Amerikas ambitioniertestes Raketenabwehrprojekt hat einen neuen Software-Partner, und er heißt Palantir. Gleichzeitig investiert Aixtron 40 Millionen Euro in eine Fabrik in Südostasien, IREN-Chef Daniel Roberts beschreibt den KI-Infrastrukturausbau als „permanentes Whack-a-Mole", Rocket Lab surft auf einer SpaceX-Euphorie — und BrainChip meldet klammheimlich ein Rekordumsatzjahr. Fünf Technologiewerte, fünf grundverschiedene Geschichten.

Die Klammer um alle fünf bilden zwei Kräfte: eskalierende Nachfrage nach KI-gestützter Verteidigungssoftware einerseits, physische Engpässe beim Ausbau der KI-Infrastruktur andererseits. Steigende US-Verteidigungsbudgets im Zuge des US-Iran-Konflikts stützen Unternehmen mit konkreten Regierungsaufträgen. Gleichzeitig sorgen Zollunsicherheiten und geopolitische Volatilität für scharfe Verwerfungen innerhalb der Branche. Wer liefert, wird belohnt. Wer nur Narrative bietet, verliert.

Palantir: Software-Schicht für Amerikas Raketenschild

Die Nachricht der Woche kam am 24. März: Palantir entwickelt gemeinsam mit Anduril die Software für das „Golden Dome"-Projekt — ein 185 Milliarden Dollar schweres Raketenabwehrsystem, das ballistische, Marschflugkörper und Hyperschallraketen abfangen soll. Die Software-Tests starten im Sommer.

Space-Force-General Michael Guetlein bezeichnete die Software als „Klebeschicht", die es Offizieren ermöglicht, Radare, Sensoren und Raketenabwehrbatterien über alle Teilstreitkräfte hinweg zu steuern. Nur wenige Tage zuvor hatte das Pentagon Palantirs Maven Smart System zum offiziellen Programm erklärt — ein Schritt, der den Weg für dauerhafte Finanzierung und breite militärische Adoption ebnet.

Im vierten Quartal 2025 erwirtschaftete Palantir einen Umsatz von 1,407 Milliarden Dollar — ein Wachstum von 70 % im Jahresvergleich. Das US-Geschäft mit Firmenkunden legte um 137 % zu, der Gesamtvertragswert stieg um 138 % auf 4,3 Milliarden Dollar. Für 2026 peilt das Management rund 7,2 Milliarden Dollar Umsatz an, was einem Wachstum von etwa 61 % entspräche.

Die Bewertung bleibt ambitioniert. Bei einer Marktkapitalisierung von rund 346 Milliarden Dollar und einem KGV von 233 spielt der Markt bereits viel Zukunft ein. Rosenblatt Securities erhöhte das Kursziel auf 200 Dollar mit Verweis auf steigende geopolitische Spannungen und wachsende Nachfrage nach KI-Verteidigungssoftware. Der Konsens von 14 Kaufempfehlungen, vier Halteempfehlungen und zwei Verkaufsratings ergibt ein durchschnittliches Kursziel von 194,61 Dollar. Die Aktie notiert aktuell bei 125,92 Euro — rund 30 % unter ihrem 52-Wochen-Hoch.

Aixtron: 40-Millionen-Euro-Wette auf Penang

Aus Herzogenrath kam am 25. März eine strategische Weichenstellung. Der Halbleiter-Ausrüster baut eine neue Fertigungsstätte in Malaysia, um näher an das rasant wachsende Halbleiter-Ökosystem in Südostasien zu rücken. Am Standort in der Region Penang sollen künftig Produkte der 100/150/200-Millimeter-Klasse gefertigt werden — Montage, Test, Engineering-Support und lokaler Einkauf inklusive.

Die Investitionssumme beläuft sich auf rund 40 Millionen Euro, verteilt auf die zweite Jahreshälfte 2026 und die erste Jahreshälfte 2027. Erste Auslieferungen werden für die zweite Hälfte 2027 erwartet. Ein wichtiges Detail: Aixtron plant keinen Stellenabbau an den europäischen Standorten in Herzogenrath und Cambridge. Die Malaysia-Fabrik soll bestehende Stärken ergänzen, nicht ersetzen.

