Ein seltener Schritt einer Großbank trifft auf rekordhohe Umsätze und eine gespaltene Analystenlandschaft: Genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich die Adidas Aktie zu Beginn des Jahres 2026. Nach einer doppelten Herabstufung durch die Bank of America ist der Kurs deutlich von seinen Hochs abgerückt, während andere Häuser unverändert optimistisch bleiben. Wie weit trägt die Skepsis – und wie belastbar sind die starken operativen Zahlen?

Deutliche Herabstufung durch Bank of America

Anfang Januar sorgte Bank of America für ein Ausrufezeichen: Analyst Thierry Cota stufte Adidas gleich zwei Stufen von „Buy“ auf „Underperform“ ab. Parallel kürzte er das Kursziel von 213 Euro auf 160 Euro und liegt damit am unteren Ende aller veröffentlichten Schätzungen.

Die Argumentation zielt klar auf die mittelfristige Wachstumskraft des Konzerns:

  • Das Umsatzwachstum könnte 2026 auf einstellige Werte zurückfallen
  • Der Trend zur „Casualisierung“ sei weitgehend ausgereizt
  • Nike könnte nach einer Schwächephase wieder Marktanteile zurückholen
  • Wettbewerber wie On und Asics gewinnen an Sichtbarkeit und Profil

Die unmittelbare Reaktion am Markt fiel spürbar aus: Am Tag der Abstufung verlor die Aktie zeitweise bis zu 7,6 Prozent. In der Folge blieb das Papier schwach. Am Freitag schloss die Aktie bei 159,85 Euro und liegt damit rund 39 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 261,00 Euro. Seit Jahresbeginn summiert sich das Minus auf 4,51 Prozent.

Die Fakten im Überblick

  • Schlusskurs Freitag: 159,85 Euro
  • Rückgang in 12 Monaten: -34,16 %
  • Abstand zum 52-Wochen-Hoch (261,00 Euro): -38,75 %
  • Abstand zum 52-Wochen-Tief (149,70 Euro): +6,78 %
  • 200-Tage-Durchschnitt: 183,88 Euro (Aktie ca. 13 % darunter)
  • RSI (14 Tage): 41,1 (kein extremes Überverkauft-Niveau)

Die Kennzahlen unterstreichen: Der Titel hat bereits deutlich korrigiert und notiert klar unter den mittelfristigen Durchschnittskursen. Von einer akuten Übertreibung nach unten signalisiert der RSI jedoch noch nicht.

Charttechnik: Wichtige Marke im Blick

Charttechnisch steht vor allem das November-Tief im Mittelpunkt. Die Zone um 150 Euro (52-Wochen-Tief: 149,70 Euro) gilt als zentrale Unterstützung. Bisher hält diese Marke, der aktuelle Kurs liegt knapp sieben Prozent darüber.

Aus technischer Sicht ergeben sich damit zwei zentrale Marken:

  • Unterstützung: Bereich um 150 Euro
  • Widerstand: Region um den fallenden 200-Tage-Durchschnitt (aktuell 183,88 Euro)

Ein klarer Bruch der Unterstützung würde das technische Bild zusätzlich eintrüben und könnte den Weg in niedrigere Kursregionen öffnen. Ein nachhaltiger Anstieg zurück über den 200-Tage-Durchschnitt wäre dagegen ein erstes Signal für eine Entspannung.

Analysten tief gespalten

Spannend ist der Kontrast zwischen Bank of America und dem restlichen Analystenkonsens. Während Cota das niedrigste Kursziel im Markt setzt, überwiegen andernorts weiterhin positive Einschätzungen.

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Von 32 erfassten Analysten empfehlen:

  • 26 den Kauf
  • 3 den Verkauf

Das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 227 Euro und damit deutlich über dem aktuellen Kursniveau. Einige Beispiele:

  • Bernstein Research: Kursziel 270 Euro
  • Warburg Research: Kursziel 255 Euro
  • UBS: „Buy“ mit Kursziel 256 Euro

Damit entsteht ein klares Bild: Bank of America stellt sich mit ihrer skeptischen Haltung deutlich gegen die Mehrheit. Der zentrale Konflikt dreht sich um die Frage, ob das Wachstum tatsächlich so spürbar nachlassen wird, wie es die US-Bank erwartet, oder ob Adidas seine Dynamik länger halten kann.

Operative Stärke, strukturelle Fragezeichen

Operativ liefert der Konzern zuletzt starke Zahlen. Im dritten Quartal 2025 erzielte Adidas mit 6,63 Milliarden Euro den höchsten Quartalsumsatz der Unternehmensgeschichte. Das Betriebsergebnis für das Gesamtjahr wurde auf 2,0 Milliarden Euro angehoben – ein klarer Hinweis auf verbesserte Profitabilität.

Gleichzeitig bleiben strukturelle Herausforderungen bestehen:

  • Das Geschäft in den USA zeigt weiter Schwächen
  • Der Wettbewerbsdruck im globalen Sportartikelmarkt ist hoch
  • Konsumenten reagieren sensibler auf Preise
  • Die Nachwirkungen des Yeezy-Exits sind noch nicht vollständig überwunden

Bewertungstechnisch ist die Aktie mit einem KGV von etwa 15 moderat eingepreist. Das spiegelt durchaus die Kombination aus solider Ertragslage und erhöhter Unsicherheit über die mittelfristige Wachstumsdynamik wider.

WM 2026 als Chance mit Einschränkungen

Ein zentraler Hoffnungsträger bleibt die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko. Solche Großturniere sind traditionell wichtige Katalysatoren für Trikotverkäufe, Marketingeffekte und Markenpräsenz – gerade für einen etablierten Ausrüster wie Adidas.

Bank of America bremst hier jedoch die Erwartungen. Die Analysten erwarten zwar positive Impulse rund um das Turnier, warnen aber davor, das Wachstumspotenzial zu überschätzen. Aus ihrer Sicht könnte der Effekt zeitlich begrenzt bleiben und nach dem Turnier wieder abflachen.

Fazit: Klarer Termin für den nächsten Prüfstein

Die Adidas Aktie steckt derzeit in einem Spannungsfeld: Auf der einen Seite stehen Rekordumsätze, ein angehobenes Betriebsergebnis und eine im historischen Vergleich moderate Bewertung. Auf der anderen Seite mahnen eine deutliche Kursschwäche, strukturelle Risiken im Kerngeschäft und eine selten scharfe Herabstufung durch Bank of America zur Vorsicht.

Ein wichtiger Prüfstein steht bereits fest: Am 10. März 2026 legt der Konzern die nächsten Quartalszahlen vor. Dort wird sich zeigen, ob sich die bisher robusten operativen Trends bestätigen und damit die optimistischeren Kursziele stützen – oder ob sich erste Signale für das verlangsamte Wachstum materialisieren, vor dem die skeptische Minderheit warnt.

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