Die TKMS-Aktie hat in wenigen Wochen einen markanten Sprung hingelegt. Im Zentrum steht die Aussicht auf einen Milliardenauftrag aus Indien, flankiert von Rekord-Auftragsbeständen, einer möglichen Werftübernahme und neuen Technologiekooperationen. Wie solide ist dieses Momentum?

Mega-Projekt mit Indien als Kurstreiber

Kern der aktuellen Story ist das indische U-Boot-Programm Project 75(I). TKMS befindet sich hier kurz vor dem Abschluss des größten Einzelauftrags der Unternehmensgeschichte. Während des Staatsbesuchs von Bundeskanzler Friedrich Merz am 12. und 13. Januar in Neu-Delhi wurde eine Roadmap für eine vertiefte Verteidigungskooperation unterzeichnet – ein wichtiger politischer Rahmen für den Deal.

Der geplante Vertrag mit der indischen Marine umfasst:

  • Sechs konventionelle U-Boote vom Typ 214IN mit Brennstoffzellen-AIP-Antrieb
  • Lokale Fertigung bei Mazagon Dock Shipbuilders (MDL) in Mumbai
  • Umfassenden Technologietransfer mit rund 60 % lokaler Wertschöpfung
  • Ein geschätztes Auftragsvolumen von rund 6,8 Milliarden Euro

TKMS-CEO Oliver Burkhard betont den technologischen Vorsprung beim AIP-System auf Brennstoffzellenbasis, das besonders lange Tauchzeiten und damit hohe Tarnfähigkeit erlaubt. Spaniens Navantia ist mit seinem S‑80+‑Design bereits ausgeschieden, weil zentrale Technologien nicht in operativen Booten nachgewiesen werden konnten.

Die formelle Vertragsunterzeichnung wird bis Ende März 2026 erwartet. Bis dahin bleibt das Projekt der zentrale Kurstreiber – und ein nicht zu unterschätzender Unsicherheitsfaktor, sollte sich der Zeitplan verschieben.

Kursentwicklung und Bewertungssignale

Der Markt hat die Indien-Perspektive schnell eingepreist. Gestern schloss die Aktie bei 93,75 Euro. Auf Sicht von sieben Tagen ergibt sich ein Plus von knapp 16 %, in den vergangenen 30 Tagen summiert sich der Anstieg auf gut 44 %. Seit Jahresbeginn steht ein Zuwachs von rund 35 % zu Buche.

Wichtige Kennzahlen zur aktuellen Marktlage:

  • Schlusskurs gestern: 93,75 Euro
  • 52-Wochen-Hoch: 95,20 Euro (13. Januar 2026), Abstand: rund –1 %
  • 52-Wochen-Tief: 57,45 Euro (24. November 2025), Abstand: gut +63 %
  • 50-Tage-Durchschnitt: 70,19 Euro, aktueller Kurs rund +34 % darüber
  • Volatilität (30 Tage, annualisiert): 55,58 %

Auffällig: Trotz der starken Rally liegt der 14-Tage-RSI mit 32,4 nicht im überhitzten Bereich, was weniger auf kurzfristige Übertreibung als auf zuvor schwächere Phasen hindeutet.

Analysten: Bandbreite bleibt groß

Die jüngsten Analystenkommentare spiegeln die neue Großauftrags-Fantasie, aber auch Bewertungsfragen wider. Die Deutsche Bank hat am 13. Januar ihr Kursziel von 82 auf 99 Euro angehoben und die Kaufempfehlung bestätigt. Begründung sind vor allem das Indien-Geschäft und die starke Position im europäischen Marinemarkt.

Bereits am 6. Januar hatte Bernstein das Rating von „Underperform“ auf „Market Perform“ hochgestuft, bleibt mit einem Kursziel von 67 Euro jedoch deutlich vorsichtiger. Analyst Adrien Rabier verweist vor allem auf eine verbesserte Preissetzungsmacht im deutschen Marinemarkt.

