OMV sortiert sein Energie- und Chemiegeschäft neu – und verteilt gleichzeitig Risiken bei einem heiklen Offshore-Projekt im Schwarzen Meer. Während hohe Abschreibungen das Ergebnis für 2025 belasten, bleibt der Kurs erstaunlich stabil. Entscheidet sich in den kommenden Wochen, ob der Markt der neuen Strategie wirklich traut?

Han Asparuh: Risiko teilen, Kontrolle behalten

Am Schwarzen Meer setzt OMV einen wichtigen strategischen Schritt: Die staatliche Bulgarian Energy Holding (BEH) übernimmt 10 % am bulgarischen Explorationsprojekt „Han Asparuh“.

Die Eckpunkte:

  • BEH steigt mit 10 % in das Han-Asparuh-Projekt ein
  • Operative Führung bleibt bei OMV Petrom
  • Technisch anspruchsvolles Tiefsee-Explorationsgebiet nahe Neptun Deep
  • Bulgarisches und rumänisches Umfeld mit sicherheitspolitischer Überwachung

Der Vorteil für OMV liegt auf der Hand: Die Investitionsrisiken in diesem technisch komplexen Offshore-Gebiet werden breiter verteilt, ohne die Kontrolle aus der Hand zu geben. Die operative Leitung verbleibt bei der Tochter OMV Petrom, die im Schwarzmeerraum bereits Erfahrung gesammelt hat.

Das Feld liegt südlich des rumänischen Projekts Neptun Deep, einem weiteren wichtigen Offshore-Baustein in der Region. Parallel dazu betont das rumänische Verteidigungsministerium, der Offshore-Bereich des Projekts stehe unter ständiger Überwachung. Das unterstreicht die sicherheitspolitische Sensibilität der Region, mindert aber zugleich das Risiko ungeplanter Störungen aus Sicht der Projektpartner.

Chemie-Ausbau: Borealis im Fokus

Parallel zum Schwarzmeer-Projekt treibt OMV den Umbau hin zu einem integrierten Chemie- und Energiekonzern voran. Im Zentrum steht die Tochter Borealis.

Ein Schlüsselprojekt: Borealis investiert 49 Millionen Euro in den Standort Burghausen in Deutschland. Ziel ist der Ausbau der Kapazitäten für wiederverwertbare Kunststoffe. Damit positioniert sich die Gruppe klar in Richtung Kreislaufwirtschaft und höherwertiger Kunststoffanwendungen.

Diese Investition ist Teil der Vorbereitung auf eine größere Strukturmaßnahme, die bereits terminiert ist:

Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Omv?

  • Geplante Fusion im 1. Quartal 2026
  • Beteiligte: Borealis, Borouge und Nova Chemicals
  • Ziel: Aufbau einer globalen Chemieplattform
  • Schwerpunkt: höherwertige Polyolefine

Mit dieser Bündelung der Aktivitäten will OMV eine skalierbare Plattform schaffen, die von wachsender Nachfrage nach spezialisierten Kunststoffen profitieren soll.

Gleichzeitig warnt OMV-CEO Alfred Stern vor übermäßig strengen Vorgaben beim Kunststoffrecycling. Zu rigide Regulierung könnte nach seiner Einschätzung Innovationen ausbremsen – ein deutlicher Hinweis darauf, dass der Konzern zwar auf Recycling und Kreislaufwirtschaft setzt, aber regulatorische Planungssicherheit und Flexibilität einfordert.

Abschreibungen drücken, Kurs bleibt stabil

Den strategischen Nachrichten stehen deutliche Belastungen gegenüber, die OMV bereits Mitte Januar für das vierte Quartal 2025 angekündigt hat. Konkret geht es um Wertberichtigungen von rund 700 Millionen Euro. Gründe sind unter anderem:

  • höhere Lizenzkosten in Rumänien
  • gesunkene Produktionsmengen in Teilen des Portfolios

Solche Abschreibungen wirken direkt auf das Ergebnis des vierten Quartals und das Gesamtjahr 2025. Dennoch zeigt sich die Aktie robust. Mit rund 49,16 Euro notiert der Titel heute leicht über dem 200-Tage-Durchschnitt von 46,84 Euro. Auf Sicht von zwölf Monaten ergibt sich ein Anstieg von gut 26 %, trotz der jüngsten Sondereffekte.

Marktbeobachter leiten daraus ab, dass Investoren den langfristigen Weichenstellungen – Ausbau des Chemiegeschäfts, Risikoteilung im Explorationsbereich – derzeit mehr Gewicht beimessen als den bereits kommunizierten bilanziellen Belastungen. Auch der Abstand von knapp 5 % zum 200-Tage-Durchschnitt signalisiert, dass der Markt bislang an der grundsätzlichen Story festhält.

Die aktuelle Phase wird damit zu einer Art Übergangsperiode: Kurzfristig drücken Abschreibungen, mittel- bis langfristig sollen Projekte wie Han Asparuh und die geplante Chemieplattform die Ertragsbasis verbreitern.

4. Februar im Fokus: Zahlen und Dividende

Die entscheidende Bewährungsprobe für die OMV-Aktie folgt am 4. Februar 2026. Dann legt der Konzern die vollständigen Zahlen für das vierte Quartal und das Gesamtjahr 2025 vor.

Im Raum stehen dabei mehrere Kernfragen:

  • Wie stark belasten die Sonderabschreibungen tatsächlich das Quartalsergebnis?
  • In welchem Umfang können operative Gewinne diese Effekte abfedern?
  • Bleibt die bisherige Dividendenpolitik unangetastet?

Analysten erwarten im Konsens ein Ergebnis je Aktie von rund 1,53 Euro für das Schlussquartal 2025. Die Veröffentlichung wird zeigen, ob das laufende Geschäft genügend Ertragskraft hat, um die Wertberichtigungen weitgehend zu kompensieren.

Aus Investorensicht treffen am 4. Februar zwei Welten direkt aufeinander: die kurzfristig schwächeren Bilanzkennzahlen durch Abschreibungen und die langfristige Strategie mit wachsender Chemieorientierung und reduzierten Risiken bei kapitalintensiven Großprojekten wie Han Asparuh. Wie klar das Management diesen Spagat in den Zahlen und im Ausblick aufzeigt, dürfte maßgeblich bestimmen, ob der Kurs den Bereich oberhalb des 200-Tage-Durchschnitts behaupten kann oder eine Neubewertung einsetzt.

Omv-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Omv-Analyse vom 22. Januar liefert die Antwort:

Die neusten Omv-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Omv-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 22. Januar erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Omv: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...