerisch über zehn Jahre auslasten. Die Produktion der A320neo-Familie ist längst bis ins nächste Jahrzehnt hinein ausgebucht.
Boeing bleibt im Krisenmodus
Während Airbus trotz Lieferkettenproblemen profitabel wirtschaftet, steckt Konkurrent Boeing weiterhin tief in der Krise. Der US-Konzern erzielte 2025 seinen ersten Jahresgewinn seit 2018 – verdankte diesen aber nur dem Verkauf einer Sparte. Im Tagesgeschäft schrieb Boeing erneut tiefrote Zahlen.
Seit zwei tödlichen Abstürzen 2018 und 2019 sowie einem längeren Startverbot für das wichtigste Modell 737 Max kämpft Boeing mit Qualitätsmängeln und dem Vorwurf, an der Sicherheit gespart zu haben. Nach einem Beinahe-Unglück Anfang 2024 griffen die Behörden durch und legten dem Hersteller harte Beschränkungen auf.
2025 erholte sich Boeing zwar ein Stück weit und lieferte mit 600 Passagier- und Frachtjets deutlich mehr Maschinen aus als im Vorjahr. Der einstige Weltmarktführer blieb jedoch weit hinter Airbus zurück. Trotzdem sitzt auch Boeing auf einem riesigen Auftragsbestand und kommt der Nachfrage kaum hinterher.
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