Ein Großinvestor zieht sich zurück, während der Markt weiter auf einen möglichen Einstieg von Jindal Steel in die Stahlsparte hofft – dieser Kontrast bestimmt derzeit die Stimmung rund um die Thyssenkrupp Aktie. Die Pflichtmitteilung von Amundi trifft den Titel in einer Phase stark aufgehellter Kurse und hoher Erwartungen. Damit rückt die Frage in den Vordergrund, wie belastbar die jüngste Aufwärtsbewegung tatsächlich ist.

Großinvestor Amundi reduziert deutlich

Am späten Dienstagnachmittag meldete Thyssenkrupp eine spürbare Verringerung der Beteiligung durch die französische Vermögensverwaltung Amundi S.A.

Der Stimmrechtsanteil sank:

  • von zuvor 3,26 Prozent
  • auf nun 2,21 Prozent

Damit wurde die Meldeschwelle von 3 Prozent unterschritten. Konkret hält Amundi noch 13.745.093 Aktien des Konzerns.

Brisant ist der Zeitpunkt: Gestern schloss der Kurs bei 11,08 Euro und liegt damit deutlich über dem 50-Tage-Durchschnitt von 9,79 Euro. Nach einem Anstieg von rund 19 Prozent in 30 Tagen und mehr als 135 Prozent auf Zwölfmonatssicht wirkt der Ausstieg auf diesem Niveau wie ein klares Signal, dass ein institutioneller Akteur das kurzfristige Potenzial zumindest als begrenzt einstuft.

Der Abstand von gut 16 Prozent zum 52-Wochen-Hoch bei 13,24 Euro zeigt zugleich, dass der Markt bereits einen Teil der jüngsten Fantasie wieder abgegeben hat.

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Jindal-Gespräche sorgen für Spannungsfeld

Treiber der Rally der vergangenen Monate waren vor allem Spekulationen rund um die Stahlsparte. Konzernchef Miguel López bestätigte zu Wochenbeginn laufende Gespräche mit Jindal Steel & Power. Er sprach von einem „konstruktiven“ Austausch, blieb jedoch bei zentralen Punkten vage – etwa zu Struktur, Volumen und Zeitplan eines möglichen Einstiegs.

Damit entsteht ein Spannungsfeld:

  • Positive Seite: Berichte, wonach Jindal Steel substanzielle Investitionen zugesagt haben soll, stützen die Erwartung einer strategischen Lösung für den Stahlbereich.
  • Negative Seite: Das Fehlen konkreter Details hält die Unsicherheit hoch – sowohl hinsichtlich Bewertung als auch Konditionen eines Deals.

Vor diesem Hintergrund erhält der parallele Anteilsabbau von Amundi besonderes Gewicht. Marktteilnehmer fragen sich, ob der Großinvestor die Chancen des Jindal-Deals skeptischer einschätzt oder schlicht Kursgewinne mitnimmt. Klar ist nur: Die Meldung verstärkt den Eindruck, dass die aktuelle Bewertung stark von Erwartungen und weniger von klaren Fakten getragen ist.

Interner Umbau und technische Lage

Neben den Jindal-Gesprächen bewegt auch der interne Umbau den Kurs. Laut Medienberichten prüft der Konzern den Verkauf einer Minderheitsbeteiligung von rund 30 Prozent an der profitablen Tochter Rothe Erde (Großwälzlager). Die mögliche Transaktion, die eine Bewertung von etwa 1,5 Milliarden Euro implizieren könnte, wird als Schritt zur Beschaffung zusätzlicher Liquidität interpretiert.

Charttechnisch trifft diese Gemengelage auf eine ohnehin aufgeheizte Situation:

  • Der Kurs liegt deutlich über den gleitenden Durchschnitten (rund 13 Prozent über dem 50- und gut 12 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt).
  • Der 14-Tage-RSI von 68,2 signalisiert ein Niveau nahe der überkauften Zone.
  • Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von knapp 75 Prozent unterstreicht die hohe Schwankungsintensität.

Am Dienstag wurden im Bereich der 11-Euro-Marke bereits Knock-Out-Barrieren erreicht, was automatische Glattstellungen auslöste und die Bewegungen zusätzlich verstärkte.

Die wichtigsten Fakten im Überblick

  • Beteiligung: Amundi reduziert Stimmrechte von 3,26 % auf 2,21 %
  • Kursniveau: Schlusskurs gestern bei 11,08 Euro, nach kräftiger Erholung in den letzten Monaten
  • Strategie: Gespräche mit Jindal Steel & Power zur Stahlsparte bestätigt, aber ohne konkrete Details
  • Portfoliomaßnahme: Prüfung eines Verkaufs von ca. 30 % an der Sparte Rothe Erde
  • Markttechnik: Deutlicher Abstand zu den wichtigsten Durchschnitten, RSI nahe überkauftem Bereich, hohe Volatilität

Fazit: Zwischen Fantasie und Gegenwind

Die aktuelle Marktlage ist von einem klaren Widerspruch geprägt: Auf der einen Seite steht die Hoffnung auf einen strukturellen Fortschritt durch einen Jindal-Einstieg und mögliche Erlöse aus dem Rothe-Erde-Teilverkauf. Auf der anderen Seite signalisiert der deutliche Rückzug von Amundi, dass ein professioneller Investor die Gelegenheit zu Gewinnmitnahmen nutzt und damit zusätzlichen Angebotsdruck schafft.

Mit dem kräftigen Kursanstieg der vergangenen Monate, der hohen Volatilität und einem RSI nahe der überkauften Zone ist die Ausgangslage sensibel. Für eine nachhaltige Fortsetzung der Aufwärtsbewegung dürften nun vor allem zwei Punkte entscheidend werden: belastbare Fakten zu den Jindal-Verhandlungen und Klarheit über die geplante Beteiligungsveräußerung bei Rothe Erde. Bis dahin bleibt der Titel stark von Nachrichten getrieben und anfällig für abrupte Richtungswechsel.

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