Redcare Pharmacy Aktie: Warnsignal erkannt?
Redcare Pharmacy steht an mehreren Fronten gleichzeitig unter Beobachtung. Neue Konkurrenz im Online-Apothekenmarkt, eine laufende Entschuldung und gemischte Signale aus dem Kerngeschäft setzen die Aktie sichtbar unter Druck. Während der Umsatz weiter wächst, rückt für Anleger eine andere Kennzahl in den Mittelpunkt: die Profitabilität.
Rossmann drückt in den Markt
Der wichtigste Belastungsfaktor der letzten Tage ist der bestätigte Einstieg des Drogisten Rossmann in den Online-Apothekenmarkt. Das Handelsunternehmen plant eine eigene digitale Apotheke und folgt damit Wettbewerbern wie dm. Für Redcare geht es dabei vor allem um Anteile im noch jungen, aber strategisch entscheidenden E-Rezept-Markt in Deutschland.
Mit Rossmann drängt ein Player mit hoher Markenbekanntheit und einem dichten Filialnetz in ein Feld, das Redcare bisher stark geprägt hat. Marktbeobachter sehen darin einen typischen „Hybrid-Konkurrenten“: starke Offline-Präsenz kombiniert mit einem neuen Online-Angebot. Die Sorge: Steigende Marketing- und Kundenakquisekosten könnten die ohnehin angespannte Margensituation weiter verschlechtern – genau zu dem Zeitpunkt, an dem Redcare in Richtung nachhaltiger Profitabilität steuern will.
Der Kurs spiegelt diese Nervosität wider: Die Aktie hat in den vergangenen zwölf Monaten rund die Hälfte ihres Wertes verloren, liegt inzwischen mehr als 57 % unter dem 52-Wochen-Hoch und notiert aktuell am frischen Jahrestief bei 59,30 Euro.
Bilanz entlasten: Wandelanleihe wird abgeräumt
Parallel dazu läuft eine wichtige finanzielle Weichenstellung. Redcare arbeitet an der Bereinigung seiner Kapitalstruktur und steht kurz vor der vollständigen Rückzahlung einer Wandelanleihe. Laut jüngsten Berichten verfügt das Unternehmen derzeit über liquide Mittel von rund 265,6 Mio. Euro.
Die wesentlichen Punkte der laufenden Restrukturierung:
- Liquide Mittel: ca. 265,6 Mio. Euro
- Restzahlung Wandelanleihe: rund 64,5 Mio. Euro
- Zielhorizont: Finanzielle Planungssicherheit für 3–4 Jahre
Mit der Tilgung der Altanleihe soll die Bilanz klarer und die Zinslast überschaubarer werden. Genau das dürfte mittelfristig helfen, falls der Wettbewerb im E-Rezept- und Non-Rx-Markt noch intensiver wird. An der Börse reicht dieser Schritt allein aber nicht für eine Trendwende: Der Kurs liegt deutlich unter allen wichtigen gleitenden Durchschnitten, inklusive der 200-Tage-Linie, und die Aktie hat zuletzt ihr 52-Wochen-Tief markiert.
Die Skepsis bleibt, weil die zentrale Frage nicht nur lautet, ob Redcare finanziell durchhält, sondern ob das Geschäftsmodell nach der Entschuldung verlässlich freien Cashflow liefern kann.
Umsatz wächst – aber die falschen Segmente schwächeln
Operativ zeigt Redcare auf den ersten Blick ansprechende Zuwächse. Für das Geschäftsjahr 2025 meldete das Unternehmen vorläufige Umsätze von etwa 2,94 Mrd. Euro nach 2,4 Mrd. Euro im Vorjahr – ein deutliches Plus.
Besonders im vierten Quartal 2025 legten die Zahlen in wichtigen Bereichen zu:
- Konzernumsatz Q4: 794 Mio. Euro
- Starkes Wachstum im deutschen Rx-Geschäft, gestützt durch CardLink und E-Rezept-Lösungen
- Enttäuschung im margenstärkeren Non-Rx-Bereich, der die Markterwartungen verfehlte
Genau diese Mischung sorgt für Zurückhaltung. Der Rx-Bereich wächst dynamisch, ist aber traditionell margenärmer. Im Non-Rx-Segment, in dem sich eigentlich der Ertrag verdienen lässt, blieb Redcare hinter den Konsensschätzungen zurück. In Kombination mit dem verschärften Wettbewerb durch Rossmann und andere Händler ist nachvollziehbar, warum Umsatzwachstum allein den Kurs nicht stabilisieren kann.
Der massive Rückgang des Aktienkurses in den vergangenen zwölf Monaten macht klar: Der Markt bewertet Redcare inzwischen primär nach seiner Fähigkeit, Margen und Gewinne zu steigern – nicht nach der reinen Höhe der Erlöse.
Analysten sehen deutlich mehr Potenzial als der Markt
Einen interessanten Kontrast zum gedrückten Kursverlauf liefern die aktuellen Analystenempfehlungen. Während die Aktie bei 59,30 Euro notiert und damit spürbar unter Druck steht, liegen die Kursziele großer Häuser weiter deutlich höher.
Zuletzt meldeten sich unter anderem:
- Deutsche Bank: „Buy“ mit Kursziel 200 Euro (8. Januar)
- Barclays: „Buy“ mit Kursziel 110 Euro (15. Januar)
Die Diskrepanz ist erheblich: Zwischen dem aktuellen Kursniveau und der Spanne der Kursziele klafft eine Lücke von mehreren Dutzend Prozentpunkten. Die Analysten werten den Ausverkauf offenbar als Übertreibung, getrieben von Unsicherheit und Wettbewerbsängsten, nicht von fundamentalem Kollaps.
Gleichzeitig ist der technische Trend klar negativ: Die Aktie handelt mehr als 30 % unter ihrer 200-Tage-Linie, was den bestehenden Abwärtstrend bestätigt und das Lager der Skeptiker stützt. Die gegensätzlichen Signale – optimistische Kursziele auf der einen Seite, ein deutlich angeschlagener Chart auf der anderen – stehen sinnbildlich für die aktuelle Unsicherheit rund um die mittelfristige Margenentwicklung.
Entscheidende Monate voraus
In der Summe steht Redcare vor einem Balanceakt: Die Bilanz wird durch die Rückzahlung der Wandelanleihe aufgehellt, der Umsatz wächst weiter, aber der Einstieg mächtiger stationärer Händler und die Schwäche im margenstarken Non-Rx-Segment setzen das Geschäftsmodell unter Zugzwang. Kurzfristig dürfte es vor allem darauf ankommen, ob Redcare im laufenden Jahr nachweisen kann, dass das E-Rezept-Geschäft profitabel skaliert und der Non-Rx-Bereich wieder näher an die Erwartungen heranrückt.
Ein wichtiger Prüfstein dafür werden die testierten Zahlen und Detailangaben zu den Margen sein, die im März erwartet werden. Auf Basis dieser Daten lässt sich dann deutlich besser beurteilen, ob die aktuelle Bewertung mehr von Angst oder von realen Ertragsperspektiven geprägt ist.
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