Barclays bleibt vorsichtig, der Markt zieht an: Die Thyssenkrupp-Aktie legt heute spürbar zu, obwohl die britische Investmentbank ihre Einstufung „Underweight“ bestätigt. Im Zentrum steht damit ein klarer Gegensatz zwischen Analystenskepsis und Anlegeroptimismus. Entscheidend ist die Frage, ob sich der aktuelle Rückenwind aus Konzernumbau und Stahlzyklus gegen die strukturellen Probleme durchsetzen kann.

Barclays-Studie: Höheres Kursziel, aber skeptischer Ton

Am Morgen veröffentlichte Barclays eine neue Branchenstudie zu europäischen Stahlkonzernen. Für Thyssenkrupp passt Analyst Tom Zhang seine Annahmen an – allerdings nur mit halber Überzeugung:

  • Kurszielanhebung von 7,30 Euro auf 9,00 Euro
  • Einstufung unverändert auf „Underweight“
  • Studie zunächst am 19. Januar 2026 um 04:00 Uhr GMT verbreitet

Zhang erwartet für europäische Stahlunternehmen im ersten Quartal zwar eine insgesamt positive Gewinnentwicklung. Zugleich bezweifelt er, dass die Handelsschutzmaßnahmen der EU schon jetzt zu einer nachhaltigen Verbesserung der Fundamentaldaten führen.

Besonders kritisch bleibt er beim Stahlgeschäft von Thyssenkrupp. Trotz Fortschritten im Konzernumbau sieht er dort weiterhin strukturelle Herausforderungen. Die bessere Bewertung im Kursziel spiegelt damit eher eine angepasste Marktlage als einen grundlegenden Stimmungswechsel wider.

TKMS-Börsengang schafft neuen Spielraum

Parallel zur skeptischen Analystensicht stehen strategische Fortschritte im Konzern. Die Abspaltung und der Börsengang der Marinesparte ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) haben für frischen Impuls gesorgt. TKMS ist inzwischen im MDAX gelistet und meldete für das abgelaufene Geschäftsjahr deutlich verbesserte Finanzkennzahlen.

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Diese Entwicklung unterstreicht die Neuausrichtung des Konzerns:
Werte sollen gehoben, komplexe Strukturen vereinfacht und das Profil der einzelnen Sparten geschärft werden. Für den Markt ist das ein wichtiges Signal, dass der Umbau nicht nur auf dem Papier stattfindet, sondern auch in messbaren Ergebnissen sichtbar wird.

Vor diesem Hintergrund wirkt die Vorsicht von Barclays weniger als generelle Absage an Thyssenkrupp, sondern eher als Mahnung, dass der schwierigste Teil – die Stabilisierung des Stahlgeschäfts – noch nicht erledigt ist.

Kursbild und Marktstimmung

Trotz des zurückhaltenden Analystenkommentars behauptet sich die Aktie heute und zeigt relative Stärke gegenüber dem MDAX. Auf Wochensicht steht zwar ein Minus von gut 3 %, über den längeren Zeitraum dominiert aber ein klarer Aufwärtstrend:

  • Aktueller Kurs: 10,39 Euro
  • Performance 30 Tage: +14,21 %
  • Performance 12 Monate: +149,94 %

Damit notiert der Titel zwar rund 21 % unter dem 52‑Wochen-Hoch von 13,24 Euro, aber deutlich über dem Tief von 4,09 Euro. Die Aktie liegt zudem über ihren wichtigen Durchschnittslinien; der 50-Tage-Durchschnitt von 9,51 Euro und der 200-Tage-Durchschnitt von 9,79 Euro sind nach unten auf Abstand. Ein RSI von 68,2 signalisiert, dass der Wert bereits in die Nähe eines überkauften Bereichs rückt, ohne diesen klar zu überschreiten.

Dieses Bild passt zur Marktstimmung: Nach dem kräftigen Anstieg der vergangenen zwölf Monate werden Risiken im Stahlbereich zwar nicht ignoriert, aber der Fortschritt beim Konzernumbau und die bessere Ertragslage einzelner Sparten wie TKMS werden stärker gewichtet.

Ausblick: Zahlen sollen den Umbau untermauern

Für die nächsten Wochen stehen zwei Termine im Kalender, die den Gegensatz zwischen Analystenskepsis und Markthoffnung konkret auflösen können. Am 30. Januar 2026 findet die ordentliche Hauptversammlung statt, bei der das Management seine Strategie und den Stand der Restrukturierung ausführlicher erläutern dürfte.

Noch wichtiger ist der 12. Februar 2026: Dann legt Thyssenkrupp die Zahlen für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2025/2026 vor. Diese Veröffentlichung wird zeigen, ob sich die verbesserten Rahmenbedingungen im Stahlsektor, die stärkere TKMS-Sparte und die internen Umbauprogramme bereits messbar in Umsatz- und Ergebnisentwicklung niederschlagen. Gelingt hier ein überzeugender Beleg für Fortschritte, könnte das den jüngsten Kursanstieg fundamental untermauern; bleiben die operativen Verbesserungen aus, dürfte die vorsichtige Linie von Barclays neuen Auftrieb erhalten.

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