Oracle Aktie: AI-Risiken rücken in den Fokus
Oracle steht mitten im AI-Boom – doch statt neuer Fantasie dominieren gerade Zweifel an Finanzierung, Transparenz und Strategie. Eine Klage von Anleihegläubigern und eine prominente Short-Position von Michael Burry bündeln gleich mehrere Sorgenpunkte. Wie stark belasten diese Faktoren die bisherige Erfolgsstory rund um Oracles Cloud- und AI-Infrastruktur?
Klage der Anleihegläubiger: Fokus auf AI-Finanzierung
Den größten Knackpunkt bringt eine vorgeschlagene Sammelklage von Bond-Investoren, die am Mittwoch bei einem Gericht im US-Bundesstaat New York eingereicht wurde. Die Kläger hatten im September Anleihen und Notes im Volumen von 18 Milliarden US-Dollar gezeichnet und werfen Oracle vor, wesentliche Informationen zu den eigenen Finanzierungsbedürfnissen verschwiegen zu haben.
Im Kern lautet der Vorwurf:
- Oracle habe nicht offengelegt, dass für den Aufbau der AI-Infrastruktur weitere umfangreiche Schuldenaufnahmen nötig sein würden
- Investoren hätten dadurch finanzielle Nachteile erlitten, weil der Kapitalbedarf der AI-Pläne unterschätzt worden sei
- Neben dem Unternehmen selbst ist auch Mitgründer Larry Ellison als Beklagter genannt
- Zudem sind die beteiligten Banken in die Klage einbezogen
Damit wird ausgerechnet die AI-Infrastruktur-Strategie zum juristischen Risiko – jenes Segment also, das seit dem großen Compute-Deal mit OpenAI als zentraler Wachstumstreiber gilt. Die Klage erhöht den Druck, die Balance zwischen aggressiven Investitionen und transparenter Kommunikation sauber zu managen.
Michael Burry wettet gegen Oracle
Für zusätzlichen Gegenwind sorgt die Offenlegung einer Short-Position von Michael Burry. Der durch „The Big Short“ bekannt gewordene Hedgefonds-Manager hat in den vergangenen sechs Monaten Put-Optionen auf Oracle aufgebaut und die Aktie direkt leerverkauft.
Burry begründet seine Skepsis mit der Kombination aus steigenden Investitionen und hoher Verschuldung. Oracle trägt derzeit rund 95 Milliarden US-Dollar an Schulden in der Bilanz – ein Wert, der angesichts der kapitalintensiven Rechenzentrumsprojekte auch andere Investoren nachdenklich macht.
Zu den Punkten, die Burry besonders kritisch sieht, zählen:
- Die aktuelle Investitionsrichtung und -geschwindigkeit
- Die wachsende Schuldenlast
- Hohe Capex-Anforderungen für neue und bestehende Datacenter
- Eine aus seiner Sicht überzogene AI-Bewertung im Gesamtmarkt
Zusammengenommen verstärken Klage und Short-Position das Bild eines Konzerns, der zwar offensiv auf AI setzt, dafür aber hohe finanzielle Risiken in Kauf nimmt.
Kursbild: Volatil, aber deutlich erholt
Die Aktie zeigt seit Monaten erhebliche Schwankungen. Nach einem extrem starken AI-getriebenen Kurssprung im vergangenen Jahr hat der Wert die damaligen Übertreibungen zwar wieder abgegeben, liegt aber aus längerfristiger Sicht weiterhin klar im Plus.
Aktuell notiert die Oracle-Aktie bei 202,29 US-Dollar und damit rund 82 % über dem 52‑Wochen-Tief, zugleich aber knapp 28 % unter dem Hoch. Das spiegelt eine typische AI-Story wider: starke Aufwärtsbewegung, gefolgt von teils heftigen Korrekturen, während der Markt versucht, die tatsächliche Ertragskraft der neuen Infrastruktur zu bewerten.