Im letzten Quartal übertraf Aixtron die Erwartungen deutlich:

  • Umsatz: 187 Millionen Euro (Schätzung: 171,46 Mio. Euro)
  • Gewinn je Aktie: 0,43 Euro (Schätzung: 0,33 Euro) — eine positive Überraschung von knapp 32 %
  • KGV: 46,12

J.P. Morgan und Jefferies bekräftigten ihre Kaufempfehlungen, Barclays hatte bereits im Februar auf „Übergewichten" hochgestuft und verwies auf das KI-Wachstumspotenzial. Der heutige Tagesverlust von über 7 % auf 32,86 Euro fällt vor dem Hintergrund eines Jahresplus von gut 190 % weniger dramatisch aus — wirkt eher wie eine Verschnaufpause nach steilem Anstieg. Die nächsten Quartalszahlen am 30. April werden zeigen, wie der Markt die Malaysia-Investition im Kontext der Jahresprognose bewertet.

IREN: Wenn der CEO das Problem beim Namen nennt

Einen Kursrückgang von 9,61 % an einem einzigen Handelstag muss man erst einmal verdauen. Am 26. März traf IREN eine Kombination aus eskalierenden Nahostspannungen und steigenden Ölpreisen — Gift für hochvolatile Infrastrukturwerte. Die Aktie notiert bei 31,94 Euro mittlerweile rund 52 % unter ihrem 52-Wochen-Hoch.

Dabei lieferte CEO Daniel Roberts auf dem All-In Podcast während Nvidias GTC-Konferenz eine der ehrlichsten Zustandsbeschreibungen der KI-Infrastrukturbranche. Er nannte den aktuellen Ausbau „permanentes Whack-a-Mole" — erst waren GPUs der Engpass, dann Strom, jetzt sei es die „Zeit bis zur Rechenleistung". Grundstücke sichern, ans Stromnetz anschließen, tausende Arbeiter einstellen, Kühl- und Elektrosysteme bauen — an irgendeiner Stelle hakt es immer.

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Die Ambitionen bleiben gewaltig. IREN plant den Erwerb von 50.000 zusätzlichen Nvidia-B300-GPUs und will seine Gesamtflotte auf rund 150.000 GPUs ausbauen. Die Bereitstellung soll in der zweiten Jahreshälfte 2026 über Rechenzentren in British Columbia und Texas erfolgen. Ein 9,7-Milliarden-Dollar-Vertrag mit Microsoft verankert die Transformation vom Bitcoin-Mining hin zum KI-Cloud-Computing. Das Ziel: 3,7 Milliarden Dollar annualisierter KI-Cloud-Umsatz bis Jahresende 2026 — bei einem Investitionsbedarf von 3,5 Milliarden Dollar.

Roth MKM, Cantor Fitzgerald und B. Riley Securities halten an ihren Kaufempfehlungen fest. Der Quartalsumsatz sank zwar auf 184,7 Millionen Dollar wegen rückläufiger Bitcoin-Kurse, aber das KI-Umsatzziel für 2026 steht.

Rocket Lab: SpaceX-Euphorie trifft auf echte Aufträge

Am 25. März schoss die Rocket-Lab-Aktie um mehr als 10 % nach oben und schloss bei 72,88 Dollar. Der Auslöser war ein Cocktail aus Brancheneuphorie, handfesten Vertragsgewinnen und neuen Analystenempfehlungen. Berichte über einen möglichen SpaceX-Börsengang befeuerten die gesamte Raumfahrtbranche — und Rocket Lab profitierte überproportional.

Der substanziellste Katalysator: ein 190-Millionen-Dollar-Blockvertrag des US-Verteidigungsministeriums über 20 Hyperschall-Testflüge mit dem HASTE-Trägersystem im Rahmen des MACH-TB-2.0-Programms. Damit überschritt Rocket Labs Gesamtauftragsbestand die Zwei-Milliarden-Dollar-Marke. NASAs 20-Milliarden-Dollar-Plan „Ignition" zum Bau einer Mondbasis könnte zusätzliche Aufträge generieren. Operativ verlief der 84. Electron-Start am 21. März reibungslos — ein SAR-Bildgebungssatellit für Synspective erreichte seinen Orbit in 573 Kilometer Höhe.

