Stadler Rail Aktie: Neutral betrachtet
Es ist ein Wirtschaftskrimi mit Milliarden-Einsatz im eigenen Heimatmarkt, und die Nerven liegen blank. Der Schweizer Zughersteller Stadler Rail akzeptiert die schmerzhafte Niederlage gegen den Erzrivalen Siemens nicht und zieht vor das Bundesverwaltungsgericht. Es geht um den prestigeträchtigen SBB-Auftrag und die Zukunft der Auftragsbücher. Handelt es sich hier um die berechtigte Gegenwehr eines Platzhirsches oder das letzte Aufbäumen eines schlechten Verlierers?
Papier-Zug gegen Platzhirsch
Der juristische Schritt erfolgt buchstäblich in letzter Minute. Stadler-Chef Peter Spuhler und sein Team greifen die Vergabepraxis der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) frontal an. Der Vorwurf wiegt schwer: Bei den reinen Investitionskosten für die 116 Doppelstockzüge habe das eigene Angebot nur 0,6 Prozent über dem von Siemens gelegen.
Doch die Kritik geht tiefer. Stadler bezeichnet die Bewertung der Nachhaltigkeit als "unverständlich". Während man selbst mit einer lokalen Wertschöpfung von 80 Prozent in der Schweiz punkten wollte, erhielt Siemens hier deutlich bessere Noten. Zudem führt Stadler ins Feld, dass ihr Modell "KISS" bereits 153-mal zuverlässig im SBB-Netz verkehrt. Das Konkurrenzprodukt von Siemens hingegen sei ein neu entwickeltes "Papier-Fahrzeug" ohne Praxisnachweis.
Harte Fakten statt Emotionen
Die SBB halten mit kühler Ökonomie dagegen. Der entscheidende Faktor sei nicht der Kaufpreis, sondern die Gesamtkosten über die Lebensdauer von 25 Jahren. Hier soll Siemens durch geringeren Energieverbrauch und niedrigere Wartungskosten einen Vorteil im dreistelligen Millionenbereich bieten. Siemens versucht zudem, den Vorwurf fehlender lokaler Bindung zu entkräften, und kündigte Investitionen von 110 Millionen Franken am Standort Wallisellen an.
Für Anleger ist die Gemengelage komplex. Hier sind die entscheidenden Eckpunkte des Konflikts:
- Gigantisches Volumen: Es geht um fixierte 2,1 Milliarden CHF, mit Optionen sogar bis zu 3,6 Milliarden CHF.
- Zeitdruck: Die Auslieferung war für 2031 geplant; der Rechtsstreit droht diesen Zeitplan zu sprengen.
- Technisches Risiko: Stadler setzt auf Bewährtes, die SBB auf das Potenzial neuerer Technologie.
- Heimvorteil: Der Verlust dieses Auftrags im Heimatmarkt ist für Stadler auch ein immenser Imageschaden.
Wette auf das Gerichtsurteil?
Der Markt reagiert auf diesen aggressiven Kurs des Managements vorerst mit vorsichtiger Zustimmung. Offenbar honorieren Investoren, dass sich das Unternehmen nicht kampflos geschlagen gibt. Die Aktie konnte sich zum Wochenausklang behaupten und notierte am Freitag bei einem Schlusskurs von 21,64 Euro, was einem leichten Plus von 0,74 % entspricht.
Dennoch bleibt die Skepsis greifbar. Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von rund 24,66 Euro beträgt immer noch über 12 Prozent. Der Titel kämpft derzeit darum, den 50-Tage-Durchschnitt von 21,17 Euro nachhaltig hinter sich zu lassen, um technisch wieder in sichereres Fahrwasser zu gelangen.
Fest steht: Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht wird zur Geduldsprobe. Solange keine Entscheidung fällt, schwebt der Milliardenauftrag im Ungewissen. Anleger müssen nun abwägen, ob die technischen Argumente von Stadler stark genug sind, um die ökonomischen Berechnungen der SBB juristisch auszuhebeln.
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