Nvidia, SambaNova & Novo Nordisk: Warum 5X-Geschwindigkeit und 350 Millionen Dollar nicht vor Abstürzen schützen
Liebe Leserinnen und Leser,
6 Prozent Verlust bei Hims & Hers, 16 Prozent bei Novo Nordisk gestern, heute weitere 3,5 Prozent – und Nvidia steht vor Quartalszahlen, die über Hunderte Milliarden Dollar Marktkapitalisierung entscheiden könnten. Manchmal verdichten sich an einem einzigen Handelstag all jene Spannungen, die Anleger seit Wochen umtreiben: Disruption durch KI, Zollunsicherheit, enttäuschende Studiendaten und die bange Frage, ob die Tech-Bewertungen noch zu rechtfertigen sind. Während SambaNova mit seinem neuen SN50-Chip Nvidia direkt herausfordert und 350 Millionen Dollar frisches Kapital einsammelt, rutscht Bitcoin unter 63.000 Dollar und halbiert damit seinen Wert seit Oktober. Schauen wir genauer hin.
Nvidia-Konkurrent SambaNova schlägt zu – Intel steigt ein
SambaNova hat gestern seinen SN50-Chip vorgestellt, der nach Unternehmensangaben bis zu fünfmal schneller arbeitet als konkurrierende Beschleuniger – gemeint sind vor allem Nvidias Produkte. Die Kosten für KI-Inferenz sollen um den Faktor drei sinken, was vor allem für Unternehmen interessant ist, die Chatbots und autonome Agenten im großen Stil einsetzen wollen. SoftBank wird erster Kunde und integriert den SN50 in seine neuen KI-Rechenzentren in Japan. Parallel dazu verkündete SambaNova eine mehrjährige strategische Partnerschaft mit Intel, die auch eine Investition von Intel Capital umfasst. Gemeinsam wollen beide Konzerne eine auf Intel-Xeon-Prozessoren basierende KI-Cloud aufbauen und damit Nvidia-zentrierten Lösungen Paroli bieten.
Die Finanzierungsrunde brachte SambaNova über 350 Millionen Dollar ein, angeführt von Vista Equity Partners und Cambium Capital. Auch Intel Capital, Battery Ventures und T. Rowe Price stiegen ein. Das Geld fließt in die Skalierung der SN50-Produktion und den Ausbau der Cloud-Kapazitäten. Für Anleger bedeutet das: Der Wettbewerb im KI-Chip-Markt verschärft sich genau zu dem Zeitpunkt, an dem Nvidia morgen seine Quarhalszahlen vorlegt. Analysten erwarten zwar ein Umsatzplus von 68 Prozent auf 66,16 Milliarden Dollar, doch die Wachstumsdynamik lässt nach – und nun drängen finanzstarke Rivalen in den Markt.
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Novo Nordisk: Wenn 23 Prozent Gewichtsverlust zur Enttäuschung werden
Die dänische Aktie verlor gestern 16 Prozent, heute kommen weitere 3,5 Prozent Minus hinzu. Der Grund: In der direkten Vergleichsstudie REDEFINE-4 erreichte Novo Nordisks CagriSema eine Gewichtsreduktion von 23 Prozent – Eli Lillys Zepbound schaffte 25,5 Prozent. Damit ist CagriSema dem US-Konkurrenzprodukt unterlegen, obwohl Novo genau das Gegenteil beweisen wollte. JPMorgan stufte die Aktie von „Overweight" auf „Neutral" ab und senkte das Kursziel von 350 auf 250 dänische Kronen. Die Deutsche Bank kappte ihr Ziel von 400 auf 275 Kronen und wechselte ebenfalls auf „Hold". Analyst Emmanuel Papadakis schrieb: „Ich werfe das Handtuch."
Die Studienergebnisse treffen Novo zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Das Unternehmen kämpft bereits mit stagnierendem Umsatzwachstum, Führungswechseln und einem verlorenen Übernahmepoker um Metsera. Eli Lilly hingegen baut seinen Vorsprung aus – nicht nur bei der Wirksamkeit, sondern auch bei der Marktdurchdringung. Zepbound ist in den USA bereits fest etabliert, und Lillys orale Variante steht im April vor der Zulassung. Novo hat zwar mit Oral-Wegovy die Nase vorn, doch dieser Vorsprung schmilzt. Für deutsche Anleger, die auf den europäischen Pharma-Champion gesetzt haben, ist das ein herber Rückschlag.
Bitcoin halbiert sich – und niemand kauft nach
Bitcoin fiel heute unter 63.000 Dollar und notiert damit 50 Prozent unter seinem Rekord von 126.272 Dollar aus dem Oktober. Strategy, der größte institutionelle Bitcoin-Käufer, meldete zwar den Kauf weiterer 592 Bitcoin, doch das Unternehmen sitzt auf tiefroten Zahlen: Der durchschnittliche Einkaufspreis liegt bei 76.020 Dollar. On-Chain-Daten von CryptoQuant zeigen, dass sogenannte Whales – Großinvestoren – weiterhin Bitcoin auf Börsen verschieben, vermutlich um zu verkaufen. Institutionelle Anleger zogen in der fünften Woche in Folge Geld aus Bitcoin-ETFs ab.
