Von der Radiomoderation zur Krisenkommunikation: Christian Hromatkas Weg zum Kommunikationsprofi
In der aktuellen Episode von „Börsepeople im Podcast S23/13" zeichnet Host Christian Drastil von audio-cd.at den bemerkenswerten Karriereweg von Christian Hromatka nach – vom Radiomoderator bei Energy über 17 Jahre als Kommunikationschef der Erste Group bis hin zur Selbstständigkeit als Berater für Krisenkommunikation und Reputationsmanagement.
Die Radiozeit als Fundament für alle Kommunikation
Der Einstieg in die Medienbranche erfolgte während des Kommunikationsstudiums mit einem Praktikum bei Live Radio in Linz. Diese Jahre beim Radio, zunächst in Oberösterreich und später bei Radio Energy in Wien, bezeichnet Hromatka als „ganz großartige und wichtige Lehrjahre". Die zentrale Erkenntnis aus dieser Zeit: „Wenn du einmal beim Radio warst, weißt du, du hast eine ganz begrenzte Zeit, um eine Geschichte zu erzählen."
Die klassische Struktur mit Einleitung, Hauptteil und Schluss funktioniere im Radio nicht. Stattdessen müsse man sofort mit der Geschichte beginnen, Neugier wecken und die Zuhörer zum Dranbleiben bewegen. Diese Fähigkeit, schnell zum Punkt zu kommen und Aufmerksamkeit zu halten, habe sich durch seine gesamte Karriere gezogen – ob in schriftlicher Kommunikation, bei Vorträgen oder in Meetings.
Bei Radio Energy moderierte Hromatka von 2004 bis 2007 live, beginnend mit Nachtsendungen für weniger Publikum, später auch Wochenendsendungen am Samstagmorgen um sechs Uhr. Das Multitasking am Mischpult – Technik bedienen, Telefonanrufer schneiden, die nächsten Worte überlegen – prägte seine Arbeitsweise nachhaltig.
Der Wechsel zur Bank mitten in die Finanzkrise
Parallel zur Radiokarriere arbeitete Hromatka bei Siemens VDO im Automotive-Bereich. Seine Spanischkenntnisse aus dem Studium öffneten ihm dort Türen, und er stieg zum Project Director auf, verantwortlich für zwei Produktionsverlagerungen von Autoelektronik. Die Erfahrungen in Projektmanagement und internationaler Zusammenarbeit sollten sich später als wertvoll erweisen.
Im April 2008 wechselte Hromatka zur Erste Bank Österreich als Pressesprecher – nur wenige Monate vor dem Zusammenbruch von Lehman Brothers. „Damit haben wir natürlich nicht gerechnet", erinnert er sich an diese turbulente Zeit. Die Krise wurde zum Intensivkurs in Krisenkommunikation: „Wir waren dann eigentlich lange Zeit im Krisenmodus alle miteinander."
Auf die Frage nach der Verweildauer hatte er beim Bewerbungsgespräch „drei Jahre" geantwortet – geworden sind es 17.
Social Media als Kommunikationsrevolution
Um 2010/2011 begann Hromatka, sich intensiv mit Social Media zu beschäftigen. Während viele Kollegen Facebook mit Skepsis betrachteten und über Sperrungen für Mitarbeiter diskutierten, erkannte er das Potenzial: Social Media werde die Art der Kommunikation fundamental verändern und nie wieder verschwinden.
Er entwickelte Guidelines für Mitarbeiter und baute ein kleines Social-Media-Team auf. Die direkte Kundenrückmeldung, ob Lob oder Kritik, sieht er als Chance: „Du kannst dich hinter keinem Plakat verstecken oder irgendeinem schönen Slogan, sondern der Kunde sagt dir sofort, da war ich unzufrieden, das gefällt mir, das passt mir nicht."
Die Frage, welche Plattformen heute noch sinnvoll sind, beantwortet er differenziert: Jedes Unternehmen müsse die Kanäle finden, wo die eigene Zielgruppe aktiv ist. Facebook mache für viele noch Sinn, weil dort die „Best Ager" mit Kaufkraft unterwegs seien.
