In der Episode #1124 der Wiener Börse Party liefert Moderator Christian Drastil einen kompakten Freitags-Überblick über die erneut schwachen Märkte, bemerkenswerte Unternehmenszahlen und gleich mehrere spannende Randgeschichten – von einem historischen Doppel-IPO bis hin zu einem möglichen Börsengang.

Märkte erneut unter Druck – ATX fällt unter Jahresstartwert

Die Abwärtsbewegung an den europäischen Börsen setzt sich auch am Freitag, dem 27. März 2026, fort. Der ATX notierte zur Mittagszeit mit einem Minus von 1,57 Prozent bei 5.283 Punkten – und damit erneut unter dem Jahresstartwert von 5.326 Punkten.

Dieser Artikel ist eine Added Value Version zu den Key-Insights einer Podcastfolge von audio-cd.at, aufgewertet durch Archivbausteine. Die hier veröffentlichten Gedanken/Schlüsse sind weder als Empfehlung noch als ein Angebot oder eine Aufforderung zum An- oder Verkauf von Finanzinstrumenten zu verstehen und sollen auch nicht so verstanden werden. Der Handel mit Finanzprodukten unterliegt einem Risiko. Sie können Ihr eingesetztes Kapital verlieren.

Einzelne Gewinner gab es dennoch: Bajaj Mobility legte rund zwei Prozent zu, ebenso Frequentis mit plus zwei Prozent. Der Flughafen Wien konnte sich zumindest knapp im positiven Bereich halten.

Im DAX zeigte sich ein ähnliches Bild mit einem Minus von 1,22 Prozent auf 22.338 Punkte. Zu den wenigen Lichtblicken zählten SAP mit einem Plus von 1,2 Prozent, BASF mit einem Prozent Zuwachs sowie Symrise mit 0,6 Prozent im Plus.

Passend zur aktuellen Marktlage lieferte Drastil eine augenzwinkernde Neuinterpretation des Begriffs EBITDA: „Earnings before Iran and Donald Trump's Announcements" – eine Anspielung auf die geopolitischen Unsicherheiten, die derzeit die Märkte belasten.

UBM: Vorsteuerergebnis dreht ins Plus – Dividende bleibt aber aus

Die wichtigste Unternehmensmeldung des Tages kam von der UBM Development. Der Immobilienentwickler konnte einen beachtlichen Turnaround beim Vorsteuerergebnis vermelden: Nach einem Verlust von 23,2 Millionen Euro im Vorjahr erwirtschaftete UBM 2025 ein positives Vorsteuerergebnis von 3,9 Millionen Euro.

Das Ergebnis nach Steuern blieb zwar mit minus 2,3 Millionen Euro noch im negativen Bereich, stellte aber im Vergleich zum Vorjahreswert von minus 29,6 Millionen Euro eine deutliche Verbesserung dar. Die Richtung stimmt also, auch wenn der Weg zur vollständigen Erholung noch nicht abgeschlossen ist.

Trotz der positiven Tendenz gibt es für Aktionäre vorerst keine Ausschüttung: Eine Dividende geht sich in der aktuellen wirtschaftlichen Situation noch nicht aus, und auch Boni wird es nicht geben. Das Unternehmen geht jedoch von positiven Effekten durch die Marktbereinigung aus. Besonders interessant: UBM evaluiert derzeit eine Optimierung der Eigenkapitalstruktur durch die Begebung von Genussrechtskapital, wobei das Volumen bis zu 90 Millionen Euro betragen könnte – ein Schritt, der die Bilanzstruktur des Unternehmens signifikant verändern würde.

Emerald Horizon: Neuer Börsenkandiat sorgt für Aufmerksamkeit

Für einen überraschenden Gesprächspartner sorgte das Unternehmen Emerald Horizon. Drastil berichtete von einem Telefonat mit dem aus der Politik bekannten Norbert Hofer am Vormittag und kündigte eine künftige Börsepeople-Folge an. „Dass ich mal mit ihm über die Börse sprechen würde, hätte ich mir vor zwei Monaten nicht gedacht, umso mehr freut es mich", so Drastil.