Die Gründe für den Ausverkauf sind vielschichtig: Zollunsicherheit nach dem Supreme-Court-Urteil, geopolitische Spannungen rund um den Iran und eine allgemeine Risikoaversion an den Märkten. Trump kündigte gestern einen globalen Zollsatz von 15 Prozent an, nachdem das Gericht seine ursprünglichen Notstandszölle gekippt hatte. Die tatsächliche Umsetzung erfolgte jedoch zunächst mit 10 Prozent. Diese Unberechenbarkeit lähmt nicht nur Aktienmärkte, sondern auch spekulative Assets wie Kryptowährungen. Ethereum verlor 2,8 Prozent, Solana 2,8 Prozent, XRP 2,6 Prozent. Der gesamte Kryptomarkt befindet sich im Sturzflug – und eine Bodenbildung ist nicht in Sicht.
DAX kämpft mit der 25.000er-Marke – Zollchaos belastet
Der DAX startete heute 0,16 Prozent leichter bei 24.952 Punkten und ringt erneut mit der psychologisch wichtigen 25.000er-Schwelle. Am Montag war der Index bereits unter diese Marke gerutscht, nachdem Trump seine Zollpläne neu justiert hatte. Marktexperte Thomas Altmann von QC Partners fasst die Stimmung zusammen: „Die Mutigen sind aktuell in der Minderheit." Die Doppelbelastung aus Zollunsicherheit und Iran-Konflikt führe zu erhöhter Risikoaversion.
Besonders unter Druck stehen exportorientierte Sektoren. SAP verlor gestern 3,3 Prozent, nicht nur wegen der Zölle, sondern auch wegen Sorgen über KI-Disruption im Softwaregeschäft. Anthropic hatte ein neues Sicherheitstool für sein KI-Modell Claude vorgestellt, was die gesamte Software- und Cybersicherheitsbranche belastete. Fresenius Medical Care legte heute Zahlen vor: Der Dialyseanbieter erreichte zwar seine Ziele für 2025, gab aber einen verhaltenen Ausblick für 2026. Die Aktie fiel vorbörslich um 6,6 Prozent. MTU Aero Engines meldete einen kräftigen Gewinnsprung, doch auch hier reagierten Anleger verhalten – die Aktie verlor 5,8 Prozent, weil der freie Cashflow enttäuschte.
Hims & Hers: Wenn der Ausblick die Euphorie bremst
Die Telehealth-Aktie Hims & Hers rutschte vorbörslich um über 6 Prozent ab, nachdem das Unternehmen für das erste Quartal 2026 einen Umsatz zwischen 600 und 625 Millionen Dollar prognostiziert hatte – Analysten hatten 653,9 Millionen erwartet. Für das Gesamtjahr rechnet Hims & Hers mit 2,7 bis 2,9 Milliarden Dollar Umsatz, was im Rahmen der Konsensschätzungen liegt. Doch die Anleger sind nervös, weil die FDA das Unternehmen wegen des Vertriebs von Wegovy-Kopien verklagt und Novo Nordisk ebenfalls rechtlich gegen Hims & Hers vorgeht.
Die Short-Quote bei Hims & Hers kletterte im Januar auf den höchsten Stand seit mindestens einem Jahr. Die Aktie hat seit Jahresbeginn 53 Prozent verloren, in den vergangenen zwölf Monaten sogar 69 Prozent. Truist Securities kommentierte, die Prognose für das erste Quartal impliziere einen deutlichen sequenziellen Anstieg im Jahresverlauf, doch die Sichtbarkeit über das erste Quartal hinaus sei begrenzt. Für Anleger, die auf den Boom bei Abnehm-Medikamenten gesetzt haben, wird klar: Der Markt ist hart umkämpft, und regulatorische Hürden können schnell zur Belastung werden.
Was jetzt zählt
Morgen Abend wird Nvidia seine Zahlen vorlegen – ein Termin, der über Hunderte Milliarden Dollar Marktkapitalisierung entscheiden könnte. Analysten erwarten zwar starke Ergebnisse, doch die Konkurrenz durch SambaNova, AMD und hauseigene Chips von Google und Meta wächst. Gleichzeitig bleibt die Zollfrage ungeklärt: Trump droht mit „obnoxiösen" Zöllen, falls Länder ihre Handelsabkommen neu verhandeln wollen. Und im Nahen Osten eskaliert die Lage weiter – die USA haben ihre Militärpräsenz rund um den Iran massiv verstärkt.
Für deutsche Anleger heißt das: Vorsicht bleibt geboten. Der DAX kämpft mit der 25.000er-Marke, exportorientierte Werte leiden unter der Zollunsicherheit, und die Tech-Rallye zeigt erste Ermüdungserscheinungen. Wer jetzt investiert, sollte auf Diversifikation setzen und sich nicht von kurzfristigen Schlagzeilen blenden lassen. Die Märkte bleiben volatil – und die nächsten Tage werden zeigen, ob Nvidia die Erwartungen erfüllen kann oder ob die KI-Wette ins Wanken gerät.
Bis morgen,
Andreas