George und „Glaub an dich" – zwei prägende Projekte
Zwei Meilensteine seiner Erste-Zeit hebt Hromatka besonders hervor. Die Einführung der Banking-App George bezeichnet er als Revolution des Online-Banking-Marktes in Österreich: Eine App, die so einfach gestrickt war, dass sie keine Erklärung brauchte, mit einem modernen Interface statt eines veralteten Designs aus den 90ern.
Die Kampagne „Glaub an dich" entstand unter der Führung von Martin Radjaby, den Hromatka als „einen der größten Marketing- und Branding-Persönlichkeiten in Österreich" beschreibt. Gemeinsam entwickelte das Team das Thema speziell für den digitalen Bereich, etablierte den Hashtag auf Social Media, experimentierte mit neuen Content-Formaten und professionalisierte digitales Storytelling.
Auszeichnungen und internationale Verantwortung
Die Qualität der Kommunikationsarbeit spiegelt sich in zahlreichen Auszeichnungen wider: fünfmal in Folge Unternehmenssprecher des Jahres in der Kategorie Bank und Versicherung, zweimal der Staatspreis PR und ein Web at Gold für Content Marketing.
Besonders stolz ist Hromatka auf eine interne Kampagne namens „You and AI", die Mitarbeitern beim Aufkommen von ChatGPT die künstliche Intelligenz näherbrachte. Mit Kommunikation, Messeständen zum Ausprobieren und viel Aufklärung wurde die Verunsicherung abgebaut. Dafür gab es den PR-Staatspreis mit dem Sonderpreis KI.
2021 übernahm Hromatka die Kommunikationsverantwortung für die gesamte Erste Group. In relativ kurzer Zeit arbeitete er unter drei verschiedenen CEOs – Bernd Spalt, Willi Cernko und Peter Bosek. Die internationale Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen in Zentral- und Osteuropa sowie die enge Abstimmung mit Investor Relations erweiterten sein Portfolio erheblich.
Der Schritt in die Selbstständigkeit
Im Februar 2026 gründete Hromatka sein Unternehmen „Hromatka Rocks" – ein Name, der seine energiegeladene Herangehensweise widerspiegeln soll. Die Gründung verlief reibungslos, der hohe Digitalisierungsgrad der österreichischen Behörden ermöglichte eine problemlose Online-Abwicklung.
Gleichzeitig ist er als Gesellschafter bei der Kommunikations- und PR-Agentur Unlimited Communications eingestiegen, gemeinsam mit Stefan Scoppetta und Bernhard Krumpel. Die drei Gesellschafter bringen unterschiedliche Skills ein, die sich ergänzen sollen.
Hromatkas Spezialisierung umfasst drei Bereiche: Risk- und Reputation-Management mit Fokus auf Krisenkommunikation, Transformationskommunikation in einer fragilen Welt voller Veränderungen sowie Interimsmanagement. Bei letzterem geht es um Vakanzüberbrückungen oder Reorganisationen, typischerweise in Positionen wie Head of Communications und Marketing.
Zusätzlich unterrichtet er an der Webster University einen Kurs zu Crisis Management and Issues Management. Das Weitergeben von Wissen an die nächste Business-Generation sei eine wichtige Aufgabe: „Aus der grauen Theorie in Lehrbüchern alleine wird man sozusagen die nächste Krise nicht meistern."
Fazit: Kommunikation als roter Faden
Christian Hromatkas Karriere zeigt, wie sich Kommunikationsfähigkeiten über verschiedene Branchen und Positionen hinweg als Konstante erweisen. Die Grundlagen aus der Radiozeit – schnell zum Punkt kommen, Aufmerksamkeit halten, Geschichten erzählen – bildeten das Fundament für 17 Jahre erfolgreiche Bankkommunikation. Mit der Selbstständigkeit bringt er diese Erfahrung nun als Berater und Interimsmanager ein, ergänzt durch akademische Lehrtätigkeit. Die Kombination aus Krisenerfahrung, internationaler Perspektive und digitalem Know-how positioniert ihn als gefragten Experten in einer Zeit, in der Unternehmen mehr denn je professionelle Kommunikation benötigen.








