Liebe Leserinnen und Leser,

29 Prozent Kursverlust in wenigen Wochen – und heute kam der nächste Schlag. JPMorgan hat SAP von „Overweight" auf „Neutral" herabgestuft und das Kursziel von 260 auf 175 Euro mehr als halbiert. Das ist kein kleines Fragezeichen hinter einem Wachstumstitel. Das ist ein Vertrauensentzug durch eine der einflussreichsten Banken der Welt. Gleichzeitig klettert Bitcoin auf über 70.000 Dollar – ausgerechnet an einem Tag, an dem Aktien und Gold unter Druck stehen. Was diese Divergenz über den Zustand der Märkte verrät, schauen wir uns heute genau an. Außerdem: Warum Rüstungstitel trotz MARTE-Meilenstein nachgeben, was BioNTechs Lungenkrebsdaten bedeuten – und wie der Iran-Krieg den DAX weiter lähmt.

SAP: Wenn der Liebling fällt

Es gibt Abstufungen, die man erwartet. Und dann gibt es diese hier. JPMorgan-Analyst Toby Ogg hat SAP heute aus seiner Empfehlungsliste gestrichen und das Kursziel von 260 auf 175 Euro gekappt – ein Schnitt von fast einem Drittel. Die Aktie reagierte prompt und fiel auf den tiefsten Stand seit Januar 2024. Rund 4 Prozent Minus, schwächster Wert im gesamten DAX.

Die Begründung ist dabei aufschlussreicher als die Zahl selbst. Ogg sieht das Wachstum der vertraglich zugesicherten Cloud-Erlöse (Current Cloud Backlog) verlangsamen – und in einem Markt, der Beschleunigung einpreist, ist Verlangsamung Gift. Hinzu kommt: SAP scheint sich Richtung verbrauchsbasierter Abrechnung zu bewegen, was Umsätze unberechenbarer macht. Und der Wettbewerb im KI-Agenten-Bereich wird schärfer – Anthropic etwa hat seinen annualisierten Umsatz von 9 Milliarden Dollar im Dezember auf 19 Milliarden Dollar im März katapultiert. Das zieht Investitionskapital an, das sonst zu SAP fließen würde.

Kepler Cheuvreux und Jefferies haben ihre Kursziele ebenfalls gesenkt – auf 190 beziehungsweise 230 Euro – halten aber an ihren Kaufempfehlungen fest. Hier lohnt ein genauer Blick auf die Zahlen: Wer hat recht? Der, der sagt, die Wachstumsstory ist vorbei – oder die, die nach dem Kursrutsch ein Chancenübergewicht sehen? Die Antwort wird maßgeblich davon abhängen, wie schnell SAP seinen Transformationskurs glaubwürdig kommunizieren kann.

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Bitcoin gegen den Trend – eine echte Entkopplung?

Während SAP fällt, Gold auf Zehntages-Tief rutscht und der DAX unter die 22.500-Punkte-Marke abtaucht, schlägt Bitcoin eine andere Richtung ein. Rund 4 Prozent Plus, Kurs zeitweise bei knapp 71.000 Dollar – fest verankert über der psychologisch wichtigen Marke von 70.000 Dollar.

Das ist bemerkenswert. Gold, das klassische Krisenmetall, verliert seit zehn Handelstagen in Folge. Der Grund: steigende Energiepreise heizen die Inflationserwartungen an, die Fed dürfte die Zinsen länger hochhalten – und das drückt auf den nicht-zinsbringenden Goldpreis. Bitcoin dagegen hält seine Range. Ethereum legt sogar über 5 Prozent zu, Solana klettert fast 7 Prozent.

Ob das eine echte Reifung des Krypto-Markts signalisiert oder schlicht eine verzögerte Reaktion auf den nächsten Belastungsschub ist, bleibt offen. Institutionelle Akteure scheinen ihre Positionen jedenfalls zu halten oder leicht auszubauen – das Handelsvolumen deutet darauf hin. Für Anleger mit Krypto-Exposure ist das ein Moment zum Durchatmen, aber kein Signal zur Entwarnung.

Der DAX im Iran-Dilemma

Der Taktgeber für die Märkte bleibt der Ölpreis – und damit der Iran-Krieg. Brent kostet heute wieder über 104 Dollar pro Barrel. Gestern hatte ein Trump-Post auf Truth Social kurzzeitig Hoffnung auf ein Abkommen geweckt, der DAX schoss innerhalb von Minuten um mehr als 1.200 Punkte nach oben. Heute ist von dieser Euphorie wenig übrig.

Chevron-Chef Mike Wirth brachte es auf der CERAWeek-Konferenz in Houston auf den Punkt: Die Terminmärkte unterschätzen die physische Realität. Rund 20 Prozent des weltweiten Ölangebots passierten die Straße von Hormus – ein Großteil davon ist derzeit vom Markt abgeschnitten. Beschädigte Infrastruktur lässt sich nicht per Knopfdruck reaktivieren. Die Unterversorgung könnte laut internen Einschätzungen von ExxonMobil und Shell bis weit ins zweite Halbjahr 2026 anhalten.

