Erstmals seit Jahren meldet Plug Power einen positiven Bruttogewinn im Quartal. SFC Energy verlagert den Schwerpunkt auf Verteidigung, während Nel ASA trotz Rekordaufträgen rote Zahlen schreibt. Die Wasserstoff-Branche zeigt im Frühjahr 2026 ein maximal uneinheitliches Bild — zwischen operativer Wende, strategischen Weichenstellungen und hartnäckiger Skepsis am Markt.

Plug Power: Bruttogewinn als Wendepunkt — oder Strohfeuer?

Der Führungswechsel bei Plug Power kam pünktlich zur operativen Wende. Seit Anfang März leitet Jose Luis Crespo als CEO das Unternehmen. Er kennt das Geschäft von innen: Unter seiner Verantwortung als Chief Revenue Officer wuchs der Umsatz von rund 27 Millionen auf über 700 Millionen US-Dollar.

Und die jüngsten Zahlen liefern tatsächlich Grund zur Hoffnung. Im vierten Quartal 2025 erzielte Plug Power einen Bruttogewinn von 5,5 Millionen US-Dollar bei einer Marge von 2,4 Prozent. Im Vorjahresquartal lag die Bruttomarge noch bei minus 122,5 Prozent — eine Trendwende, die sich sehen lassen kann. Der Jahresumsatz 2025 kletterte um knapp 13 Prozent auf rund 710 Millionen US-Dollar, wobei allein die GenEco-Elektrolyseure 187 Millionen beisteuerten.

Trotzdem bleibt die Skepsis berechtigt. Das Management peilt positives EBITDAS bis Ende 2026 an, operativen Gewinn erst 2027 und volle Profitabilität 2028. Solche Versprechen hat Plug Power schon häufiger abgegeben. Hinzu kommen Zölle auf chinesische Komponenten und europäische Elektrolyseure, die den Kostenapparat belasten. Analysten vergeben mehrheitlich ein Hold-Rating mit Kurszielen zwischen 2,25 und 2,89 US-Dollar — bei einer Spanne der Einzelschätzungen von 0,75 bis 7 Dollar. Die Aktie notiert aktuell bei 1,96 Euro und damit gut 200 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief, aber annualisierte Schwankungen von über 90 Prozent unterstreichen das Risikoprofil.

Nel ASA: Auftragsboom trifft auf Milliardenverlust

Nel ASAs Jahreszahlen für 2025 lesen sich wie ein Widerspruch in Tabellenform. Der Umsatz brach um 31 Prozent auf 963 Millionen NOK ein. Gleichzeitig explodierte der Auftragseingang um 364 Prozent auf 686 Millionen NOK — der zweithöchste Wert der Unternehmensgeschichte. Der Auftragsbestand stieg auf 1,3 Milliarden NOK, rund 70 Prozent davon entfallen auf PEM-Technologie.

Der Nettoverlust allerdings weitete sich dramatisch aus: 1,265 Milliarden NOK stehen in der Bilanz, nach 244 Millionen im Vorjahr. Haupttreiber waren Abschreibungen von 799 Millionen NOK — Altlasten aus dem bewussten Abschied von der ersten Technologiegeneration.

Auf der Partnerseite zeigt sich Dynamik. Samsung Engineering & Construction wählte Nel als globalen Wasserstoff-Partner. Der HYDS-Auftrag über einen 40-Megawatt-PEM-Elektrolyseur für zwei norwegische Standorte markiert den bislang größten PEM-Vertrag nach Kapazität. Strategisch treibt Nel die Industrialisierung der nächsten Alkaline-Generation am Standort Herøya voran. Die EU unterstützt das Projekt mit bis zu 135 Millionen Euro aus dem Innovationsfonds — das deckt rund 60 Prozent der förderfähigen Kosten. Marktstart: erstes Halbjahr 2026.

Der Kurs bei 0,19 Euro bewegt sich nahe dem 52-Wochen-Tief. Ein RSI von 26 signalisiert überverkauftes Terrain. Der entscheidende Test folgt am 22. April mit den Q1-Zahlen — dann zeigt sich, ob der prall gefüllte Auftragsbestand schneller in Umsatz umgewandelt wird als bisher.

SFC Energy: Rüstungsgeschäft als Wachstumsmotor

Gestern veröffentlichte SFC Energy den testierten Geschäftsbericht 2025 — und die Zahlen bestätigen den strategischen Schwenk zur Verteidigung. Der Konzernumsatz lag mit 143,3 Millionen Euro nahezu stabil gegenüber dem Vorjahr (144,8 Millionen). Das vierte Quartal lieferte mit 40,6 Millionen Euro ein Quartalshoch und markierte die Rückkehr auf den Wachstumspfad.

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Das bereinigte EBITDA erreichte 16,7 Millionen Euro bei einer Marge von 11,6 Prozent. Bereits rund 50 Prozent der Erlöse stammen aus dem Bereich Verteidigung und Sicherheit — 2026 soll dieser Anteil auf 60 Prozent steigen. Der reine Verteidigungsumsatz soll von 14 Millionen auf 23 bis 33 Millionen Euro klettern.