Emerald Horizon plant einen Börsengang im zweiten Quartal, möglicherweise auch in Wien, wobei der ATX Prime als Zielsegment genannt wurde. Aktuell steht eine Pre-IPO-Kapitalerhöhung an, zu der das Unternehmen Fragen beantworten will. Inhaltlich geht es u.a. um ein sogenanntes Thorium-Ticket. Drastil bezeichnete die Investment-Story als „sehr, sehr spannend" und kündigte an, möglicherweise noch am selben Tag eine Folge im Private Investor Relations Podcast dazu einzusprechen.

Börsegeschichte: Der Tag des doppelten IPOs vor 26 Jahren

Passend zum Thema Börsengänge erinnerte Drastil an ein historisches Datum: Am 27. März 2000 – also exakt vor 26 Jahren – fanden gleich zwei österreichische IPOs an einem einzigen Tag statt. Kretztechnik ging damals an die Frankfurter Börse und erlöste 74 Millionen Euro plus einen Greenshoe von 11,1 Millionen Euro. Das Unternehmen war allerdings nicht lange an der Börse notiert.

Am selben Tag debütierte die legendäre betandwin.com mit einem Erlös von 54 Millionen Euro und einem Greenshoe von 5,4 Millionen Euro. Besonders bemerkenswert: Die Emission war 32,5-fach überzeichnet. Drastil verwies darauf, dass dieser Börsengang ein "Riesen-Kapitel" in seinem 420-seitigen Buch zur Wiener Börse einnimmt, das sich gerade in der Korrekturphase befindet.

Als weitere historische Kuriosität wurde erwähnt, dass die Agrana-Aktie am 27. März 2002 den siebten Tag in Folge unverändert notierte – ein Phänomen, das es heute kaum noch gibt.

Research-Überblick: Porr im Analystenblickfeld, Insiderkäufe bei Kontron

Die Research-Landschaft bot am Freitag reichlich Material. Besonders im Fokus stand die Porr AG, die gleich von drei Häusern bewertet wurde: Warburg stufte den Bautitel nach den Zahlen mit Buy und einem Kursziel von 43 Euro ein. Die Erste Group wechselte von Buy auf Accumulate, hob das Kursziel aber von 34,5 auf 39,5 Euro an. Montega blieb bei der Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 46 Euro.

Bei FACC bekräftigte Oddo BHF die Outperform-Einstufung mit einem Kursziel von 15 Euro. Die Analysten sehen die Margenausweitung im aktuellen Kurs noch nicht angemessen berücksichtigt.

Kontron wurde weiterhin von der DZ-Bank mit Buy eingestuft, wobei das Kursziel allerdings von 33 auf 31 Euro gesenkt wurde. Jefferies bestätigte ebenfalls die Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 27 Euro. Für Do & Co gab es eine Übergewichten-Empfehlung von Cantor Fitzgerald, das Kursziel wurde jedoch von 270 auf 262 Euro reduziert.

Bemerkenswert waren zudem die Insiderkäufe: Kontron-CEO Hannes Niederhauser, der laut Drastil „immer wieder gerne kauft", erwarb 5.000 Aktien zu 17,62 Euro und weitere 3.000 Stück zu 18,74 Euro. Auch Porr-Vorstand Josef Dieter Deix griff zu und kaufte 1.350 Aktien zu 35,10 Euro – ein Signal, das am Markt typischerweise als Vertrauensbeweis des Managements in das eigene Unternehmen gewertet wird.

Fazit: Schwacher Handelstag mit vielen Einzelgeschichten

Der Freitag an der Wiener Börse war geprägt von anhaltend schwacher Marktstimmung bei gleichzeitig zahlreichen bemerkenswerten Einzelmeldungen. Der UBM-Turnaround beim Vorsteuerergebnis zeigt, dass selbst in einem schwierigen Marktumfeld Erholungsgeschichten möglich sind – auch wenn der Weg zur Dividendenfähigkeit noch etwas dauern dürfte. Die breite Analystenabdeckung für Porr mit durchweg positiven Einstufungen, die Insiderkäufe bei Kontron und Porr sowie die Börsengangfantasie rund um Emerald Horizon liefern trotz der roten Vorzeichen am Gesamtmarkt genügend Stoff für Anleger, die über den Tagesrand hinausblicken.