Thyssenkrupp steckt mitten in einem der komplexesten Umbauvorhaben der deutschen Industriegeschichte – und das Zeitfenster für entscheidende Weichenstellungen schließt sich gerade. Drei strategische Großprojekte laufen parallel, und ausgerechnet in diesem Monat verdichten sich die Deadlines.

Restrukturierung kostet – und schlägt sich in den Zahlen nieder

Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres erzielte der Konzern 7,2 Milliarden Euro Umsatz und ein bereinigtes EBIT von 211 Millionen Euro. Doch Restrukturierungskosten von 401 Millionen Euro allein bei Steel Europe drückten das Ergebnis in den roten Bereich: Unter dem Strich stand ein Nettoverlust von 334 Millionen Euro.

Für das Gesamtjahr warnt Thyssenkrupp vor einem Nettoverlust zwischen 400 und 800 Millionen Euro. Treiber sind die laufenden Restrukturierungsrückstellungen in der Stahlsparte – ein Preis, den der Konzern für die angestrebte Neuaufstellung bewusst in Kauf nimmt.

Dass die Aktie seit ihrem Oktober-Hoch rund 31 Prozent verloren hat und aktuell deutlich unter ihren gleitenden Durchschnittswerten notiert, spiegelt diese Belastungen wider.

Drei Prozesse, eine entscheidende Deadline

Die Handelssparte Materials Services – mit 11,4 Milliarden Euro Jahresumsatz und mehr als 15.000 Mitarbeitern eine der größten Einheiten – muss bis Ende März operative Fortschritte für ihre geplante Verselbstständigung nachweisen. Als Optionen prüft Thyssenkrupp einen Börsengang im Herbst 2026, eine Abspaltung an die Aktionäre oder einen Verkauf. Auch eine Umwandlung in eine KGaA steht im Raum.

Anzeige

Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Thyssenkrupp?

Gleichzeitig laufen Due-Diligence-Gespräche mit Jindal Steel International über die Stahlsparte Steel Europe. Zwei Meilensteine sind bereits erreicht: ein Tarifvertrag zur Restrukturierung im Dezember 2025 und ein Term Sheet mit Salzgitter zum Gemeinschaftsunternehmen HKM im Februar. Die Übertragung der HKM-Anteile ist für den 1. Juni 2026 terminiert.

Einen Rückschlag gab es beim Thema grüner Wasserstoff: Eine Ausschreibung zur Beschaffung für das Duisburger Werk wurde pausiert, weil die eingereichten Angebote deutlich über den Erwartungen lagen. Der Bau der Direct Reduction Iron-Anlage läuft dennoch weiter.

TKMS als stabiler Anker

Einen relativen Lichtblick bietet die Marinesparte Thyssenkrupp Marine Systems. Seit Oktober 2025 eigenständig börsennotiert und seit Dezember im MDAX, hält Thyssenkrupp noch 51 Prozent. Der Auftragsbestand liegt bei 18,7 Milliarden Euro. TKMS bewirbt sich in Kanada um bis zu zwölf U-Boote und gilt beim F127-Fregattenprogramm der Bundeswehr als Alleinbieter – eine solide Grundlage, die den Konzernwert stützt.

Auch eine Stimmrechtsmitteilung vom 6. März verdient Beachtung: Investor Sunil Jagwani hat über Equity Swaps und Put-Optionen eine Position von 9,13 Prozent aufgebaut. Unmittelbare Kursimpulse sind von einer solchen Pflichtmitteilung nicht zu erwarten, doch sie zeigt, dass institutionelle Investoren die Entwicklung aufmerksam verfolgen.

Am 12. Mai 2026 veröffentlicht Thyssenkrupp den Halbjahresbericht. Der Markt wird dann vor allem drei Dinge bewerten: den Stand der Jindal-Verhandlungen, das Ergebnis der Materials-Services-Deadline und den Fortschritt der HKM-Übertragung. Bis dahin bleibt der Konzernumbau das bestimmende Thema für die Aktie.

Anzeige

Thyssenkrupp-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Thyssenkrupp-Analyse vom 11. März liefert die Antwort:

Die neusten Thyssenkrupp-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Thyssenkrupp-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 11. März erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Thyssenkrupp: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...