OMV muss zum Jahresende 2025 gleich mehrere Baustellen managen: rückläufige Förderung, niedrigere Energiepreise und Wertberichtigungen in dreistelliger Millionenhöhe treffen auf deutlich bessere Raffineriemargen und ein strategisch wichtiges Wasserstoffprojekt. Wie sortiert sich das Bild für die Aktie kurz vor den endgültigen Jahreszahlen?

Der Kurs zeigt sich bislang robust: Heute notiert die OMV Aktie bei 48,40 Euro und damit nur leicht unter dem Niveau der vergangenen Wochen, obwohl die neue Belastung von 700 Millionen Euro im Raum steht.

Die Fakten im Überblick

  • Nicht-zahlungswirksame Wertberichtigungen von insgesamt 700 Mio. Euro in Q4/25
  • Fördermengen im Upstream-Geschäft um 11 % gegenüber Q4/24 gesunken
  • Deutlich höhere Raffineriemargen, aber operative Einschränkungen in wichtigen Anlagen
  • Chemiegeschäft mit höheren Volumina, aber gedämpfter Profitabilität
  • Förderzusage von bis zu 123 Mio. Euro für eine große grüne Wasserstoffanlage in Österreich
  • Vollständige Q4- und Jahreszahlen am 4. Februar 2026

Der Aktienkurs liegt rund 12 % unter dem 52‑Wochen‑Hoch von 55,00 Euro, aber gut 27 % über dem Tief von 38,10 Euro. Mit einem RSI von 47,9 und einem Kurs nahe dem 50‑Tage-Durchschnitt von 48,20 Euro signalisiert die technische Lage derzeit eher eine neutrale Verfassung.

Wertberichtigungen und schwächere Förderung

Das Trading Update vom 15. Januar 2026 rückt vor allem die 700 Millionen Euro an nicht-zahlungswirksamen Wertberichtigungen in den Fokus. Sie verteilen sich auf zwei Blöcke:

  • 400 Mio. Euro im Zusammenhang mit Produktionsrückgängen in Rumänien, Tunesien und Neuseeland
  • 300 Mio. Euro im Zusammenhang mit Verpflichtungen aus der Verlängerung von Produktionslizenzen in Rumänien

Hintergrund: Die rumänische Koalitionsregierung hatte im Dezember 2025 die Explorations- und Produktionsgenehmigungen für die Tochter OMV Petrom verlängert. Im Gegenzug steigen die Onshore-Royalty-Steuern um rund 40 %. Diese neuen Rahmenbedingungen schlagen sich nun bilanzwirksam nieder, ohne dass unmittelbar Liquidität abgeflossen wäre.

Parallel dazu ist die operative Entwicklung im Upstream-Segment klar rückläufig. Die Gesamtproduktion fiel im vierten Quartal 2025 auf 300.000 Barrel Öläquivalent pro Tag nach 337.000 im Vorjahresquartal. Besonders deutlich war der Rückgang in der Erdgasförderung von 156.000 auf 125.000 Barrel Öläquivalent pro Tag. Hinzu kommt ein niedrigerer realisierter Rohölpreis von 62,4 US‑Dollar je Barrel sowie ein Rückgang des durchschnittlichen Erdgaspreises um 3,2 % gegenüber dem Vorquartal.

Diese Kombination aus geringeren Volumina, etwas schwächeren Preisen und hohen Wertberichtigungen wird die Ergebnisrechnung für Q4/25 und das Gesamtjahr 2025 spürbar belasten.

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Raffinerien als Stütze

Auf der Downstream-Seite zeigt sich ein deutlich freundlicheres Bild. Der OMV-Raffinerie-Indikator für Europa stieg im vierten Quartal auf 13,96 US‑Dollar je Barrel, ein Plus von 21 % gegenüber den 11,54 US‑Dollar im Vorquartal. Die Auslastung der europäischen Raffinerien lag mit 89 % auf einem hohen Niveau.

Damit liefert das Raffineriegeschäft einen wichtigen Puffer gegen die Schwäche im Upstream-Segment. Allerdings relativiert OMV diesen positiven Effekt: Operative Einschränkungen in den Raffinerien Schwechat und Burghausen sowie verschiedene Einmaleffekte haben einen Teil des Margenanstiegs kompensiert. Unter dem Strich spricht das Trading Update dennoch für einen soliden Beitrag des Raffineriebereichs zum Q4-Ergebnis.

Chemiegeschäft: Mehr Volumen, begrenzter Hebel

Das Chemiesegment zeigt ein gemischtes Bild. Auf der positiven Seite stehen:

  • Eine höhere Ethylen-Indikator-Marge von 590 Euro je Tonne nach 570 Euro im dritten Quartal 2025
  • Ein deutlich gesteigertes Polyolefin-Absatzvolumen von 1,80 Millionen Tonnen nach 1,47 Millionen Tonnen in Q3/25

Dem gegenüber stehen belastende Faktoren: Die Auslastung der Steamcracker sank von 84 % auf nur 72 %, und sinkende Polyolefinmargen dämpften die Effekte der höheren Olefinmargen und Volumina. Damit wächst zwar der Output, der Ertrag je Tonne steht aber unter Druck, sodass der Ergebnisbeitrag aus der Chemie nicht im gleichen Ausmaß zulegt wie die Mengen.

Grüner Wasserstoff als strategischer Baustein

Einen klaren Zukunftsakzent setzt OMV mit dem geplanten Wasserstoffprojekt in Bruck an der Leitha. Anfang Januar 2026 unterzeichnete das Unternehmen einen Fördervertrag mit der Austria Wirtschaftsservice GmbH über bis zu 123 Millionen Euro an Produktionsförderung für grünen Wasserstoff.

Die Eckpunkte des Projekts:

  • Elektrolyseur-Kapazität von 140 MW
  • Jährliche Produktion von bis zu 23.000 Tonnen grünem Wasserstoff
  • Geplante Inbetriebnahme Ende 2027
  • Potenzielle CO₂-Einsparung von bis zu 150.000 Tonnen pro Jahr
  • Investitionsvolumen im mittleren dreistelligen Millionenbereich

Eine 22 Kilometer lange Pipeline soll die Anlage direkt mit der Raffinerie Schwechat verbinden. Das Projekt wurde zuvor von der Europäischen Wasserstoffbank positiv bewertet, was die regulatorische und förderseitige Unterstützung unterstreicht. Strategisch stärkt OMV damit die eigene Position in Richtung Dekarbonisierung und alternativer Energieträger, auch wenn die finanziellen Effekte erst in einigen Jahren sichtbar werden.

Ausblick auf die Zahlen am 4. Februar

Mit dem Trading Update hat OMV die wesentlichen Eckpunkte für Q4/25 und das Gesamtjahr 2025 vorgezeichnet: Rückgänge in der Förderung, niedrigere Energiepreise und hohe Wertberichtigungen auf der einen Seite, starke Raffineriemargen und ein wachsendes Chemievolumen sowie ein klar positioniertes Wasserstoffprojekt auf der anderen.

Am 4. Februar 2026 folgen die vollständigen Quartals- und Jahreszahlen. Dann werden vor allem drei Punkte im Mittelpunkt stehen: der endgültige Ergebnisbeitrag des Raffinerie- und Chemiegeschäfts, der genaue Einfluss der Wertberichtigungen auf das Nettoergebnis sowie die aktualisierte mittelfristige Ausrichtung von OMV im Spannungsfeld zwischen klassischem Öl- und Gasgeschäft und neuen Energieprojekten wie grünem Wasserstoff.

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