RTL stellt sein Geschäftsmodell neu auf – und das gleich an zwei Fronten. Während das Konzernprogramm „Shift 2026“ mit harten Sparmaßnahmen und Stellenstreichungen für Unruhe sorgt, baut die Produktionssparte Fremantle ihr Management für werbefinanzierte Inhalte aus. Die zentrale Frage für den Markt lautet dabei: Reicht die strategische Neuausrichtung, um die Abhängigkeit vom klassischen TV-Werbegeschäft spürbar zu verringern?

Fremantle setzt auf Branded Entertainment

Zum 22. Januar 2026 hat die RTL-Tochter Fremantle ihr Führungsteam erweitert. Neu an Bord ist Lydia Goomansingh als Senior Vice President Commercial, Global Branded Entertainment. Sie kommt von Paramount, wo sie als Senior Director Commercial Content tätig war.

Die Personalie ist nicht nur ein interner Managementschritt, sondern hat klare strategische Stoßrichtung:

  • Fokus auf Branded Entertainment: Der neu geschaffene Posten zielt darauf ab, Werbebotschaften direkt in Formate und Inhalte zu integrieren. Damit soll die Abhängigkeit von klassischen Werbeblöcken verringert werden.
  • Globale Verantwortung: Goomansingh soll Markenkooperationen über das gesamte Fremantle-Portfolio hinweg ausbauen – von Show-Formaten über fiktionale Inhalte bis hin zu digitalen Produktionen.
  • Kommerzielle Steuerung: Sie berichtet direkt an Roberta Zamboni, Global Head of Branded Content. Das signalisiert, dass RTL Inhalte stärker über direkte Markenpartnerschaften und Agenturen monetarisieren will.

Für Investoren ist das ein Hinweis, dass der Konzern seine Erlösbasis breiter aufstellen will. Ziel ist es, den Einfluss des schwankungsanfälligen klassischen TV-Werbemarkts zu reduzieren und stabilere, formatnahe Einnahmequellen zu erschließen.

„Shift 2026“ drückt auf die Stimmung

Während Fremantle an neuen Umsatzquellen arbeitet, prägt das Kostensenkungsprogramm „Shift 2026“ derzeit die Wahrnehmung der Aktie. Der Mitte Januar vorgestellte Umbau fällt deutlich aus und sorgt kurzfristig für Unsicherheit.

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Kernpunkte des Programms:

  • 600 Stellen fallen weg: In Deutschland sollen rund 600 Vollzeitstellen gestrichen werden.
  • Schwerpunkt Nachrichtenbereich: Besonders betroffen ist RTL News, wo etwa 230 Jobs im redaktionellen und newsroom-nahen Bereich wegfallen sollen.
  • Verschiebung Richtung Streaming: Der Konzern will Strukturen vereinfachen und Kosten senken, um mehr Ressourcen in die Streaming-Plattform RTL+ zu lenken.

Am Markt wird vor allem das Spannungsfeld zwischen Einsparungen und inhaltlicher Schlagkraft diskutiert. Tiefe Einschnitte in der Nachrichten- und Content-Produktion bergen operative Risiken. Diese Bedenken spiegeln sich auch darin wider, dass die Aktie zuletzt Mühe hat, nachhaltig oberhalb von 37 Euro Tritt zu fassen.

Kursbild und Analystensicht

Charttechnisch bewegt sich die RTL-Aktie in einer Konsolidierungsphase. Der aktuelle Kurs von 36,70 Euro liegt spürbar unter dem 52‑Wochen-Hoch von 41,00 Euro, bleibt aber klar über dem Tief der vergangenen zwölf Monate.

Auffällig sind zwei Punkte:

  • Hohes Schwankungsniveau: Die 30-Tage-Volatilität liegt annualisiert bei über 80 %, der RSI von 14,5 signalisiert kurzfristig eine überverkaufte Marktlage.
  • Verhaltene Analysten: Der Konsens liegt überwiegend im Bereich „Neutral“ bzw. „Hold“. Bernstein Research hat zuletzt ein „Market-Perform“-Rating mit einem Kursziel von 30 Euro bestätigt und sieht die Aktie damit auf aktuellem Niveau eher ambitioniert bewertet.

Als zentrale Risiken werden von Analystenseite der strukturelle Rückgang des linearen TV-Werbemarkts in Deutschland und die noch nicht belegte Ertragskraft der neuen Strategie genannt. „Shift 2026“ soll genau diese Entwicklung abfedern, der belastbare Nachweis dafür steht jedoch noch aus.

Fazit: Zwischen Spardruck und Wachstumsideen

Unterm Strich zeigt sich ein gespaltenes Bild: Auf der einen Seite versucht RTL mit der Stärkung von Fremantle und dem Ausbau von Branded Entertainment neue, wachstumsfähige Erlösströme zu etablieren. Auf der anderen Seite sorgt der harte Sparkurs mit 600 Stellenstreichungen und Eingriffen in das Nachrichtengeschäft für operative Fragezeichen und drückt kurzfristig auf die Stimmung.

In den kommenden Quartalen wird entscheidend sein, in welchem Umfang Fremantle mit globalen Markenpartnerschaften zusätzliche Umsätze generieren kann und ob „Shift 2026“ tatsächlich zu einer nachhaltig höheren Profitabilität führt, ohne die inhaltliche Substanz zu stark zu schwächen.

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