Auch technische Indikatoren deuten auf ein anspruchsvolles Umfeld hin: Der Kurs liegt spürbar über dem 50‑Tage-Durchschnitt und leicht über dem 200‑Tage-Durchschnitt, der RSI von 69,3 bewegt sich bereits nahe am überkauften Bereich.
Fundamentale Lage: Starkes Wachstum mit hohem Einsatz
Trotz der jüngsten Turbulenzen liefert Oracle operativ beeindruckende Zahlen. Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026, veröffentlicht am 10. Dezember 2025, zeigte der Konzern deutliche Wachstumsdynamik:
- Umsatz: +14 % gegenüber dem Vorjahr auf 16,1 Mrd. US-Dollar
- Cloud-Erlöse: +34 % auf 8,0 Mrd. US-Dollar
- Remaining Performance Obligations (RPO): +438 % auf 523 Mrd. US-Dollar
- GAAP-EPS: 2,10 US-Dollar, +91 %
- Non-GAAP-EPS: 2,26 US-Dollar, +54 %
Zusätzlich wurde eine Quartalsdividende von 0,50 US-Dollar je Aktie beschlossen. Die Geschäftszahlen unterstreichen, wie stark Oracle vom Cloud- und AI-Boom profitiert – insbesondere die massive Zunahme der ausstehenden Leistungsversprechen (RPO) signalisiert langfristig gebuchte Umsätze.
Dem gegenüber stehen allerdings die genannten Schulden von etwa 95 Milliarden US-Dollar und die hohen Investitionen in Rechenzentren. Genau dieser Spagat – hohes Wachstum gegen hohen Kapitaleinsatz – steht im Zentrum der aktuellen Debatte.
Analysten uneins über Bewertung
Die Einschätzungen an der Wall Street fallen entsprechend gemischt aus. Einige Häuser setzen klar auf die AI-Story, andere treten vorsichtiger auf die Bremse.
Einige markante Punkte:
- Jefferies bleibt mit einem Kursziel von 400 US-Dollar klar optimistisch und verweist auf das Potenzial der AI-Infrastruktur
- UBS hat das Kursziel zuletzt von 325 auf 280 US-Dollar gesenkt, hält aber dennoch an einer Kaufempfehlung fest
- KeyBanc Capital Markets sieht die Aktie nach dem Rücksetzer als „unterbewertet“ und teilt die Bewertung des Geschäfts auf:
- Kernbusiness: rund 125 US-Dollar je Aktie
- IaaS-Sparte: zusätzlich etwa 75–80 US-Dollar je Aktie auf Basis aktueller Multiples
Damit spannt sich die Analystenspanne von deutlich euphorisch bis vorsichtig konstruktiv. Klar ist: Ein wesentlicher Teil des aktuellen Werts entfällt bereits auf die AI- und Infrastruktur-Fantasie, deren Umsetzung noch vor Oracle liegt.
Veränderungen im Board und Ausblick
Parallel zu den finanziellen und juristischen Themen hat Oracle zwei der dienstältesten Aufsichtsräte verabschiedet und die Größe des Boards auf 12 Mitglieder reduziert. Die Neuausrichtung der Besetzung fällt in eine Phase, in der Governance-Fragen – gerade bei großen, schuldenfinanzierten Transformationsprojekten – stärker im Fokus stehen.
Bis zur nächsten Zahlenvorlage am 9. März 2026 wird sich entscheiden, ob Oracle die starke Wachstumsdynamik im Cloud- und AI-Geschäft fortsetzen kann und ob die rechtlichen und strategischen Bedenken an Schärfe gewinnen oder an Bedeutung verlieren. Für den Moment prallen robuste operative Kennzahlen, hohe Verschuldung, eine ausgedehnte AI-Investitionsoffensive und zunehmende rechtliche Risiken unmittelbar aufeinander – genau dieser Konflikt prägt derzeit das Chance-Risiko-Profil der Oracle-Aktie.
Oracle-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Oracle-Analyse vom 14. Januar liefert die Antwort:
Die neusten Oracle-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Oracle-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 14. Januar erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Oracle: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...