Die Analysten reagieren unterschiedlich, aber überwiegend konstruktiv:

  • Warburg Research: Kursziel von 18 auf 20 Euro angehoben, Guidance als konservativ eingestuft
  • First Berlin: Kursziel auf 22 Euro erhöht, operative Gewinnerwartung für 2026 rund 27 Prozent über bisherigen Schätzungen
  • Berenberg: Hochstufung von Hold auf Buy, Kursziel allerdings von 18 auf 17 Euro gesenkt
  • Deutsche Bank: Hold beibehalten, Kursziel 16,40 Euro

Berenberg-Analyst Robert-Jan van der Horst hält den Kursrückgang von mehr als 20 Prozent für übertrieben. Bei aktuell 14,30 Euro liegt die Aktie rund 46 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch — Potenzial nach oben sehen gleich mehrere Häuser. Das Nordamerika-Geschäft blieb allerdings hinter den Erwartungen zurück, belastet durch Wechselkursvolatilität und US-Zollpolitik.

SunHydrogen: Vom Labor zur Fertigungslinie

SunHydrogen befindet sich in einer völlig anderen Phase als die übrigen Titel dieser Auswahl. Das Unternehmen erzielt noch keinen nennenswerten Umsatz — die Marktkapitalisierung liegt bei rund 121 Millionen US-Dollar, Analysten-Coverage existiert nicht.

Der wichtigste Meilenstein Anfang 2026: Am 11. Februar unterzeichnete SunHydrogen ein Technologie- und Fertigungsdienstleistungsabkommen mit CTF Solar, einer Tochter des chinesischen Baustoffriesen CNBM. Das Zwei-Jahres-Programm mit einem Volumen von rund 2 Millionen Euro zielt auf die Produktion von bis zu 1.000 großformatigen Wasserstoff-Modulen (je 1,92 m²). Damit sollen Ausbeute und Effizienz unter industriellen Bedingungen validiert werden.

Am Pilotstandort in Austin wurden vier Wasserstoff-Panels unter realen Sonnenlichtbedingungen betrieben. Die Leistungswerte wichen allerdings von früheren Iowa-Tests ab, was auf Unterschiede im Solarsubstrat-Prozess zurückgeführt wird. Die Technologie — photoelektrochemische Reaktoren, die Solarsammlung und Wasserspaltung in einer Einheit integrieren — bleibt vielversprechend, aber der Weg von 1.000 Modulen zu kommerziellen Abnahmeverträgen ist lang.

PowerCell Sweden: Starke Margen, schwacher Kurs

PowerCell Sweden liefert operativ, was viele Wasserstoff-Unternehmen versprechen. Im zweiten Quartal 2025 stiegen die Nettoerlöse um 96 Prozent auf 130 Millionen SEK. Die Bruttomarge erreichte 61,6 Prozent. Im dritten Quartal folgte ein Umsatzwachstum von 90 Prozent im Jahresvergleich — verbunden mit einem erstmals positiven rollierenden 12-Monats-EBITDA.

Zwei strategische Entwicklungen stechen heraus. Die Partnerschaft mit Robert Bosch wurde auf den chinesischen Markt ausgeweitet und generierte Lizenzgebühren von 62,2 Millionen SEK. Zusätzlich sicherte sich PowerCell einen 44-Millionen-SEK-Auftrag eines italienischen Marine-OEM für eine 1-MW-Brennstoffzellenlösung der nächsten Generation — die erste kommerzielle Bestellung für diese neue Plattform.

Der Kurs spiegelt diese Fortschritte nicht wider. Bei aktuell 1,64 Euro liegt die Aktie rund 62 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch und mehr als 40 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt. Das durchschnittliche Analysten-Kursziel von rund 39 SEK liegt über 70 Prozent über dem letzten Schlusskurs in Stockholm. Die Bewertungslücke reflektiert weniger unternehmensspezifische Probleme als die breite Sektorskepsis.

Wasserstoff im Frühjahr 2026: Umsetzung statt Vision

Die Trennlinie im Sektor verläuft klar entlang der Fähigkeit, Aufträge in Cashflow umzuwandeln. SFC Energy und PowerCell Sweden stehen am reiferen Ende des Spektrums — mit nachgewiesener Margenstärke und aufgestockter Analysten-Coverage. Nel ASA steckt im unbequemen Mittelfeld: prall gefüllte Auftragsbücher, aber ein Umsatzrückgang von 31 Prozent. Plug Power inszeniert die lauteste Turnaround-Story, muss aber Quartal für Quartal liefern. SunHydrogen bleibt ein reiner Technologieentwickler mit dem CTF-Solar-Programm als bislang greifbarstem kommerziellen Meilenstein.

Die nächsten Wochen bringen mehrere Katalysatoren: Nel ASAs Hauptversammlung am 10. April und Q1-Zahlen am 22. April, SFC Energys Bestätigung der Verteidigungsstrategie durch die testierten Jahreszahlen, und bei Plug Power den schrittweisen Beweis, dass der EBITDAS-Fahrplan diesmal hält. Für PowerCell wird die Frage sein, ob die Bosch-Partnerschaft in China zügig skaliert. Das Thema 2026 im Wasserstoff-Sektor ist nicht mehr Zukunftsvision — es geht um Liefertreue, Zeitpläne und den Beweis, dass volle Auftragsbücher auch volle Kassen bedeuten.

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