Nvidia Aktie: China-Risiko
Nvidia steht erneut im Zentrum des geopolitischen Technologiekonflikts. China blockiert laut Medienberichten die Einfuhr eines wichtigen KI-Chips, während zugleich neue US-Zolldrohungen die Verunsicherung an den Märkten erhöhen. Beides zusammen trifft ausgerechnet den wertvollsten Tech-Konzern der Welt – und wirft die Frage auf, wie belastbar das aktuelle KI-Narrativ ist.
China stoppt H200-Lieferungen
Auslöser der jüngsten Schwäche ist ein Bericht der Nachrichtenagentur Reuters: Chinesische Zollbehörden sollen die Einfuhr des H200-Chips faktisch gestoppt haben. Brisant daran: Die USA hatten die Ausfuhr dieses Modells nach China erst in der Vorwoche unter Auflagen wieder genehmigt.
Zusätzliche Schärfe bekam die Meldung durch Aussagen des taiwanischen Serverherstellers Inventec. Dessen Präsident Jack Tsai sprach auf einer Pressekonferenz von einer politischen Hängepartie: Die USA seien zwar offen für Lieferungen, doch aktuell liege der Ball klar auf chinesischer Seite. Damit wird deutlich, dass die H200-Freigabe aus Washington noch keine verlässliche Geschäftsgrundlage schafft.
Der H200 ist Nvidias zweitstärkster KI-Beschleuniger und ein zentraler Baustein der China-Strategie. Kunden auf dem Festland sollen Medienberichten zufolge Bestellungen von über einer Million Einheiten platziert haben – ein Volumen im Milliardenbereich. Nvidia hatte damit gerechnet, die Lieferungen noch vor dem chinesischen Neujahrsfest Mitte Februar anzustoßen. Die Blockade sorgt nun für erhebliche Unsicherheit über Zeitpunkt und Umfang dieses Geschäfts.
Handelsrhetorik belastet Tech-Sektor
Parallel dazu verschärft die US-Politik den Druck auf den gesamten Technologiesektor. Präsident Trump drohte neue Zölle gegen Länder an, die sich einem Verkauf Grönlands an die USA entgegenstellen. Die angedrohten Strafabgaben könnten demnach im Februar bei 10 % starten und bis Juni auf 25 % steigen.
Hinzu kamen in Aussicht gestellte Zölle auf französische Produkte und scharfe Kritik an europäischen Partnern. Der Markt reagierte empfindlich: Die Sorge vor einer neuen Runde im globalen Handelskonflikt wuchs, was vor allem wachstumsstarke Tech-Werte traf.
Betroffen waren alle sieben sogenannten „Magnificent Seven“: Neben Nvidia verzeichneten auch Tesla sowie Apple, Microsoft, Amazon, Alphabet und Meta durchweg Kursverluste. Bei Nvidia lag das Handelsvolumen rund 29 % über dem Durchschnitt, was auf eine spürbare Umschichtung größerer Adressen hindeutet.
Analysten bleiben konstruktiv
Trotz der politischen Turbulenzen bleibt die Stimmung an der Wall Street überwiegend positiv. Nvidia wird im Konsens als „Moderate Buy“ eingestuft, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 263,41 US‑Dollar und signalisiert aus aktueller Sicht deutliches Aufwärtspotenzial.
Besonders deutlich positioniert sich Wedbush-Analyst Dan Ives. Er wertet den Rücksetzer als Einstiegsgelegenheit in führende Tech-Werte. Kurzfristig dürften KI-Aktien im Zuge einer „Risk-off“-Phase zwar stärker schwanken, mittel- bis langfristig sieht er die „AI-Revolution“ aber weiterhin in einer frühen Phase. Als Treiber nennt Ives die anstehende Berichtssaison der großen Tech-Konzerne und geplante Investitionen von rund 550 Milliarden US‑Dollar in KI-Infrastruktur.
Auch andere Häuser bleiben bei überwiegend positiven Einschätzungen, wenngleich die Ansätze variieren:
- Wells Fargo bekräftigte Ende Dezember ein „Overweight“-Rating.
- Stifel Nicolaus setzte Anfang Januar ein Kursziel von 250 US‑Dollar.
- Cantor Fitzgerald hält an „Overweight“ mit einem Ziel von 300 US‑Dollar fest.
- Seaport Global erhöhte im November sein Ziel zwar auf 140 US‑Dollar, bleibt aber bei einer „Sell“-Einstufung – ein Hinweis darauf, dass nicht alle Analysten die Bewertung für gerechtfertigt halten.
Bewertung und technisches Bild
Fundamental bleibt Nvidia hoch bewertet: Beim Kursniveau um 186 US‑Dollar liegt das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis bei rund 40 und damit klar über dem Branchenschnitt von etwa 33. Gleichzeitig hat sich die Aktie auf Zwölfmonatssicht stark entwickelt und notiert deutlich über ihrem 52‑Wochen-Tief.
Aus technischer Sicht zeigt sich ebenfalls Stärke: Mit einem Schlusskurs von 186,25 US‑Dollar liegt der Titel rund 9,6 % über dem 50‑Tage-Durchschnitt und fast 24 % über der 200‑Tage-Linie. Der Abstand zum 52‑Wochen-Hoch von 190,53 US‑Dollar ist mit gut 2 % vergleichsweise gering, der RSI von 63 signalisiert eine erhöhte, aber noch nicht extreme Überkauftheit.
In Summe wirkt das Chartbild nach der jüngsten Rally robust, auch wenn Rückschläge vor dem Hintergrund der hohen Bewertung jederzeit möglich bleiben.
Wichtige Termine und offene Baustellen
Für die nächsten Monate zeichnen sich mehrere zentrale Wegmarken ab, die den Kurs maßgeblich beeinflussen dürften:
- Q4-Zahlen Ende Februar: Nvidia peilt für das Schlussquartal des Geschäftsjahres 2026 einen Umsatz von rund 65 Milliarden US‑Dollar an (plus/minus 2 %). Ob dieses Ziel erreicht oder übertroffen wird, ist ein entscheidender Test für die aktuelle Wachstumsstory.
- Rubin-Plattform in H2 2026: Mit der nächsten KI-Generation „Rubin“ will Nvidia seinen technologischen Vorsprung ausbauen. Der erfolgreiche Marktstart in der zweiten Jahreshälfte 2026 wäre ein wichtiges Signal für die künftige Ertragsdynamik.
- Klärung in China: Die Frage, ob Peking den H200 letztlich zulässt oder ein formelles Verbot ausspricht, bleibt der größte Unsicherheitsfaktor. Angesichts der bereits platzierten Großaufträge hätte eine dauerhafte Blockade spürbare Auswirkungen auf den erwarteten Umsatzbeitrag aus China.
Unabhängig von kurzfristigen Schwankungen steht damit fest: Die Kombination aus geopolitischem Druck, hoher Bewertung und enormen Investitionsplänen macht Nvidia zu einem der sensibelsten Gradmesser für die weitere Entwicklung des KI-Booms im Jahr 2026.
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