Tilray Aktie: Analysten skeptisch
Tilray meldet Rekordumsätze, doch die Mehrheit der Analysten bleibt zurückhaltend. Trotz deutlicher Kursgewinne in den vergangenen Monaten dominiert heute das Konsensrating „Reduce“. Im Fokus stehen vor allem die schwache Profitabilität und regulatorische Risiken in den USA.
Analysten drehen den Daumen
Sieben Häuser begleiten derzeit die Aktie. Im Schnitt lautet die Empfehlung „Reduce“ – verteilt auf zwei Verkaufsempfehlungen, vier Haltenoten und nur einem Kaufvotum. Das durchschnittliche 12-Monats-Kursziel liegt bei 15 US-Dollar und damit über dem aktuellen Kursniveau, spiegelt aber die Vorsicht im Sektor wider.
Jüngste Rating-Änderungen
- Zacks Research stufte die Aktie am 13. Januar von „Hold“ auf „Strong Sell“ ab.
- Roth Capital Markets bestätigte am 16. Januar „Neutral“, senkte das Kursziel aber deutlich von 20 auf 10 US-Dollar.
- ATB Cap Markets hob die Einstufung am 10. Dezember 2025 von „Strong Sell“ auf „Hold“ an.
Roth-Analyst Bill Kirk verweist auf anhaltende Unsicherheit rund um die US-Gesetzgebung und zusätzliche regulatorische Risiken im Zusammenhang mit berauschenden Hanfprodukten. Fortschritte bei Umsatz und operativer Entwicklung erkennt er zwar an, gewichtet die politischen Risiken aber höher.
Quartalszahlen: Rekordumsatz, schwache Marge
Tilray legte am 8. Januar die Zahlen für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2026 vor. Der Umsatz stieg auf 217,5 Millionen US-Dollar und übertraf damit die Konsensschätzung von 211,15 Millionen US-Dollar. Es war ein Rekordwert für ein zweites Quartal.
Auf der Ergebnisseite zeigte sich jedoch eine deutliche Lücke: Der Verlust je Aktie lag bei 0,41 US-Dollar. Analysten hatten im Schnitt nur mit einem Minus von 0,14 US-Dollar gerechnet. Die Profitabilität bleibt damit der Schwachpunkt.
Entwicklung nach Segmenten
- Internationales Cannabis: 20,2 Mio. US-Dollar Umsatz, +36 % zum Vorjahr
- Kanada Freizeitmarkt: 62,4 Mio. US-Dollar, +6 %
- Distribution (CC Pharma): 85,3 Mio. US-Dollar, +26 %
- Getränke: 50,1 Mio. US-Dollar, –20,6 %
Die Bruttomarge fiel auf 26,4 %. Das entspricht einem Rückgang um 260 Basispunkte im Jahresvergleich und 100 Basispunkte gegenüber dem Vorquartal. Positiv: Der Nettoverlust halbierte sich in etwa auf 43,5 Millionen US-Dollar nach 85,3 Millionen US-Dollar im Vorjahresquartal.
Internationale Expansion als Wachstumstreiber
Deutlich zulegen konnte insbesondere das internationale Cannabisgeschäft. Die Erlöse stiegen hier um 36 % im Jahresvergleich und um 51 % gegenüber dem Vorquartal. Das Management hat die kanadischen Großhandelsvolumina bewusst zurückgefahren, um Kapazitäten in margenstärkere internationale Märkte zu verschieben.
Die jährliche Anbaukapazität liegt inzwischen bei rund 200 Tonnen. Damit kann Tilray neue, schnell wachsende Märkte bedienen und zugleich Skaleneffekte heben. In Europa zählt das Unternehmen zu den größeren Anbietern und nutzt Erfahrung und Infrastruktur aus Kanada für den weiteren Ausbau.
US-Markt: Einstieg über Tilray Medical USA
Nach der Umstufung von Cannabis in die Einstufung „Schedule 3“ per Executive Order von Präsident Trump im Jahr 2025 hat Tilray mit Tilray Medical USA den Einstieg in den US-Medical-Markt forciert. Die neue regulatorische Basis ermöglicht unter anderem:
- Einfacheren Zugang zu Finanzdienstleistungen
- Erweiterte Möglichkeiten für medizinische Forschung
- Die steuerliche Absetzbarkeit regulärer Betriebskosten
Damit verbessert sich die Ausgangslage für ein strukturiertes Wachstum im US-Markt, auch wenn die politische und regulatorische Entwicklung weiterhin Unsicherheit birgt.
Bilanz und Ausblick auf die Profitabilität
Auf der Finanzierungsseite hat sich die Lage deutlich verbessert. Tilray weist inzwischen eine Netto-Cash-Position aus, nachdem im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2024 noch netto 434 Millionen US-Dollar Schulden in den Büchern standen. Das ATM-Programm zur Kapitalaufnahme ist abgeschlossen, laut Roth-Analyst Kirk ist ohne Übernahmen vorerst nicht mit weiterer Verwässerung zu rechnen.
Für das Geschäftsjahr 2026 bestätigte das Management die Prognose für das bereinigte EBITDA von 62 bis 72 Millionen US-Dollar. Im Geschäftsjahr 2025 lag dieser Wert bei rund 55 Millionen US-Dollar.
Bewertung und Kursbild
In den vergangenen sechs Monaten legte die Aktie um 40,4 % zu. Damit entwickelte sich der Titel deutlich besser als der Gesamtsektor, der im gleichen Zeitraum um 6,6 % nachgab.
Bewertungskennzahlen und Kennziffern im Überblick:
- Forward Price-to-Sales (12 Monate): 1,22x
- Historischer Median P/S und Branchenmittel: über dem aktuellen Niveau, Branchen-P/S bei rund 2,81x
- 52-Wochen-Spanne: 3,51 – 23,20 US-Dollar
- 50-Tage-Linie: 9,73 US-Dollar
- 200-Tage-Linie: 10,84 US-Dollar
- Marktkapitalisierung: ca. 1,1 Mrd. US-Dollar
Die Aktie handelt damit unter ihrem langfristigen Bewertungsmittel und unter dem Branchenschnitt, trotz der jüngsten Rally.
Prognosen und zentrale Risiken
Analysten erwarten für das Geschäftsjahr 2026 einen Umsatz von rund 870,8 Millionen US-Dollar und ein bereinigtes EBITDA von etwa 63,2 Millionen US-Dollar. Für 2027 werden 926,5 Millionen US-Dollar Umsatz und ein Anstieg des bereinigten EBITDA auf etwa 87,5 Millionen US-Dollar prognostiziert.
Auf der Gegenseite stehen mehrere Gegenwinde:
- Rückläufiges Getränkegeschäft mit deutlichen Umsatzrückgängen
- Ein vorgeschlagenes Verbot berauschender Hanfprodukte in den USA ab Ende 2026 als potenzielles regulatorisches Risiko
- Ein Rückgang der Großhandelsverkäufe um 80 % im zweiten Quartal, dessen Volumen erst nach und nach in internationale Märkte umgeleitet werden soll
Für die kommenden Quartale bleibt entscheidend, ob Tilray die internationale Expansion und die verbesserten Bilanzkennzahlen in deutlich höhere Margen und einen nachhaltig positiven Ergebnistrend ummünzen kann.
Tilray-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Tilray-Analyse vom 20. Januar liefert die Antwort:
Die neusten Tilray-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Tilray-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 20. Januar erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Tilray: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...








