Thyssenkrupp Aktie: Umbau unter Spannung
Thyssenkrupp steckt zum Jahresauftakt 2026 mitten im Balanceakt: Fortschritte bei Wasserstofftechnik und Marinesparte treffen auf neue Fragezeichen im Stahlgeschäft. Entscheidend ist, ob der geplante Einstieg des indischen Konzerns Jindal in die Stahlsparte gelingt – oder an Widerstand aus dem Unternehmen scheitert.
Der Kurs reagiert zunächst verhalten. Nach einer starken Entwicklung 2025 liegt die Aktie heute bei rund 9,89 Euro und damit leicht unter dem Vortagesschluss. Angesichts eines Kursanstiegs von knapp 148 % auf Jahressicht ist die Nervosität bei neuen Störgeräuschen nachvollziehbar.
Stahl-Deal mit Jindal gerät ins Wanken
Auslöser der aktuellen Zurückhaltung sind Berichte über wachsende Zweifel am geplanten Einstieg von Jindal bei Thyssenkrupp Steel Europe (TKSE). Diese Transaktion ist ein Kernstück des Konzernumbaus: Das stark zyklische Stahlgeschäft soll verselbstständigt und das Risiko aus der Bilanz der Mutter reduziert werden.
Nach einem Besuch in Indien haben prominente Arbeitnehmervertreter – darunter Betriebsratschef Tekin Nasikkol und IG Metall-Bezirksleiter Knut Giesler – ihre Bedenken gegenüber CEO Miguel López deutlich gemacht. Die Gewerkschaft fordert nun konkrete Zusagen von Jindal, etwa zu Standorten, Beschäftigung und Investitionen.
Damit steigt die Unsicherheit:
- Der erfolgreiche Abschluss des Jindal-Deals ist zentral für die Neuaufstellung des Konzerns
- IG Metall und Betriebsrat verlangen verbindliche Garantien
- Ohne Einigung droht eine Verzögerung oder Neubewertung der Stahlstrategie
Genau hier liegt der Kernkonflikt: Der Kapitalmarkt verlangt Klarheit beim Risiko-Stahl, die Arbeitnehmervertreter pochen auf Sicherheit für die Belegschaft. Beides gleichzeitig ist schwer zu erreichen.
Wasserstoff-Tochter und TKMS liefern positive Impulse
Auf der anderen Seite liefert die Wasserstofftechnik-Tochter Thyssenkrupp nucera ein deutlich freundlicheres Bild. Das Unternehmen hat einen großen Auftrag im Nahen Osten an Land gezogen: Für eine Chlor-Alkali-Anlage liegt ein Projektvolumen im hohen zweistelligen Millionenbereich auf dem Tisch. Das unterstreicht die operative Stärke im Geschäft mit Elektrolyse- und Chemieanlagen.
Flankiert wird das von klar formulierten Analystenstimmen:
- Deutsche Bank: Hochstufung auf „Buy“, Kursziel 11 Euro
- RBC: „Outperform“ bestätigt, Kursziel 15 Euro
Auch die Marinesparte TKMS profitiert von einem Stimmungsumschwung. Das Analysehaus Bernstein hat seine Einstufung von „Sell“ auf „Neutral“ angehoben. Damit verbessert sich das Sentiment für den Rüstungsbereich, der ohnehin als wichtiger Werttreiber im Konzernumbau gilt.
Diese positiven Signale schaffen einen Kontrast zur verfahrenen Stahldebatte. Sie zeigen, dass die strategische Neuausrichtung in Teilen der Gruppe bereits trägt.
Einordnung: Rallye trifft Realität
Die jüngste Kursbewegung ist ohne die extreme Entwicklung des Vorjahres kaum zu verstehen. 2025 zählte Thyssenkrupp mit einem Plus von rund 200 % zu den stärksten Dividendenwerten im Eurozonen-Index. Der Markt hatte viel Hoffnung auf:
- eine saubere Lösung für die Stahlsparte
- einen möglichen Spin-off oder eine stärkere Eigenständigkeit von TKMS
- wachsendes Geschäft bei Nucera
eingepreist. Mit einem Stand von 9,89 Euro notiert die Aktie aktuell zwar über dem 200-Tage-Durchschnitt von 9,72 Euro, aber deutlich unter dem 52-Wochen-Hoch von 13,24 Euro. Das verdeutlicht: Die Fantasie ist noch da, aber anfälliger für Rückschläge.
Die neuen Widerstände gegen Jindal machen deutlich, wie fragil dieser Optimismus ist. Scheitert der Deal an fehlenden Garantien oder am Veto der Arbeitnehmerseite, müsste CEO López zentrale Teile seines Umbaus neu justieren. Der operative Rückenwind von Nucera und das bessere Sentiment für TKMS sind wichtige Stützen, können aber die strukturellen Risiken im Stahl allein nicht vollständig ausgleichen.
Technische Lage und kurzfristiger Ausblick
Mit dem Rutsch unter die Marke von 10 Euro hat der Titel ein erstes technisches Warnsignal gesendet. Gleichwohl liegt der Kurs noch über dem 50-Tage-Durchschnitt von 9,26 Euro und knapp über der 200-Tage-Linie. Der RSI von 68,2 signalisiert ein bereits hohes, aber noch nicht extremes Kaufniveau; die annualisierte 30-Tage-Volatilität von über 80 % unterstreicht, wie schwankungsanfällig die Aktie geblieben ist.
In den kommenden Tagen dürfte vor allem zählen, wie das Management die Verhandlungen mit Jindal kommuniziert und ob es gelingt, mit IG Metall und Betriebsrat belastbare Kompromisse zu finden. Gelingt eine Einigung mit klaren Zusagen, könnte ein wesentlicher Unsicherheitsfaktor aus dem Kurs weichen. Kommt es hingegen zu Verzögerungen oder einem aufgeschobenen Abschluss, dürfte der Markt die hohe Risikoprämie im Stahlgeschäft wieder stärker in den Kurs einpreisen.
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