Die Geschäftszahlen untermauern die Dynamik: Im vierten Quartal 2025 stieg der Umsatz um 36 % auf 180 Millionen Dollar, das Gesamtjahr brachte 602 Millionen Dollar bei einer Bruttomarge von 38 %. Der Auftragsbestand wuchs um 73 % auf 1,85 Milliarden Dollar. Für 2026 liegt die Umsatzprognose bei rund 885 Millionen Dollar. Profitabel ist Rocket Lab noch nicht — das KGV von -175 spiegelt den Wachstumskurs wider. Clear Street nahm die Aktie jüngst mit Kaufempfehlung und einem Kursziel von 88 Dollar auf. Am 27. März pendelte der Kurs zwischen 65,59 und 72,39 Dollar.

BrainChip: Umsatzsprung von 375 % — und kaum jemand schaut hin

Während die großen Namen Schlagzeilen sammeln, liefert BrainChip stillschweigend eine bemerkenswerte Wende. Im Geschäftsjahr 2025 stieg der Umsatz auf 1,89 Millionen Dollar — nach gerade einmal 398.000 Dollar im Vorjahr. Ein Sprung von fast 375 %. Der Nettoverlust schrumpfte von 24,43 auf 20,47 Millionen Dollar.

Die Zahlen sind in absoluten Beträgen noch bescheiden. Für ein Unternehmen, das jahrelang für die schleppende Kommerzialisierung seines neuromorphen Akida-Prozessors kritisiert wurde, markieren sie aber einen echten Wendepunkt. Der Akida-Chip ahmt neuronale Strukturen des Gehirns nach und verarbeitet Sensordaten direkt am Erfassungspunkt — mit minimaler Energieaufnahme. Das Thema Edge-KI gewinnt an Relevanz, und BrainChip positioniert sich als Nischenanbieter in diesem wachsenden Segment.

Die Aktie spiegelt den operativen Fortschritt nicht wider. In Frankfurt notiert sie bei 0,09 Euro und liegt 43 % unter dem 52-Wochen-Hoch. Es gibt keine formalen Wall-Street-Kursziele — der Micro-Cap-Status und die geringe institutionelle Abdeckung lassen kaum Analystenresearch zu. Die projizierte Umsatzwachstumsrate für die kommenden drei Jahre liegt bei 55 % jährlich. Nächste Quartalszahlen erscheinen erst am 21. August 2026.

Verträge gegen Versprechen — eine Branche im Spagat

Die fünf Aktien illustrieren einen fundamentalen Riss im Technologiesektor. Unternehmen mit konkreten Katalysatoren — Regierungsverträge, physische Expansion, strategische Partnerschaften — laufen denen davon, die noch in der Kommerzialisierungsphase stecken.

Palantir und Rocket Lab teilen einen gemeinsamen Nenner: Beide profitieren direkt von steigenden US-Verteidigungsausgaben. Rocket Labs Zwölfmonatsgewinn von über 273 % zeigt, wie stark der Markt verteidigungsnahe Raumfahrt derzeit belohnt. Aixtron verfolgt eine andere Logik — kein Verteidigungswert, sondern ein Halbleiter-Ausrüster, der seine Fertigungsgeographie erweitert, um in Asien wettbewerbsfähig zu bleiben.

IREN verkörpert die physischen Grenzen des KI-Booms. GPUs, Strom, Land und Arbeitskräfte gleichzeitig zu sichern — das ist die Herausforderung nicht nur für IREN, sondern für die gesamte Hyperscaler-Branche. BrainChip bleibt der spekulativste Name der Gruppe, aber das Umsatzwachstum signalisiert erstmals kommerzielle Traktion.

Geopolitik als Treiber und Bremse zugleich

Die nächsten Wochen bringen klar definierte Termine. Palantir berichtet am 4. Mai — der Markt wird nach Updates zum Golden-Dome-Vertrag und zur Maven-Einführung suchen. Aixtrons Zahlen am 30. April rücken die Malaysia-Investition ins Rampenlicht. Rocket Lab folgt am 13. Mai, mit Fokus auf den Neutron-Entwicklungszeitplan und die Auftragskonvertierung.

Geopolitische Volatilität wirkt in beide Richtungen. Der US-Iran-Konflikt bleibt Rückenwind für verteidigungsnahe Titel wie Palantir und Rocket Lab — und Gegenwind für hochvolatile Infrastrukturwerte wie IREN, wo steigende Ölpreise und Risk-off-Stimmung die täglichen Kursausschläge verstärken. Für BrainChip liegt der entscheidende Prüfstein weiter in der Zukunft: Kann das Unternehmen die Umsatzdynamik aus 2025 verstetigen, oder bleibt der Sprung ein Einmaleffekt?

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