Thyssenkrupp Aktie: Stahl-Deal drückt
Der Jahresstart bringt für Thyssenkrupp mehr Fragen als Klarheit. Der geplante Verkauf der Stahlsparte stockt, Arbeitnehmervertreter erhöhen den Druck, und ein wichtiges Analystenhaus bleibt skeptisch. Wie stark belasten diese Unsicherheiten den Industriekonzern zum Beginn des neuen Börsenjahres?
Hängepartie um die Stahlsparte
Zentrum der aktuellen Unsicherheit ist der geplante Verkauf des Stahlgeschäfts an den indischen Bieter Jindal. Die Verhandlungen ziehen sich, und die Skepsis nimmt zu.
Vor allem die Arbeitnehmerseite stellt sich quer. Betriebsräte und Gewerkschaften dringen auf verbindliche Standort- und Beschäftigungsgarantien. Solange diese Punkte offen sind, bleibt unklar, ob der Deal in der geplanten Form zustande kommt.
Für den Konzern ist der Verkauf ein Kernelement der laufenden Restrukturierung. Ein Scheitern oder eine deutliche Verwässerung der Konditionen würde die strategische Neuausrichtung spürbar zurückwerfen. Entsprechend preist der Markt derzeit das Risiko ein, dass Thyssenkrupp die Sparte nicht zu den erhofften Bedingungen abgeben kann.
Charttechnisch spiegelt sich diese Unsicherheit wider: Nach einem Anlauf über die Marke von 10 Euro ist der Kurs wieder abgedreht und schloss heute bei 9,59 Euro. Auf Sicht von zwölf Monaten liegt die Performance zwar bei über 140 Prozent, seit Jahresbeginn jedoch leicht im Minus. Der Abstand von gut 27 Prozent zum 52‑Wochen-Hoch bei 13,24 Euro zeigt, dass der Aufwärtstrend ins Stocken geraten ist.
Analystenskepsis bremst Erholung
Von der Analystenseite kommt derzeit wenig Rückenwind.
Die US-Investmentbank Morgan Stanley hat ihre Einschätzung am heutigen Dienstag bestätigt und bleibt bei „Underweight“. Begründet wird dies mit anhaltenden strukturellen Herausforderungen, die das Aufwärtspotenzial begrenzen. Die jüngsten Erholungsversuche ändern demnach nichts am vorsichtigen Blick auf das Geschäftsmodell.
Wichtige Kennzahlen zur aktuellen Marktlage:
- Schlusskurs heute: 9,59 Euro
- Veränderung 7 Tage: +3,45 %
- 12-Monats-Performance: +140,27 %
- 52-Wochen-Spanne: 3,86 bis 13,24 Euro
Mit einem RSI von 68,2 liegt der Titel nahe am überkauften Bereich, während der Kurs nur knapp über dem 50‑Tage-Durchschnitt (9,25 Euro) und leicht unter dem 200‑Tage-Durchschnitt (9,72 Euro) notiert. Das spricht für eine fragile Ausgangslage: Die Erholung der vergangenen Monate ist zwar intakt, aber anfällig für Rückschläge.
TKMS: Bewertungsreset nach frühem Hype
Parallel richtet sich der Blick auf die frühere Marinesparte Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS), die seit Oktober 2025 eigenständig an der Börse notiert ist. Hier zeigt sich ein anderes Bild: weniger Euphorie, mehr Nüchternheit.
Das Analysehaus Bernstein Research hat seine Einschätzung für TKMS überarbeitet. Analyst Adrien Rabier hob die Aktie von „Underperform“ auf „Market-Perform“ an, senkte jedoch zugleich das Kursziel von 74 auf 67 Euro. Die Begründung: Nach den jüngsten Kursrücksetzern erscheine die Bewertung nun „fairer“ – ein klassischer Bewertungsreset.
Auffällig ist, dass das neue Kursziel unter dem aktuellen Marktpreis liegt. Damit signalisiert Bernstein zwar keine Unterbewertung mehr, sieht aber auch kein deutliches Aufwärtspotenzial. Die anfängliche Begeisterung nach dem Börsengang weicht einer realistischeren Einordnung der Rüstungs- und Marinesparte.
Für das Gesamtbild rund um Thyssenkrupp ist das bemerkenswert: Während der ehemalige Konzernteil TKMS über eine stabilisierte Bewertung verfügt, bleibt die Muttergesellschaft stärker von ungelösten Strukturfragen geprägt.
Personalie Goss: Signal aus der Schwerindustrie
Zusätzliche Aufmerksamkeit erzeugt eine Personalie mit Industriebezug: Andreas Goss, ehemaliger Chef der Stahlsparte von Thyssenkrupp, übernimmt zum 12. Januar 2026 die Funktion des zweiten Geschäftsführers bei Rosneft Deutschland, das unter Treuhandverwaltung der Bundesnetzagentur steht.
Goss soll dort die Finanzen verantworten. Für Thyssenkrupp hat dieser Wechsel keine direkten bilanziellen Folgen, er unterstreicht jedoch die enge personelle Vernetzung innerhalb der deutschen Schwerindustrie und den anhaltenden Bedarf an erfahrenen Restrukturierern in komplexen Umfeldern.
Fazit: Entscheidung über den Kursverlauf liegt beim Stahl-Deal
Zum aktuellen Zeitpunkt prallen zwei Entwicklungen aufeinander: eine beeindruckende Zwölfmonats-Performance und ein Kurs, der rund ein Viertel unter dem Jahreshoch notiert. Ausschlaggebend für die weitere Richtung dürften die nächsten Schritte beim Verkauf der Stahlsparte sein.
Gelingt eine Einigung mit Jindal zu tragfähigen Konditionen, könnte das die Restrukturierung voranbringen und die zuletzt gebremste Kursdynamik wiederbeleben. Verzögern sich die Verhandlungen weiter oder scheitert der Deal, droht der Industriekonzern in eine zähe Hängephase zu rutschen, in der die bisherige Kursrally schwer zu verteidigen wäre.
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