Thyssenkrupp befindet sich mitten in einem der komplexesten Konzernumbaus der deutschen Industriegeschichte – und die Zeit drängt. Drei strategische Großprojekte laufen parallel, während die Stahlsparte rote Zahlen schreibt. Wie weit ist der Konzern auf dem Weg zur Holdingstruktur wirklich?

Hohe Restrukturierungskosten belasten das Ergebnis

Die Zahlen zum ersten Quartal des Geschäftsjahres 2025/26 sprechen eine klare Sprache. Bei einem Umsatz von 7,2 Milliarden Euro erzielte Thyssenkrupp zwar ein bereinigtes EBIT von 211 Millionen Euro – doch Restrukturierungskosten von 401 Millionen Euro allein bei Steel Europe drückten das Konzernergebnis in ein Nettominus von 334 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr erwartet das Management einen Nettoverlust zwischen 400 Millionen und 800 Millionen Euro.

Der Aktienkurs spiegelt diese Belastungen wider. Mit rund 9,20 Euro notiert die Aktie heute rund 31 Prozent unterhalb ihres Jahreshochs von 13,24 Euro aus dem Oktober 2025. Auch der 200-Tage-Durchschnitt liegt mit gut 10 Euro spürbar über dem aktuellen Niveau.

Hinzu kommt ein schwieriges Branchenumfeld: Hohe Energiepreise belasten energieintensive Stahlproduzenten wie Thyssenkrupp besonders stark, während die Nachfrage konjunkturbedingt schwächelt.

Drei Baustellen, ein enger Zeitplan

Das eigentlich Bemerkenswerte ist die zeitliche Verdichtung der laufenden Prozesse. Drei strategische Weichenstellungen stehen nahezu gleichzeitig an.

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Die Handelssparte Materials Services – mit 11,4 Milliarden Euro Umsatz eine der größten Konzerneinheiten – muss bis Ende März operative Fortschritte vorweisen, um ihre Verselbstständigung voranzutreiben. Als Optionen prüft Thyssenkrupp einen Börsengang im Herbst 2026, eine Abspaltung oder einen Verkauf. Auch eine Umwandlung in eine KGaA steht im Raum.

Parallel dazu laufen Due-Diligence-Gespräche mit Jindal Steel International über die Stahlsparte Steel Europe. Zwei Zwischenschritte sind bereits abgeschlossen: ein Tarifvertrag zur Restrukturierung im Dezember 2025 und ein Term Sheet mit Salzgitter zum Gemeinschaftsunternehmen HKM im Februar 2026. Die Übertragung der HKM-Anteile an Salzgitter ist für den 1. Juni 2026 terminiert.

Beim Thema grüner Stahl gab es zuletzt einen Rückschlag: Das Ausschreibungsverfahren für grünen Wasserstoff für das Duisburger Werk wurde pausiert, weil die eingereichten Angebote deutlich über den Erwartungen lagen. Den Bau der Direktreduktionsanlage setzt Thyssenkrupp dennoch fort.

Institutioneller Investor baut Position auf

Bemerkenswert ist auch eine aktuelle Stimmrechtsmitteilung: Investor Sunil Jagwani hat über Finanzinstrumente – darunter Equity Swaps und Put-Optionen – eine Position von 9,13 Prozent aufgebaut. Die größte Einzelposition ist ein Equity Swap mit Fälligkeit im Oktober 2035, der 2,05 Prozent der Stimmrechte umfasst. Solche Positionierungen verändern das operative Geschäft nicht unmittelbar, zeigen aber das wachsende Interesse institutioneller Akteure an der laufenden Restrukturierung.

Einen verlässlichen Stabilitätsanker bildet unterdessen die Marinesparte TKMS, an der Thyssenkrupp nach dem Börsengang noch 51 Prozent hält. Mit einem Auftragsbestand von 18,7 Milliarden Euro liefert die Einheit planbare Erlöse in einem sonst turbulenten Konzernumfeld.

Der nächste wichtige Termin für Anleger ist der 12. Mai 2026, wenn der Halbjahresbericht veröffentlicht wird. Der Markt dürfte dann vor allem drei Dinge bewerten: den Stand der Jindal-Verhandlungen, die Ergebnisse der Materials-Services-Deadline und den Fortschritt der HKM-Übertragung. Bis dahin bleibt der Konzernumbau das bestimmende Thema für die Aktie.

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