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Damit ergibt sich ein gemischtes Bild:

  • Deutsche Bank: Buy, Kursziel 99 Euro
  • Bernstein: Market Perform, Kursziel 67 Euro

Der daraus abgeleitete durchschnittliche Zielwert von 81,80 Euro liegt klar unter dem aktuellen Kurs. Der Markt preist also bereits zusätzliche Chancen ein, etwa eine zügige Finalisierung des Indien-Deals oder weitere Großaufträge.

Rekord-Auftragsbestand sorgt für Sichtbarkeit

Unabhängig vom Indien-Projekt ist das operative Fundament deutlich gewachsen. Zum Ende des Geschäftsjahres 2024/25 (30. September) meldete das Unternehmen:

  • Auftragsbestand: 18,5 Milliarden Euro (+55 % zum Vorjahr)
  • Umsatz 2024/25: 2,17 Milliarden Euro (+9 %)
  • Nettogewinn: 108 Millionen Euro
  • EBIT-Marge: 6 %

Der Auftragsbestand entspricht etwa dem Achtfachen des Jahresumsatzes. Für ein Industrieunternehmen ist das eine außergewöhnlich hohe Visibilität über mehrere Jahre hinweg, selbst bevor der mögliche Indien-Vertrag berücksichtigt wird.

Technologieoffensive: KI-Partnerschaft in Kanada

Parallel versucht TKMS, die technologische Position im U-Boot-Bereich auszubauen. Am 13. Januar wurde eine Kooperation mit dem kanadischen KI-Spezialisten Cohere für das Canadian Patrol Submarine Project (CPSP) bekannt gegeben.

Geplant ist der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in mehreren Bereichen:

  • Entscheidungsunterstützung für die Besatzung
  • Bordinternes Informationsmanagement
  • Trainings- und Simulationsumgebungen
  • Sichere Schnittstellen zu maritimen Systemen

Vertriebschef Thomas Keupp verweist auf die Chance, mit modernsten Technologien die nächste Generation kanadischer U-Boote auszustatten. Strategisch stärkt dies die Position in einem weiteren wichtigen Marinemarkt und untermauert den Anspruch, nicht nur Plattformen, sondern integrierte Systemlösungen zu liefern.

Kapazitätsausbau: Geplante Übernahme von GNYK

Um das hohe Auftragsvolumen abarbeiten zu können, arbeitet TKMS an einer Ausweitung der eigenen Fertigungskapazitäten. Am 8. Januar wurde ein unverbindliches Kaufangebot für die German Naval Yards Kiel (GNYK) bestätigt.

GNYK betreibt Trockendocks und Cranekapazitäten am gleichen Standort in Kiel und beschäftigt rund 400 Mitarbeiter. Die Integration würde logistische Synergien ermöglichen und den Standort als maritimen Cluster stärken.

Allerdings gibt es Konkurrenz: Die britische Inocea Group ist ebenfalls interessiert, zudem könnte Rheinmetall über die geplante Übernahme von NVL ins Rennen kommen. Eine Entscheidung über den neuen Eigentümer von GNYK wird in den kommenden Wochen erwartet und dürfte für TKMS vor allem mit Blick auf den Mittel- bis Langfristaufbau relevant werden.

Nächste Katalysatoren im Kalender

Die kommenden Wochen sind dicht mit potenziellen Impulsen für die Aktie:

    1. Januar 2026: Baader Bank German Corporate Day (Toronto)
    1. Januar 2026: Kepler German Corporate Conference (Frankfurt)
    1. Januar 2026: Debatte im norwegischen Parlament über zwei zusätzliche U-Boote des Typs 212CD
    1. Februar 2026: Q1-Quartalsbericht
    1. Februar 2026: Nächster Earnings-Termin
    1. Februar 2026: Hauptversammlung

Insgesamt trifft eine stark gelaufene Aktie mit Kursen nahe dem 52-Wochen-Hoch auf eine prall gefüllte Pipeline an Projekten und Terminen. Entscheidend für die weitere Richtung wird sein, ob bis Ende März die formelle Unterzeichnung des Indien-Vertrags gelingt und ob die kommenden Zahlen am 11. und 25. Februar den Eindruck eines nachhaltig wachsenden, profitablen Auftragsbuchs bestätigen.

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