Siemens Energy drückt aufs Tempo: Der Energietechnikkonzern kauft Aktien im Wert von bis zu 2 Milliarden Euro zurück und steigt gleichzeitig in den Stoxx Europe 50 auf. Basis der Doppeloffensive sind Rekordaufträge und ein kräftig gestiegener Gewinn. Doch ein Problemkind bleibt.

Rückkaufprogramm läuft bis September

Seit dem 4. März läuft das Aktienrückkaufprogramm. Bis Ende September kann Siemens Energy bis zu 2 Milliarden Euro oder maximal 70 Millionen Aktien zurückkaufen. Das Unternehmen plant, bis Ende des Geschäftsjahres 2028 insgesamt 6 Milliarden Euro für Rückkäufe und Dividenden aufzuwenden. Nach Jahren der Krise setzt das Management damit auf eine aktionärsorientierte Kapitalallokation.

Parallel ersetzt Siemens Energy den Spirituosenhersteller Diageo im Stoxx Europe 50. Die Marktkapitalisierung ist auf rund 132 Milliarden Euro gestiegen. Passive Indexfonds müssen nun umschichten – ein zusätzlicher Käuferkreis wird aktiviert.

Rekordquartal stützt Maßnahmen

Die Kapitaloffensive steht auf solidem Fundament. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026 erreichten die Auftragseingänge 17,6 Milliarden Euro – ein Plus von rund 33 Prozent. Das Unternehmen verbuchte 102 Gasturbinen, das stärkste Quartalsergebnis seiner Geschichte. Der Auftragsbestand kletterte auf ein Allzeithoch von 146 Milliarden Euro.

Der Umsatz wuchs vergleichbar um 12,8 Prozent auf 9,7 Milliarden Euro. Besonders stark entwickelte sich das Segment Grid Technologies mit einem Zuwachs von 26,9 Prozent. Der bereinigte Gewinn sprang von 481 Millionen auf 1,159 Milliarden Euro.

Getrieben wird das Wachstum vom Boom der KI-Rechenzentren. Siemens Energy verkaufte 194 große Gasturbinen – fast doppelt so viele wie im Vorjahr. Die Umsätze mit Hyperscalern im Netzgeschäft haben sich auf über 2 Milliarden Euro mehr als verdoppelt. Um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden, investiert der Konzern rund 1 Milliarde US-Dollar in US-Fertigungskapazitäten für Netzinfrastruktur und Gasturbinen.

Dividende kehrt zurück

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Erstmals seit 2022 erhalten Aktionäre wieder eine Dividende: 0,70 Euro je Aktie wurden mit 99,99 Prozent Zustimmung beschlossen. Möglich wurde dies durch die vorzeitige Rückzahlung der deutschen Staatsgarantie.

Gamesa: Fortschritt mit Fragezeichen

Die Windkraft-Tochter Siemens Gamesa bleibt Diskussionsthema. Während der US-Aktivist Ananym eine Trennung fordert, stärken institutionelle Investoren wie DWS und Union Investment dem Management den Rücken. Operativ zeigt sich Fortschritt: Nach einem Verlust von 1,36 Milliarden Euro im Gesamtjahr schrumpfte das Minus im ersten Quartal 2026 auf 46 Millionen Euro. Das Ziel, im laufenden Geschäftsjahr die Gewinnschwelle zu erreichen, rückt näher. Bis 2028 strebt das Management eine Marge von 3 bis 5 Prozent an, langfristig soll eine zweistellige operative Marge erreicht werden.

Ambitionierte Ziele bis 2028

Für das laufende Geschäftsjahr peilt Siemens Energy ein Umsatzwachstum von 11 bis 13 Prozent an. Die Gewinnmarge vor Sonderposten soll auf 9 bis 11 Prozent steigen, der Nettogewinn auf 3 bis 4 Milliarden Euro. Der Free Cashflow vor Steuern wird bei 4 bis 5 Milliarden Euro erwartet. Bis 2028 hat das Management sein Margenziel deutlich angehoben: Statt 10 bis 12 Prozent werden nun 14 bis 16 Prozent angepeilt.

Für 2026 sind Investitionen von rund 3,5 Milliarden Euro in Standorte sowie Forschung und Entwicklung geplant. Im Geschäftsjahr 2025 öffnete das Unternehmen sieben neue Fabriken und schuf 4.000 Arbeitsplätze.

Am 12. Mai 2026 folgen die nächsten Quartalszahlen. Dann wird sich zeigen, ob die Erholung bei Gamesa nachhaltig trägt und die KI-getriebene Nachfrage aus dem Rechenzentrumsgeschäft anhält.

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