Redcare Aktie: Schulden im Griff
Redcare Pharmacy schließt eine wichtige Baustelle in der Bilanz und kauft sich damit Handlungsspielraum für die nächsten Jahre. Nach der kompletten Rückzahlung einer wandelbaren Anleihe rückt die Frage in den Vordergrund, ob die starke Umsatzentwicklung endlich auch in nachhaltige Gewinne münden kann.
Aktie erholt sich von Tiefstständen
Nach mehreren Verlusttagen in Folge hat sich die MDAX-Aktie heute spürbar gefangen. In der Spitze war der Kurs gestern nahe an sein 52‑Wochen-Tief gerutscht, bevor eine deutliche Gegenbewegung einsetzte. Auffällig: Das Handelsvolumen am 21. Januar lag mit 250.310 Papieren mehr als dreimal so hoch wie der Durchschnitt von rund 78.000 Stück – ein klarer Hinweis darauf, dass der Anleiherückkauf viele Marktteilnehmer aktiviert hat.
Auf Wochensicht liegt die Aktie zwar noch im Minus, doch nach dem jüngsten Rückgang um fast 7 % innerhalb von sieben Tagen wirkt die heutige Erholung wie eine erste technische Entlastung. Im größeren Bild bleibt der Titel aber angeschlagen: Über die letzten zwölf Monate hat der Kurs rund die Hälfte an Wert verloren und notiert deutlich unter dem 200‑Tage-Durchschnitt – ein Ausdruck anhaltender Skepsis im Markt.
Schuldenumbau abgeschlossen
Auslöser für die Bewegung ist die Meldung, dass Redcare am 21. Januar eine entscheidende Tranche seiner Wandelanleihe zurückgezahlt hat. Konkret ging es um 64,5 Millionen Euro, die aus einer 2021 begebenen, bis 2028 laufenden Anleihe stammten. Anleihegläubiger hatten von ihrem Rückgaberecht („Put-Option“) Gebrauch gemacht, wie bereits am 19. Dezember 2025 angekündigt.
Damit ist eine umfangreiche Restrukturierung der Fremdfinanzierung weitgehend abgeschlossen:
- April 2025: Rückkauf von 157,9 Mio. € der ursprünglichen 225‑Mio.‑€‑Wandelanleihe
- April 2025: Ausgabe einer neuen 300‑Mio.‑€‑Wandelanleihe mit Laufzeit bis 2032 und 1,75 % Kupon
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- Januar 2026: Schlusszahlung von 64,5 Mio. € auf die alte Anleihe
- Restbestand: Nur noch 2,6 Mio. € der alten Anleihe ausstehend
Finanziell ging Redcare gut gerüstet in diese finale Zahlung: Zum 30. September 2025 lagen die liquiden Mittel bei 265,6 Mio. €, nach 177,6 Mio. € Ende 2024. Unterm Strich steht damit eine deutlich gestreckte Fälligkeitenstruktur mit niedrigem Kupon – ein Pluspunkt für die Planbarkeit der kommenden Jahre.
Analysten uneins trotz Kursschwäche
Trotz des gedrückten Kursniveaus fallen die Einschätzungen der Analysten sehr unterschiedlich aus. Einige Häuser sehen die aktuelle Bewertung als Chance, andere bleiben vorsichtig.
Ausgewählte Einschätzungen:
- Deutsche Bank (9. Jan): „Buy“, Kursziel 200 €
- Jefferies (13. Jan): „Buy“, Kursziel 150 €
- Barclays (16. Jan): „Buy“, Kursziel 110 € (zuvor 130 €)
- UBS (7. Jan): „Neutral“, Kursziel 74 €
- Baader Bank (7. Jan): „Buy“, ohne konkretes Ziel
Der Durchschnitt der genannten Kursziele liegt bei rund 133,78 € und damit deutlich über dem aktuellen Kursniveau um die 61 €. Besonders Jefferies sticht hervor und zählt Redcare zu seinen bevorzugten europäischen Mid Caps für 2026. Die Spanne der Kursziele – von 74 bis 200 € – zeigt jedoch, wie weit die Vorstellungen über die mittelfristige Ertragskraft auseinandergehen.
Starkes Wachstum, aber Enttäuschung beim OTC-Geschäft
Operativ liefert Redcare beeindruckende Wachstumszahlen. Die vorläufigen 2025er-Daten, veröffentlicht am 7. Januar, zeigen:
- Jahresumsatz 2025: 2,9 Mrd. € (+24 % gegenüber Vorjahr)
- Q4-Umsatz: 794 Mio. € (+18 %)
- Rx-Umsatz Deutschland: 503 Mio. € (+98 %)
- Aktive Kunden: 13,9 Mio. (+1,4 Mio.)
Vor allem das verschreibungspflichtige Geschäft in Deutschland legt mit nahezu verdoppelten Rx-Umsätzen kräftig zu – getrieben vom weiteren Rollout des E‑Rezepts. Gleichzeitig wächst die Kundenbasis spürbar, was das Fundament für weiteres Volumen legt.
An der Börse kamen die Zahlen dennoch schlecht an: Am Tag der Veröffentlichung verlor die Aktie 6,43 %. Ausschlaggebend war der schwache Blick auf das nicht verschreibungspflichtige Geschäft: Die Non‑Rx-Umsätze wuchsen im vierten Quartal nur um 9 % und blieben damit hinter den Erwartungen zurück. Marktteilnehmer sehen hier wachsenden Wettbewerbsdruck, insbesondere seit dm im Dezember 2025 mit „dm‑med“ eine eigene Online-Apothekenmarke gestartet hat.
Die Kombination aus starkem Rx-Wachstum und gebremster Dynamik im margenstarken OTC‑Bereich erklärt, warum der Markt trotz hoher Umsatzzuwächse zurückhaltend bleibt. Entscheidend wird sein, ob Redcare im rezeptfreien Segment wieder an Tempo zulegen oder Margendruck abfedern kann.
Blick nach vorn: Fokus auf Profitabilität
Der nächste klare Termin steht bereits fest: Am 4. März 2026 veröffentlicht Redcare den vollständigen Geschäftsbericht 2025 inklusive Ausblick. Dann wird sich zeigen, ob die im dritten Quartal erreichte bereinigte EBITDA-Marge von 2,4 % gehalten oder ausgebaut werden konnte und wie sich der intensivere Wettbewerb im OTC‑Geschäft auf die Profitabilität auswirkt.
Mit der nun abgeschlossenen Schuldenrestrukturierung verlagert sich der Schwerpunkt weg von Bilanzfragen hin zur operativen Umsetzung der Strategie. Im Zentrum steht der Ausbau des höhermargigen Rezeptgeschäfts, das durch das E‑Rezept in Deutschland weiter Rückenwind erhält. Die aktuelle Bewertung – auf Basis des Kurs-Umsatz-Verhältnisses etwa im Bereich von 0,5 – macht deutlich, dass der Markt konkrete Belege dafür einfordert, dass das starke Wachstum mittelfristig in stabilere Margen und verlässliche Gewinne übersetzt werden kann.
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