Tesla Aktie: Druck auf Bewertung
Tesla startet mit Gegenwind ins neue Jahr. Schwächere Auslieferungen, der Verlust der globalen Elektroauto-Spitze an BYD und eine extrem gespannte Bewertung treffen auf völlig gegensätzliche Analystenmeinungen. Im Zentrum steht die Frage, wie lange der Markt Tesla noch hauptsächlich als KI- und Energie-Story bewertet, während das Kerngeschäft mit Autos an Dynamik verliert.
Auslieferungen sinken, Lager wächst
Auslöser der aktuellen Nervosität sind die enttäuschenden Auslieferungszahlen für das vierte Quartal 2025. Tesla brachte im Schlussquartal 418.227 Fahrzeuge zu den Kunden – rund 15 bis 16 % weniger als im Vorjahreszeitraum und damit unter den Erwartungen, die zwischen gut 422.000 und etwa 440.000 Fahrzeugen lagen.
Auch auf Jahressicht zeigt sich ein klarer Bremseffekt. 2025 lieferte Tesla 1,64 Millionen Fahrzeuge aus, ein Rückgang von 8 bis 9 % gegenüber 2024. Es ist das zweite Jahr in Folge mit rückläufigen Stückzahlen – ein deutliches Signal, dass das frühere Hochtempo-Wachstum vorerst vorbei ist. Die Produktion lag im vierten Quartal mit 434.358 Fahrzeugen über den Auslieferungen, was zu einem weiteren Aufbau von Beständen führt.
Ein zentraler Faktor ist nach Einschätzung von Marktbeobachtern der Wegfall der US-Steuergutschrift von 7.500 Dollar für Elektroautos im September 2025. Der Subventionsstopp hat die Nachfrage im Heimatmarkt spürbar ausgebremst und die Preissetzungsmacht geschwächt.
BYD übernimmt die Spitze
Gleichzeitig verschiebt sich die Kräfteverteilung im globalen Elektroautomarkt. Die Zahlen für 2025 machen offiziell, was sich bereits abzeichnete: Der chinesische Hersteller BYD hat Tesla bei reinen Batterie-Elektrofahrzeugen (BEVs) überholt.
- BYD 2025 BEV-Verkäufe: 2,26 Mio. Fahrzeuge (+28 % zum Vorjahr)
- Tesla 2025 BEV-Auslieferungen: 1,64 Mio. Fahrzeuge (-9 % zum Vorjahr)
Während Tesla mit einem in die Jahre gekommenen Modellportfolio und Gegenwind durch auslaufende Förderungen kämpft, hat BYD seine Produktion und den internationalen Vertrieb deutlich ausgeweitet. Die Lücke vergrößert sich damit spürbar – ein klarer Hinweis darauf, dass der Wettbewerb im Massenmarkt für E-Autos härter geworden ist.
Bewertungsgräben bei Analysten
An der Börse prallen derzeit zwei Welten aufeinander. Auf der einen Seite stehen Skeptiker, die die aktuelle Bewertung für kaum haltbar halten. Auf der anderen Seite Optimisten, die Tesla vor allem als zukünftigen Player in den Bereichen KI, autonomes Fahren und Energie sehen.
Auf der vorsichtigen Seite bleibt etwa HSBC-Analyst Michael Tyndall mit einem „Reduce“-Votum und einem Kursziel von 131 US-Dollar. Ausgehend vom jüngsten Schlusskurs von 438,07 US-Dollar am Freitag würde das einem Rückschlagpotenzial von rund 70 % entsprechen. Der frühere Hedgefonds-Manager George Noble geht noch weiter und beziffert den „fairen Wert“ auf lediglich 80 US-Dollar – nach seiner Rechnung wäre der Titel damit etwa fünffach überbewertet.
Demgegenüber stehen die Bullen, die die kurzfristigen Autoverkäufe zur Nebensache erklären. Dan Ives von Wedbush hält an einem „Outperform“-Rating und einem Kursziel von 600 US-Dollar fest. Er spricht trotz der schwachen Auslieferungszahlen von Ergebnissen „besser als befürchtet“ und argumentiert, die Bewertung müsse sich zunehmend an Teslas KI- und Energiesparte orientieren statt an klassischen Auto-Kennziffern. Auf dieser Basis hält er eine Marktkapitalisierung von 2 Billionen US-Dollar innerhalb der nächsten zwölf Monate für möglich, getragen vor allem von der Story rund um autonomes Fahren.
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Im Schnitt bleibt das Analystenbild deutlich zurückhaltender. Das Konsensrating von 26 Analysten liegt bei „Halten“, das durchschnittliche Kursziel bei rund 385,50 US-Dollar. Damit notiert die Aktie über dem Mittelwert der Expertenprognosen – ein Premium, das Tesla aktuell verteidigen muss.
Politikfaktor Musk–Trump
Neben den Zahlen spielt auch Politik heute eine Rolle in der Kursdiskussion. Am Wochenende veröffentlichte Elon Musk ein Foto von einem Abendessen mit US-Präsident Donald Trump in Mar-a-Lago. Der öffentliche Auftritt deutet auf eine Annäherung hin, nachdem im Juni 2025 von einem Zerwürfnis berichtet worden war.
Für Tesla ist dieses Verhältnis mehr als nur Randnotiz. Eine konstruktive Beziehung zur US-Regierung könnte entscheidend sein, wenn es um regulatorische Hürden bei autonomer Fahrsoftware geht – etwa Zulassungen und Sicherheitsanforderungen – sowie um mögliche zukünftige Förderprogramme oder steuerliche Anreize für Elektromobilität und Energiespeicher.
Energiesparte gewinnt an Gewicht
Während das Autogeschäft schwächelt, wächst die Energiesparte deutlich und wird zunehmend als Stabilisator gesehen. Im vierten Quartal 2025 setzte Tesla 14,2 GWh an Energiespeichern ab – ein Rekordwert und ein Plus von 29 % gegenüber dem Vorjahr.
Bereits im dritten Quartal 2025 hatten sich die Verschiebungen in der Konzernstruktur gezeigt: Die Erlöse aus dem Energiesegment legten um 44 % zu, während der Auto-Bereich nur um 6 % wuchs. Diese Dynamik nährt die Sichtweise der optimistischen Lager, die Tesla weniger als reinen Autobauer und stärker als Energie- und Technologieunternehmen einordnen.
Technisches Bild und Ausblick
Trotz der jüngsten Enttäuschungen notiert die Aktie deutlich über ihren mittelfristigen Durchschnitten. Der Schlusskurs von 438,07 US-Dollar liegt gut 11 % über dem 50-Tage-Durchschnitt und rund 35 % über der 200-Tage-Linie. Gleichzeitig beträgt der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 485,56 US-Dollar etwa 10 %. Der 14-Tage-RSI von 73,7 signalisiert kurzfristig einen überkauften Zustand, was die Nervosität bei schwächer werdenden Fundamentaldaten verstärkt.
Entscheidend wird nun der Q4-Earnings-Call am 28. Januar 2026. Dann muss Tesla nicht nur erklären, wie sich die Margen im Umfeld sinkender Auslieferungen entwickeln, sondern auch konkreter aufzeigen, welchen Beitrag die Energiesparte und Projekte wie das „Cybercab“-Robotaxi mittelfristig zum Gewinn leisten sollen. Genau an dieser Schnittstelle zwischen schrumpfendem Autovolumen und wachsender Zukunfts-Story dürfte sich entscheiden, ob die aktuelle Bewertung zu halten ist.
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