Adidas Aktie: Doppel-Downgrade
Bank of America stellt die bisherige Adidas-Erfolgsgeschichte offen in Frage. Ein seltenes Doppel-Downgrade, die These vom Ende eines 20-jährigen Modetrends und die Angst vor einem Nike-Comeback sorgen für neue Unsicherheit. Wie stark ist der Gegenwind für den Sportartikelkonzern tatsächlich?
BofA stellt Megatrend infrage
Zu Jahresbeginn hat Bank of America ihre Einstufung für Adidas deutlich geändert: Von „Buy“ ging es direkt auf „Underperform“. Begleitet wurde dieser Schritt von einer Senkung des Kursziels auf 160 Euro – laut Bloomberg das niedrigste im Analystenkonsens. Die Aktie reagierte sofort und verlor in der Spitze rund 7,6 Prozent.
Auslöser ist vor allem die Umsatzperspektive. Analyst Thierry Cota und sein Team erwarten für das laufende Jahr nur noch einstelliges Umsatzwachstum. Nach Jahren deutlich höherer Dynamik markiert das einen klaren Bruch mit der bisherigen Entwicklung und liegt unter vielen Markterwartungen.
„Casualisierung“ am Limit
Im Zentrum der BofA-Analyse steht die These, dass der seit rund 20 Jahren laufende Trend zur legeren Kleidung seinen Höhepunkt erreicht hat. Sneaker haben ihren Anteil am gesamten Schuhmarkt demnach bereits von 20 auf etwa 50 Prozent ausgebaut. Zusätzlichen strukturellen Rückenwind durch diesen Modetrend sehen die Experten kaum noch.
Für Adidas hätte das spürbare Folgen:
- Weniger Unterstützung durch den allgemeinen Modemarkt
- Stärkerer Wettbewerb um stagnierende Marktanteile
- Geringere Preissetzungsmacht im Sneaker-Segment
Hinzu kommt die wachsende Konkurrenz durch Marken wie On und Asics, die im Performance-Bereich an Profil gewinnen. Gleichzeitig wird ein mögliches Comeback von Nike als zusätzlicher Belastungsfaktor gewertet.
Nike-Erholung als zusätzlicher Druck
Besonders aufmerksam blickt Bank of America auf die Entwicklung beim US-Rivalen Nike. Unter CEO Elliott Hill zeigt der Konzern erste Erholungstendenzen. Die jüngsten Quartalszahlen überzeugten vor allem mit einem robusten Wachstum in Nordamerika.
Historisch verlaufen die Umsatzentwicklungen von Adidas und Nike häufig gegenläufig: Stärke beim einen Konzern ging in der Vergangenheit nicht selten mit Schwäche beim anderen einher. BofA leitet daraus ab, dass eine nachhaltige Nike-Erholung zulasten von Adidas gehen könnte – insbesondere, wenn das Wachstum im Gesamtmarkt ohnehin nachlässt.
WM 2026: Hilfe auf Zeit
Kurzfristig gibt es dennoch einen klaren positiven Faktor: die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko. Adidas ist seit Jahren stark im Fußball verankert und rüstet unter anderem Lionel Messi aus. Ein Umsatzschub rund um das Turnier gilt deshalb als wahrscheinlich.
Bank of America bremst jedoch die Erwartungen. Aus Sicht der Analysten handelt es sich um einen temporären Effekt. Nach dem Turnier werde das Unternehmen wieder mit denselben strukturellen Herausforderungen konfrontiert sein, die bereits heute sichtbar sind – vom ausgereizten Casual-Trend bis zum verschärften Wettbewerb.
Kursbild und Kennzahlen
An der Börse spiegelt sich der Gegenwind bereits in der mittelfristigen Performance wider. Heute notiert die Aktie bei 153,85 Euro und damit gut 8 Prozent unter dem Stand zu Jahresbeginn. Auf Zwölfmonatssicht summiert sich das Minus auf rund 37 Prozent. Damit liegt der Kurs mehr als 40 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 261,00 Euro.
Im Chart zeigt sich:
- Aktueller Kurs: 153,85 Euro
- Abstand zum 52-Wochen-Hoch: -41,05 %
- Abstand zum 52-Wochen-Tief (149,70 Euro): nur knapp über 2 %
- Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt: -16,18 %
Die Aktie notiert damit klar unter den wichtigen gleitenden Durchschnitten, was den anhaltenden Abwärtsdruck unterstreicht. Der RSI von 41,1 signalisiert allerdings noch keinen extrem überverkauften Zustand.
Analystenlager tief gespalten
Trotz der scharfen Kritik von Bank of America bleibt der Rest der Analystengemeinde deutlich optimistischer. Laut Bloomberg empfehlen rund 84 Prozent der Experten den Titel weiterhin zum Kauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei etwa 227 Euro und damit klar über dem aktuellen Kursniveau.
Einige Beispiele:
- Bernstein bestätigt ein „Outperform“-Rating mit einem Kursziel von 146 US-Dollar für die ADR.
- Kepler Capital bleibt ebenfalls bei einer Kaufempfehlung.
- Bank of America sticht mit „Underperform“ und 160 Euro Kursziel klar nach unten heraus.
Damit prallen zwei Sichtweisen aufeinander: Auf der einen Seite die These vom nachlassenden strukturellen Wachstum und der abkühlenden „Casualisierung“, auf der anderen Seite die Überzeugung, dass Marke, Fußballstärke und mittelfristige Erholungsspielräume noch nicht ausgereizt sind.
Fazit: Polarisierender DAX-Titel
Die Adidas Aktie steht an einem spannenden Punkt: Bank of America stellt mit dem Doppel-Downgrade gleich den gesamten Rückenwind der vergangenen Jahrzehnte in Frage, verweist auf stärkere Konkurrenz und ein mögliches Nike-Comeback. Dem gegenüber stehen zahlreiche Häuser, die trotz Kursdruck klare Kurschancen sehen und hohe Ziele von im Schnitt über 200 Euro ausrufen.
In den kommenden Quartalen wird sich zeigen, ob sich eher das BofA-Szenario mit moderatem Wachstum und strukturellem Gegenwind oder die optimistischere Mehrheitsmeinung der Analysten durchsetzt – insbesondere rund um die Fußball-WM 2026 und die Umsatzentwicklung im Vergleich zu Nike.
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