ABO Energy Aktie: Entscheidung
Die Restrukturierung des Wiesbadener Erneuerbaren-Projektierers läuft auf Hochtouren. Am 9. März fällt in der IHK Wiesbaden die Entscheidung über die Zukunft der Unternehmensanleihe – nach dem Scheitern der ersten Abstimmung am fehlenden Quorum. Für das schwer angeschlagene Unternehmen geht es um den finanziellen Spielraum für die Sanierung.
Der Unterschied zur ersten Abstimmung: Statt 50 Prozent reichen diesmal 25 Prozent des ausstehenden Anleihekapitals für gültige Beschlüsse. Beim ersten Versuch hatten zwar die Mehrheit der Teilnehmer für die Änderungen gestimmt, doch mit nur 38 Prozent Präsenz fehlte das erforderliche Quorum deutlich.
Verlust von 170 Millionen Euro erwartet
ABO Energy durchlebt die schwerste Krise seiner fast 30-jährigen Geschichte. Für 2025 rechnet die Geschäftsführung mit einem Jahresfehlbetrag von rund 170 Millionen Euro – dem ersten Minus überhaupt. Noch im November lag die Prognose bei 95 Millionen Euro Verlust, bevor das Management am 15. Januar erneut massiv nach unten korrigieren musste.
Die Ursachen sind vielschichtig: Überzeichnete Wind-an-Land-Auktionen in Deutschland führten zu drastisch reduzierten Einspeisevergütungen. Hinzu kommen negative Entwicklungen in Spanien, Finnland, Griechenland und Ungarn sowie verschobene Projekte. Die Reaktion am Kapitalmarkt fiel entsprechend hart aus – die Anleihe 2024 notiert bei etwa 16 Prozent des Nennwerts, die Aktie verlor seit Jahresbeginn mehr als 51 Prozent.
Kernpunkte der Abstimmung
Im Zentrum stehen Anpassungen der Anleihebedingungen, die den finanziellen Spielraum erhöhen sollen. Geplant ist der Verzicht auf die Negativverpflichtung, die aktuell neue Garantien und Darlehen erschwert. Zudem soll das Kündigungsrecht der Gläubiger gestrichen werden, das bei Umschuldungsverhandlungen greift.
Weitere Kündigungsrechte werden befristet bis Ende Mai ausgesetzt, um Zeit für die Umsetzung des Sanierungskonzepts zu gewinnen. Ein gemeinsamer Vertreter soll künftig die Interessen der Anleihegläubiger bündeln. Seit dem 23. Januar besteht bereits eine Stillhaltevereinbarung mit Gläubigern wesentlicher Finanzierungen.
Operative Erfolge trotz Finanzkrise
Trotz der angespannten Lage vermeldet das Unternehmen Projektfortschritte: ABO Energy sicherte sich Zuschläge für drei Solarparks mit insgesamt 50 Megawatt in Schlangenbad, Ober-Olm und Schieder-Schwalenberg. Die Projekte sollen ab Herbst 2026 gebaut werden und sind Teil eines Hybrid-Portfolios mit 100 MWp Solarkapazität und rund 80 MW Batteriespeicherleistung.
Ende Januar wurden zudem drei Solarprojekte in Frankreich veräußert – für Projektentwickler ein wichtiger Mechanismus zur Liquiditätsgenerierung. Die Geschäftsführung verweist auf eine Pipeline von rund 30 Gigawatt an Wind-, Solar- und Batterieprojekten, mehr als ein Drittel davon in Deutschland und Frankreich.
Das gesenkte Quorum erhöht die Chancen auf eine erfolgreiche Abstimmung deutlich. Gelingt die Zustimmung am 9. März, kann die Geschäftsführung die blockierte Finanzierung neu ordnen und den Sanierungskurs fortsetzen. Der Jahresabschluss 2025 folgt am 22. Juni, die Hauptversammlung ist für den 13. August angesetzt.
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