Für deutsche Anleger bedeutet das: Der DAX bleibt ein Spielball widersprüchlicher Meldungen. Das Allzeithoch vom Januar bei 25.507 Punkten rückt immer weiter in die Ferne. Wer auf eine schnelle Normalisierung setzt, wettet gegen die physische Realität des Ölmarkts.

Rüstung: Meilenstein, aber kein Kursimpuls

Rheinmetall hat beim europäischen Panzer-Projekt MARTE die erste Projektphase erfolgreich abgeschlossen. Elf Nationen, darunter Deutschland, Italien, Spanien und Schweden, haben ihre militärischen Anforderungen harmonisiert – ein echter Fortschritt für die strategische Autonomie Europas. Das Joint Venture aus KNDS Deutschland und Rheinmetall Landsysteme führt das Vorhaben an, finanziert durch den Europäischen Verteidigungsfonds.

An der Börse kam das Signal dennoch nicht gut an. Rheinmetall verlor zeitweise über 1 Prozent, HENSOLDT sogar über 3 Prozent, RENK und TKMS gaben ebenfalls nach. Das klingt paradox – ist es aber nicht. Der Markt hat die langfristige Rüstungsstory längst eingepreist. Kurzfristig dominiert die Risikoaversion durch den Iran-Krieg. Wer in europäische Rüstungstitel investiert ist, braucht einen langen Atem – die Pipeline ist voll, aber der Weg bis zur Umsatzwirksamkeit von Projekten wie MARTE ist noch weit.

BioNTech zeigt Lungenkrebsdaten – und das ist mehr als eine Pressemitteilung

Ab morgen präsentiert BioNTech auf dem Europäischen Lungenkrebs-Kongress (ELCC) in Kopenhagen eine Reihe klinischer Daten, die für Anleger durchaus relevant sind. Der Fokus liegt auf zwei spätklinischen Kandidaten: Pumitamig, ein bispezifischer Antikörper gegen PD-L1 und VEGF-A, entwickelt gemeinsam mit Bristol Myers Squibb – und Gotistobart, ein CTLA-4-Antikörper in Kooperation mit OncoC4.

Besonders die Gotistobart-Daten aus der Phase-3-Studie PRESERVE-003 stechen heraus: In der Dosisfindungsphase zeigte der Kandidat eine Reduktion des Sterberisikos um 54 Prozent im Vergleich zum Behandlungsstandard bei Plattenepithelkarzinom der Lunge. Das ist klinisch relevant. Der zulassungsrelevante Teil der Studie läuft. Für BioNTech, das nach dem Ende der COVID-Einnahmen dringend neue Umsatztreiber braucht, sind solche Daten kein Randthema – sie sind die eigentliche Wachstumsstory.

SK Hynix kauft für fast 7 Milliarden Euro bei ASML ein

Ein Auftrag, der zeigt, wohin die KI-Welt investiert: SK Hynix bestellt EUV-Lithographieanlagen von ASML im Wert von 6,9 Milliarden Euro. Die Lieferung soll bis Ende 2027 abgeschlossen sein. Ziel ist es, die führende Position als HBM-Speicher-Lieferant für Nvidia zu verteidigen – gegen einen Samsung-Konzern, der im Februar ankündigte, als erstes Unternehmen HBM4-Chips in Serie zu fertigen.

Für ASML-Aktionäre ist das eine Bestätigung: Der niederländische Lithographie-Spezialist bleibt unverzichtbar für den KI-Chip-Boom. Die ASML-Aktie reagierte heute kaum – was bei einem Kurs von über 1.175 Euro pro Aktie und einem Orderbuch dieser Größenordnung eher Ruhe als Desinteresse signalisiert.

Ausblick: Was die nächsten Tage bringen

Drei Termine sollten Anleger im Blick behalten. Die ELCC-Kongress-Präsentationen von BioNTech laufen bis zum 28. März – jede neue Datenpräsentation kann die Aktie bewegen. Der Iran-Krieg bleibt das Überthema: Trump hat ein Telefonat mit Teheran für kommenden Montag angekündigt, Iran hat bisher nicht bestätigt. Und beim DAX gilt: Solange Brent über 100 Dollar notiert, bleibt der Erholungsspielraum begrenzt.

Das eigentlich Lehrreiche an diesem Dienstag ist die Divergenz. SAP fällt trotz solider Fundamentaldaten. Bitcoin steigt trotz Risikoaversion. Gold verliert trotz Geopolitik. Die alten Faustregeln – sichere Häfen schützen, Wachstumstitel steigen, Krypto ist riskant – gelten gerade nicht. Wer das versteht, ist besser aufgestellt als wer auf Autopilot setzt.

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Bis zur nächsten Ausgabe,

Andreas Sommer